Apple verspricht mehr Power und Bedienkomfort

Das Desktop-Betriebssystem erfährt eine sanfte Überarbeitung.

Apple-Softwarechef Craig Federighi führte gestern in San Francisco die neue Version von OS X vor.

Apple-Softwarechef Craig Federighi führte gestern in San Francisco die neue Version von OS X vor. Bild: Jeff Chiu/Keystone

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Apple hat gestern an der Entwicklerkonferenz WWDC die nächste Version des Desktop-Betriebsystems OS X vorgestellt. Die Version 10.11 trägt den Namen El Capitan und wird im Herbst kostenlos erhältlich sein.

Das auffälligste am neuen System ist natürlich der Name. El Capitan dürfte die Nutzer hierzulande an einen gestandenen Seebär wie Kapitän Haddock erinnern. Was sogleich die Frage aufwirft, ob das System einen durch sein kantiges Wesen womöglich das Fluchen lehren wird. Dabei ist die Sache harmlos: El Capitan ist ein Berg im Nationalpark Yosemite – wodurch Apple ausdrücken will, dass das neue System eine sanfte Überarbeitung des Vorgängers darstellt. Das hat Apple schon so gehandhabt als die Systeme noch nach Wildkatzen benannt wurden: Da wurde Leopard durch Snow Leopard und Lion durch Mountain Lion abgelöst.

El Capitan erfährt dementsprechend keine grundlegenden Veränderungen. Apple verspricht vor allem mehr Tempo: Vom Starten von Apps bis hin zum Zugriff auf Mail sei es schneller und reaktionsfreudiger, heisst es in der Pressemeldung. Eine Technologie namens Metal ermöglicht es Grafikanwendungen und Spielen, mehr Leistung aus den Grafikkarten herauszukitzeln. Der Name rührt daher, dass die Softwareschicht zwischen den Anwendungen und der Hardware quasi dünner geworden sind und die Apps näher am Silizium des Prozessors dran sind. Metal wurde mit dem letzten Betriebssystem-Update (iOS 8) für iPhones und iPads eingeführt.

Auf die «Helvetica» folgt San Francicso

Die zweite Neuerung heisst im Apple-Jargon «Verfeinerungen der Mac-Erfahrung». Die Systemschrift wird (schon wieder) ausgetauscht. Die neue Schrift heisst «San Francisco» und wurde ursprünglich für die Apple Watch entwickelt. (Sie ist nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Apple-Schrift von 1984, die unterschiedliche Buchstabentypen enthielt und das Schriftbild eines Erpresserbriefs hinterliess.)

Verfeinert wird auch der Umgang mit den Programmfenstern. «Mission Control» wird übersichtlicher und einfacher durch Gesten auf dem Touchpad zu steuern. Mission Control ist die Funktion, welche die Fenster auffächert, verdeckte Programme zum Vorschein bringt und Fenster zwischen den «Spaces» verschiebt. Mit diesen Spaces können Fenster gruppiert werden, sodass immer nur die Fenster der gerade ausgewählten Gruppe sichtbar sind.

Neu ist die Split View. In dieser Ansicht wird der Bildschirm hälftig zwischen zwei Apps aufgeteilt. Diese Ansicht kennt man von Windows 8 her, was Windows-Experte Paul Thurrott auf Twitter zur lakonischen Bemerkung bewegte, als nächstes sollte Apple die Charms-Leiste erfinden.

Eine Reihe von Detailverbesserungen gibt es bei den mitgelieferten Apps. Safari erlaubt es nun, wichtige Websites anzupinnen. Die festgehefteten Seiten werden beim Start automatisch geöffnet und aktualisiert. Eine ähnliche Funktion gibt es bei Firefox und Google Chrome. Praktisch: Ein neuer Knopf im Reiter erlaubt es, die Klangwiedergabe pro offener Website stummzuschalten.

Mails lassen sich per Wischgeste löschen, wie man das vom iPhone her kennt. Die Fotos-Anwendung lässt sich mit Modulen von Drittanbietern erweitern. Die Notiz-App nimmt nun auch Fotos, Videos und Dateien entgegen und sie kann Checklisten enthalten.

Verbesserte Suche

Die Suchfunktion Spotlight berücksichtigt neben den lokal gespeicherten Dateien und Informationen nun weitere Quellen aus dem Netz: Es können auch Wetterberichte, Sport, Aktien, Verkehr und Video-Sites wie Youtube und Vimeo durchsucht werden. Die Suchfunktion versteht sich nun auch auf natürlichsprachliche Eingaben. So werden beispielsweise mit der Eingabe «Fotos aus Zürich vom letzten Herbst» die passenden Fotos hervorgesucht. Vergleichbare Möglichkeiten kennt man von Google Now und Microsofts digitaler Assistentin Cortana. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.06.2015, 15:24 Uhr

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