Bin Ladens Computer sind wie ein Lotto-Sechser für die USA

Die US-Soldaten staunten nicht schlecht: Fünf Computer, zwölf Festplatten, hundert Disketten, DVDs und USB-Sticks von Osama Bin Laden fielen ihnen in die Hände. Das dürfte Folgen haben für die al-Qaida.

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«Ich wäre sehr überrascht, wenn das keine Goldmine für uns ist», sagt John McLaughlin, ein früherer Vize-Direktor des US- Geheimdienstes CIA. Die Ermittler erhoffen sich Informationen über Aufenthaltsorte von weiteren hochrangigen Al-Kaida-Mitgliedern und Hinweise auf mögliche Anschlagspläne.

Einen ersten spektakulären Fund machten sie in dem Datenwust schon nach wenigen Tagen: Offenbar plante al-Qaida seit Februar 2010, «eine Operation gegen Züge an einem unbestimmten Ort in den USA zum 10. Jahrestag des 11. September 2001 auszuführen». Unklar blieb allerdings, ob diese Planungen seither weiter vorangetrieben wurden.

Mammutaufgabe

Eine Taskforce aus Experten der CIA, des auf elektronische Überwachung spezialisierten Geheimdienstes NSA, des Justizministeriums und anderer Stellen ist mit der Sichtung und Auswertung befasst - eine Mammutaufgabe, die Monate und möglicherweise Jahre in Anspruch nehmen könnte. Die Experten sollen sich zunächst auf die «Aufdeckung fortdauernder Bedrohungen» sowie Hinweise auf mögliche andere Zielpersonen innerhalb Al Kaidas konzentrieren, wie der Chef des Nationalen Anti-Terror-Zentrums (NCTC), Michael Leiter, sagt.

Justizminister Eric Holder rechnet damit, dass durch den Datenschatz neue Terrorverdächtige ins Fadenkreuz der USA geraten werden. «Wahrscheinlich» werde Washington weitere Namen auf die Schwarze Liste setzen, sagte Holder bei einer Senatsanhörung. Bei der Auswertung der Datenträger geht die US-Taskforce systematisch vor. Zunächst würden die Experten die Hardware auseinanderbauen, erklärt James Lewis, einst beim US- Aussenministerium für IT-Sicherheit zuständig, die Prozedur.

Dabei müssten die Spezialisten besonders darauf achten, mögliche Sprengfallen und automatische Löschmechanismen aufzuspüren. Anschliessend würden alle gespeicherten und temporären Daten von den Speichermedien kopiert und mögliche Verschlüsselungscodes geknackt. «Sie werden versuchen, jeden Tropfen herauszuwringen», sagt Lewis, der mittlerweile bei der Denkfabrik Center for Strategic and International Studies (CSIS) arbeitet. Dabei könnten auch Informationen über die Daten den Ermittlern viel verraten: «Wann wurden sie geschrieben? Wurden sie auf dem gleichen Gerät geschrieben?»

«Hunderttausende Details»

Die penible Suche werde vermutlich «keine grossen Informationsbrocken» über islamistische Terroristen ans Tageslicht fördern, glaubt David Lindahl vom regierungsnahen Think-Tank Schwedische Agentur für Verteidigungsforschung in Stockholm.

Stattdessen dürften die gefundenen Datenträger «hunderttausende winzige Details» enthalten, die von den Geheimdiensten dann zu einem Mosaik zusammengesetzt würden.

«Ich denke nicht, dass sie Namen und Adressen finden werden», sagt Lindahl. «Aber sie werden womöglich Codenamen und versteckte Hinweise finden.» Selbst eine einzige Kontonummer könne am Ende zu einem Schlag gegen eine Terrorzelle führen. (pbe/sda)

Erstellt: 07.05.2011, 06:23 Uhr

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