Apple will auch beim Fernsehen an vorderster Front mitmischen

Mit iTV will Apple die Vorherrschaft der Betriebssysteme auch bei den Fernsehzuschauern sichern. Die Konkurrenz schläft allerdings nicht.

Die Hinweise auf einen Apple-Fernseher verdichten sich: Im Web kursieren diese fiktiven Entwürfe der Hardware.

Die Hinweise auf einen Apple-Fernseher verdichten sich: Im Web kursieren diese fiktiven Entwürfe der Hardware. Bild: Guilherme M. Schasiepen

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Dass Apple an einem ehrgeizigen Fernsehprojekt arbeitet, machte Steve Jobs in einem seiner letzten Interviews klar. «Es soll reibungslos mit allen unseren Geräten und mit der iCloud synchronisiert sein. Auch muss es die denkbar einfachste Bedienung aufweisen«, sagte Jobs seinem Biografen Walter Isaacson. Endlich sei es gelungen, «den Code zu knacken».

Doch anders als im Musikgeschäft stellen sich im Fernsehmarkt eine Reihe potenter Gegenspieler in den Weg. Filmstudios, Medienkonzerne, Kabelnetzbetreiber, Telekomfirmen sowie Internetanbieter streiten sich um die Gunst der Fernsehzuschauer.

Tim Cook: Fernsehen «von grösstem Interesse»

Wie verlockend das Projekt ist, machte unlängst Apple-Chef Tim Cook deutlich. Fernsehen sei «von grösstem Interesse». Und: «Wir verdoppeln unsere Geheimhaltung für die neuen Produkte noch.» Apple war unter Steve Jobs bekannt für eine PR-Politik, die ebenso sehr auf Geheimniskrämerei wie Hype setzte. Mit Cook, der den Konzern seit neun Monaten führt, ist die Geheimhaltung noch gestiegen. Dafür ist der Hype weitgehend verschwunden. So sind die Erwartungen für die heute Montag in San Francisco beginnende Entwicklermesse von Apple spürbar tiefer als in den letzten Jahren. Dafür haben mehr Analysten und Software-Experten Berichte zu einem künftigen Apple TV veröffentlicht.

Keine Fernbedienung mehr

Mit dem künftigen iTV dürfte Apple den Kampf um die Vorherrschaft der Betriebssysteme auf das Feld der Fernsehzuschauer ausweiten. Am einfachsten geschieht dies durch eine lückenlose Verbindung des Arsenals von etwa 500 000 Applikationen mit der Betriebssoftware iOS auf einem superleistungsfähigen Bildschirm, schreibt Jeremy Allaire, Firmenchef des Cloud-Software-Anbieters Brightcove. Bedient würde das Gerät durch Stimmbefehle, wie sie bereits mit der Siri-Applikation des iPhones angeboten wird. Kabel, Stecker und Fernbedienung fallen weg. Der Monitor würde in einem klassisch-nüchternen Apple-Design gehalten. Gerüchten zufolge hat Foxconn bereits Prototypen hergestellt.

Fünfjahresplan für den Aufbau des eigenen Angebots

Gene Munster, Analyst bei Piper Jaffray, geht davon aus, dass das Angebot zunächst nicht wesentlich anders aussieht als jenes der Kabel- und Satellitenfernsehbetreiber. Für Apple mache es keinen Sinn, sich mit diesen Monopolisten anzulegen. Vielmehr werde der Konzern schrittweise über fünf Jahre hinweg ein eigenes Angebot aufbauen; ähnlich wie bei iTunes. Diese Filme und Fernsehserien könnten dann direkt aus der iCloud heruntergeladen werden. Apple werde sein TV-Projekt im Herbst vorstellen, so Munster, und im kommenden Frühjahr in den Verkauf bringen. Kostenpunkt: 1500 bis 2000 Dollar. Umsatz und Gewinn könnten im ersten Jahr um vier bis acht Prozent gesteigert werden.

Knackknuss Film- und TV-Rechte

So leicht wie den von einigen Plattenlabels gehaltenen Musikmarkt dürfte das Fernsehgeschäft nicht zu knacken sein. Die Marktforschungsfirma Forrester Research weist darauf hin, dass die TV-Inhalte von Monopolisten kontrolliert werden, die Apple den Eintritt nicht gerade erleichtern würden. Letztlich gehe es aber weniger um die Inhalte oder ein Gerät als um die Zukunft der Betriebssysteme. Google, Microsoft, Facebook und Amazon versuchen vehement, ihre Plattformen auszuweiten und neue Märkte zu erschliessen. Unterschätzt im Fernsehmarkt wird dabei vor allem Microsoft. Microsoft vertreibt mit der Xbox 360 die mit Abstand am weitesten verbreitete Videokonsole, der Apple bislang nichts Gleichwertiges entgegenstellte.

Wenn Tim Cook den Fernsehplänen so grosses Gewicht gibt, so deswegen, um im ausserordentlich breiten TV-Markt nicht von Microsoft, Google, Facebook und Amazon abgehängt zu werden. «Apple scheint in mancher Hinsicht unverwundbar», so Forrester. «Aber die vier bis fünf Stunden, die wir täglich vor dem Fernsehen verbringen, bilden die Achillesferse. Dies ist ganz klar das treibende Motiv für die TV-Pläne von Apple.»

Nichts für Bastler

Es ist dies nicht das erste Mal, dass Apple sich Zeit lässt mit einem Projekt. So lag bereits 2002 ein brauchbares Tablet vor, doch stellte Steve Jobs es um mehrere Jahre zurück, um zunächst den iPod und das iPhone zu lancieren. Zur Vorsicht mahnt auch die Geschichte. Zwischen Oktober 1993 und Februar 1994 setzte Apple 10 000 Macintosh-TV-Geräte ab. Doch machte die schlechte Bildqualität und die fehlende Integration von Fernsehen und Computer den ersten Apple-TV zu einem grandiosen Flop. Cook dürfte sich auch an diesen Reinfall erinnert haben, als er vor kurzem sagte, ein Apple-Fernseher sei sicherlich nichts für «Bastler».

Erstellt: 11.06.2012, 13:27 Uhr

Bildstrecke

Apple: Nur noch gut, nicht mehr grossartig?

Apple: Nur noch gut, nicht mehr grossartig? Das «Momentum» des iPhone-Herstellers hält nur noch ein bis zwei Jahre an, sagt George Colony.

Artikel zum Thema

Foxconn-Chef bestätigt Apples TV-Pläne

Der taiwanesische Auftragsfertiger Foxconn bereitet sich laut Firmenchef Gerry Gou konkret auf die Produktion von Apples Fernseher vor. Mehr...

«Darauf war Steve Jobs immer scharf»

«Das letzte visionäre Apple-Produkt wird voraussichtlich der HDTV-Fernseher sein», sagt der renommierte Techautor und Apple-Experte Stewart Wolpin vor der Präsentation der Quartalszahlen am 24. April. Mehr...

Sharp kreuzt Flachbild-TV und Tablet

Eine Mischung aus Riesen-Fernseher und Tafel: Aquos Board ist mit einem Touchscreen ausgestattet und hat einen kleinen PC eingebaut. Mehr...

Blogs

Geldblog Eine Million Cash abheben? Geht nicht!

Mamablog Wutanfälle sind so ... gesund

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Die Welt in Bildern

Hochwasseralarm: Touristen im Gänsemarsch auf einem Laufweg auf dem Markusplatz in Venedig. (13. November 2019)
(Bild: Stefano Mazzola/Getty Images) Mehr...