Apple sagt Google Adieu

iPhones und iPads verzichten künftig auf Google Maps, derweil wird Facebook besser integriert. Und der Apple-Fernseher bleibt ein Phantom.

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Vor über 5000 App-Entwicklern, die aus mehr als 60 Ländern angereist sind, hat Apple in San Francisco die kommende Version der Betriebssoftware für iPhones und iPads vorgestellt. Die bedeutendsten Änderungen sind ein eigener Kartografiedienst, der jenen von Google komplett ersetzt, sowie eine engere Integration von Facebook.

Die Apple-Karten wirken auf den ersten Blick sehr flüssig und ansprechend gestaltet, wie man es von Apple erwarten durfte. Wie gut die Datengrundlage ist, auf denen Apple die Karten aufbaut, lässt sich anhand der ersten Demos noch nicht sagen. Eindrückliche Effekte, wie der nahtlose Übergang zwischen den 2D-und 3D-Ansichten von Gebäuden und die Flyover genannte Funktion mit interaktiven 3D-Modellen von Städten lösten bei den anwesenden Entwicklern jedenfalls Begeisterung aus. Apple bietet ausserdem eine Navigation fürs Auto, die künftig kostenlos in jedem iPhone und iPad enthalten sein wird. Ein harter Schlag für Tom Tom, Navigon und Co.

«4000 lattes to go, please»

Rivale Google kam in der Präsentation nicht gut weg. So mokierte sich Apple etwa darüber, dass nur eine einstellige Prozentzahl aller Android-Handys mit dem neusten Betriebssystem laufen während vier von fünf iOS-Geräten auf dem neusten Stand sind.

Bei der Vorstellung des iPhones 2007 demonstrierte Steve Jobs noch persönlich die Vorzüge von Googles Kartendiensten – er suchte live nach einem Starbucks in der Innenstadt von San Francisco, rief dort an und bestellte «4000 lattes to go, please». Seither hat sich das Verhältnis zwischen Google und Apple deutlich abgekühlt, Jobs hielt bis zu seinem Tod daran fest, dass Android ein «gestohlenes Produkt» sei, dass es bis aufs Letzte zu bekämpfen gelte.

Verbessertes Verhältnis zu Facebook

Der Suchriese dürfte den Verzicht Apples auf Google Maps durchaus zu spüren bekommen. Rund die Hälfte aller mobil abgerufenen Kartendaten, die Google ausliefert, gehen heute auf Apple-Geräte. Welchen Umsatz Google dadurch verliert, ist indes nicht klar, es dürfte aber zu verschmerzen sein, da der Löwenanteil des Umsatzes mit Such-Werbung erzielt wird. Google hatte letzte Woche eine hastig zusammengestellte Pressekonferenz abgehalten, um ebenfalls neue Karten-Funktionen anzukündigen, unter anderem werden nun auch zu Fuss Wege für Streetview erfasst (wo Autos nicht hinkommen) und Android-Nutzer können Google Maps künftig auch offline nutzen. Beides übrigens Funktionen, die Apple vorerst nicht anbietet.

Grösster Anbieter mobiler Kartendienste ist bisher Nokia, sofern man Auto-Navis miteinbezieht. Die Finnen liefern die Karten für Bing, Yahoo und Facebook und kooperieren mit Groupon. Einen kostenlosen Offline-Modus gibt es für Nokia-Handys schon lange, gratis Navigation für Fussgänger, ÖV und Autofahrer sind ebenfalls Standard.

Das Verhältnis zwischen Apple und Facebook scheint sich zu verbessern, in iOS 6 ist das soziale Netzwerk fortan bestens integriert, wie es seit iOS 5 bereits mit Twitter der Fall ist.

Siri für die Schweiz und im Auto

Die Sprachassistentin Siri wird im kommenden iOS, das ab Herbst verfügbar sein wird, ebenfalls ein paar neue Tricks auf Lager haben. Sie kann neu Sportresultate liefern, kennt das Kinoprogramm und kann in Restaurants einen Tisch reservieren – in den USA. Bei uns werden diese Dienste erfahrungsgemäss weniger attraktiv sein. Interessant hingegen, dass es neu eine Siri-Version für die Schweiz geben wird, in drei Sprachen, wobei man allerdings nicht erwarten darf, dass Siri plötzlich Schweizerdeutsch versteht.

Dafür kann man sie bald für Facebook-Updates, Tweets und die kommende Auto-Navigation verwenden. Führende Autohersteller integrieren sogar einen Siri-Aktivierungsknopf direkt ins Steuerrad. Daneben gibt es diverse weitere neue Funktionen in iOS 6, überraschend ist eine zentrale App für Tickets, Bordkarten und Gutscheine.

Neue MacBooks, nichts zum Apple TV

Ebenfalls vorgestellt wurden neue Notebooks, darunter das sehr dünne neue MacBook Pro, das über einen Retina-Bildschirm verfügt (15 Zoll, 2880 mal 1800 Pixel), 18 Millimeter dünn und rund 2 Kilo schwer ist. Es ist ab sofort und ab 2499 Franken verfügbar.

Mit keinem Wort erwähnt wurde übrigens der sagenumwobene Apple-Fernseher, er bleibt vorerst ein Phantom. Auch eine Öffnung der bisherigen Settop-Box, dem Apple TV, für Apps von Drittherstellern blieb aus. Alles in allem hat Apple jedoch die Erwartungen erfüllt und solide Weiterentwicklungen der eigenen Software-Plattformen vorgestellt.

Erstellt: 11.06.2012, 22:00 Uhr

Entwicklerkonferenz WWDC: Apple lüftet den Schleier. (Video: Reuters)

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