«Damals war das iPad nur ein Gerücht»

Erstmals hat sich Julie Larson-Green detailliert zur Kritik an Windows 8 geäussert. Die neue starke Frau bei Microsoft ist überzeugt, dass die Kunden hinter dem Produkt stehen. Die Marktforscher sehen dies anders.

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Schwere Zeiten für Microsoft: Einer Untersuchung von Goldman Sachs zufolge ist Redmond der grosse Verlierer der Softwarewelt. In einem 75-seitigen Papier mit dem bezeichnenden Titel «The Clash of the Titans» (online nicht verfügbar) hält die Bank fest, dass das Microsoft-Betriebssystem, welches vor zwölf Jahren einen Marktanteil von 93 Prozent erreicht hat, in diesem Jahr noch auf 20 Prozent kommt – falls man den Begriff Computer weit fasst und alle mobilen Devices dazurechnet. Microsoft wäre unter dieser Prämisse von Google (Android: 42 Prozent) und Apple (iOS: 24 Prozent) überholt worden. Nummer 1 ist Microsoft nur noch im Desktop- und Notebooksegment.

Ob Windows 8 den Rank noch findet, ist fraglich. Ende November berichtete die Marktforschungsfirma NPD Group, dass der Windows-7-Nachfolger die Computerverkäufe nicht ankurbeln konnte (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete). Horace Dediu (Asymco) gelangt zu einem ähnlichen Befund. Erste Auswertungen zeigten, dass der Computermarkt nicht so stark reagiert habe wie nach Windows-Lancierungen früherer Jahre.

Computer damals und heute

Zu Dezemberbeginn hat das neue OS laut dem Web-Analytiker Net Applications die Hürde von 1 Prozent Marktanteil erreicht (Statcounter kommt auf 1,44 Prozent).

Der Hersteller indes gibt sich gelassen: Im November, so Microsoft, seien 40 Millionen Windows-8-Lizenzen verkauft worden. Gegenüber Technology Review hat die neue Windows-Chefin Julie Larson-Green nun Stellung genommen zu den Vorbehalten der Konsumenten und der Technikpresse: «Als Windows vor 25 Jahren konzipiert wurde, waren die Erwartungen, wie man mit einem Computer umgeht, völlig anders: Man stellte das Gerät mit einem Bildschirm auf den Schreibtisch. Auf dem Display gab es ein Fenster. Der Nutzer hat dieses hin- und hergeschoben und andere Fenster geöffnet.»

Zwei Tage bis zwei Wochen

Tempi passati: In wenigen Jahren, so Larson-Green, werden fast alle Computer via Touchscreen bedient werden können. Nutzer würden sich allen Unkenrufen zum Trotz sehr schnell mit der neuen Kacheloberfläche anfreunden können. Im Interview zeigt sich Larson-Green etwas enerviert über die Windows-8-Berichterstattung: «Einige Leute, die es (das neue Windows) kurze Zeit getestet haben, können gar nicht erahnen, wie wertvoll das Produkt in Wirklichkeit ist.»

Heavy User von älteren Windows-Versionen und Leute, die nach 20 Minuten bereits ein Urteil fällen, würden vielleicht wenig Gefallen am neuen Betriebssystem finden. Dabei hätten Untersuchungen gezeigt, dass man die Windows-8-Oberfläche in zwei Tagen bis spätestens zwei Wochen begriffen habe. Viele Nutzer hätten von Anfang an überhaupt keine Probleme damit.

Windows 8 schon vor dem iPad angedacht

Microsoft verfolge die Entwicklung in Richtung Touchscreen übrigens nicht erst seit der Lancierung des iPad. «Wir begannen mit der Windows-8-Planung im Juni 2009, noch bevor Windows 7 ausgeliefert wurde. Damals war das iPad nur ein Gerücht.» Das 2010 lancierte iPad habe sie erst gesehen, als die Arbeiten am neuen Windows-Design bereits abgeschlossen worden seien.

(rek)

Erstellt: 17.12.2012, 13:15 Uhr

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