Back-up unter Freunden

Crashplan macht es möglich, Daten ausser Haus, aber nicht bei einem anonymen Webdienst zu sichern.

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Die Datensicherung ist die wichtigste Vorsorgemassnahme überhaupt. Festplatten können kaputt-, Dokumente verloren gehen. Diese Gefahr ist nicht nur theoretischer Natur, Daten kommen im digitalen Alltag ständig abhanden. Darum müssen wichtige Dokumente mindestens doppelt, besser dreifach gespeichert sein.

Haken: Onlineverbindung

Besonders guten Schutz bringt die Offsite-Sicherung. Bei ihr werden Daten ausser Haus, auf einem entfernten Computer gespeichert. Das schützt auch vor grossen Unglücken wie Brand, Wasserschaden oder Einbruch, bei denen die klassische Datensicherung auf eine externe Festplatte oder ein Band nicht weiterhilft, weil das Schadensereignis nicht nur die primären Daten, sondern auch das Back-up zerstört. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass die Sicherung kontinuierlich stattfindet. Ein Dokument ist bereits kurz nach seiner Erstellung oder Änderung sicher in der Cloud.

Die Offsite-Sicherung hat jedoch auch Nachteile. Sie benötigt eine schnelle Onlineverbindung. Und sie weckt bei vielen Nutzern Vorbehalte: Technische Lücken, unehrliche Mitarbeiter oder Verfolgung durch Vollzugsbehörden können dazu führen, dass die Dokumente via Cloud-Speicher in falsche Hände geraten oder missbraucht werden. Zur Wahrung der Privatsphäre kann man seine Daten vor der Sicherung selbst verschlüsseln. BoxCryptor.com eröffnet einen (vergleichsweise) einfachen Weg, verschlüsselte Daten mit dem populären Dienst von Dropbox.com zu verwenden. Mit der Gratissoftware Duplicati (Duplicati.com) speichert man inkrementelle (d. h. aufeinander aufbauende) Datensätze bei Dropbox, Microsofts Skydrive oder Google-Drive – selbstverständlich verschlüsselt. Kleinere Datenbestände von wenigen Gigabytes lassen sich so komplett gratis offsite sichern.

Doppelter Internetverkehr

Eine Alternative für Cloud-Phobiker ist Crashplan. Diese Software stellt mehrere Back-up-Methoden zur Verfügung. Man kann seine Dokumente auf einer externen Festplatte, bei den Servern von Crashplan.com oder aber auf dem eigenen Bürocomputer oder dem Computer eines Freundes sichern. Bei den letzten beiden Methoden sichert man Daten gewissermassen übers Kreuz: Die Daten des einen Rechners werden auf den anderen gespiegelt und umgekehrt. Das funktioniert kostenlos, verursacht aber doppelten Internetverkehr. Wenn man Crashplan einrichtet, minimiert man den Initialaufwand, indem man vom vorhandenen Datenbestand ein Back-up-Archiv erstellt, dieses per Festplatte zum Freund verfrachtet und dort über den «Attach»-Befehl anbindet. Die Crashplan-Software ist kostenlos für Windows, Mac und Linux unter Crashplan.com erhältlich.

Nach der Installation stellt sie unter «Zielpfade» vier Back-up-Möglichkeiten bereit: Bei «Freunde» bindet man den Computer eines anderen Crashplan-Nutzers an, sodass er als Back-up-Ziel bereitsteht. Die Berechtigung dafür wird über den Austausch eines «Back-up-Codes» hergestellt. Er wird von der Software angezeigt und muss vom Back-up-Partner eingetragen werden. Anwender, die mehrere Computer besitzen und den Crashplan-Client auf allen installiert haben, sehen bei «Zielpfade» unter «Computer» diese Maschinen und können sie als Ziel auswählen. Als dritte Möglichkeit steht «Ordner» zur Verfügung. Mit ihr kann man ein angebundenes Speichermedium nutzen, beispielsweise ein externes Laufwerk oder eine Netzwerkfestplatte.

Raffinierte Funktionen

Schliesslich kann die Datensicherung auch bei «Crashplan Central», also auf den Servern des Anbieters erfolgen. Das ist nicht gratis: Für 10 GB bezahlt man 1.50 Dollar pro Monat, für 3 Dollar gibt es unbeschränkten Speicherplatz, und für 6 Dollar pro Monat kann man bis zu drei Computer sichern.

Unter «Einstellungen» stellt der Crashplan-Client eine Reihe von raffinierten Funktionen bereit. Man kann einstellen, wann die Datensicherung stattfinden darf und wann sie ausgesetzt werden muss – beispielsweise, weil der Computer oder die Internetverbindung anderweitig ausgelastet ist. Es ist möglich, die Datensicherung zeitlich einzugrenzen, die Datenrate bei WLAN einzuschränken oder bestimmte Netzwerkadapter nicht zu verwenden.

In der Rubrik «Datensicherung» stehen Optionen zur Versionierung bereit: Man kann, falls das sinnvoll ist, in Intervallen eine neue Version eines Dokuments sichern und angeben, über wie viele Wochen oder Monate die alten Versionen aufbewahrt werden sollen. Und es ist möglich, einzelne Dateien oder Dateitypen vom Back-up auszuschliessen, wobei man sogar sogenannte «reguläre Ausdrücke» verwenden kann.

Stark verschlüsselt

Statusmeldungen über erfolgte Back-ups werden bei Bedarf per Mail oder per Twitter abgesetzt; die Daten können auf Wunsch mit einem eigenen 448-bit-Schlüssel verschlüsselt werden. Das ist nach heutigem Standard sicher, zumal die meisten Programme nur mit einem 128-bit langen Schlüssel chiffrieren.

Fazit: Crashplan ist ein durchdachtes und modernes Konzept für die Datensicherung, das allerdings nicht ganz einfach einzurichten ist. Wer von der Konfiguration überfordert ist, findet in Carbonite.com oder Norton Online Backup (im Handel erhältlich) eine pflegeleichtere, aber nicht ganz so ausgeklügelte Software. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.05.2012, 11:33 Uhr

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