Hintergrund

Das Ende der Microsoft-Dominanz

Die Tage von Windows XP sind gezählt. Am 8. April 2014 ist Schluss. Ein Rückblick und vier Alternativen.

Am 8. April 2014 stellt Microsoft den Support für das 2001 lancierte Windows XP ein.

Am 8. April 2014 stellt Microsoft den Support für das 2001 lancierte Windows XP ein. Bild: Reuters

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Als Windows XP im Oktober 2001 auf den Markt kam, war Microsofts Welt in bester Ordnung. Der Konzern war nicht zerschlagen worden, wie das ein Richter im Jahr zuvor im Kartellverfahren noch verlangt hatte. Firmengründer Bill Gates konnte die Früchte seiner aggressiven Expansionsstrategie geniessen, mit fast 95 Prozent Marktanteil war seine Dominanzfantasie vom «Windows-PC on every desktop» wahr geworden.

Am Ende der XP-Ära – nach zwölfeinhalb Jahren stellt Microsoft am 8. April den Support ein – zeigt sich ein gänzlich anderes Bild: Windows 8 versucht, es allen recht zu machen, und vermag weder Tablet-Nutzer noch PC-User zu überzeugen. Bill Gates und Steve Ballmer haben abgedankt. Der im Februar zum CEO berufene Satya Nadella tritt ein schweres Erbe an.

Microsoft kam mit seinen Internetdiensten nie gegen Google an. Den Tablet-Markt haben sich Apple und Android-Hersteller geschnappt, obwohl Gates die Idee viel früher propagierte. Mit seinen Surface-Tablets fuhr der Konzern einen Milliardenabschreiber ein. Investoren fordern, dass Microsoft sich von Consumer-Produkten wie der Xbox verabschiedet und sich fortan auf Software für Geschäfts-PCs konzentriert.

Die Konsumenten freuts

Ist XP das Symbol für den Dinosaurier, der nicht gemerkt hat, dass seine Zeit abgelaufen ist? «Langlebigkeit verkam zu einem Fluch», schrieb Ars Technica zum 10. Geburtstag des Betriebssystems. Die Omnipräsenz von XP hat den Fortschritt über Jahre blockiert, weil sich Hersteller an der veralteten Technik orientieren mussten.

Und jetzt, wo XP endlich weicht, ist Windows längst nicht mehr die einzige Alternative. Der PC hat seine Vormachtstellung in der Informations- und Kommunikationstechnik eingebüsst. Für viele Anwender sind Tablets und Smartphones leistungsfähig genug. Und weil sich immer mehr Aufgaben in die Cloud verlagern, haben auch alternative Systeme eine Chance.

Entsprechend schlägt sich das Ende von XP auch kaum in den Verkäufen nieder. «Das Ende von XP hat für etwas Rückenwind gesorgt», sagte HP-Chefin Meg Whitman während einer Telefonkon­ferenz zu den Quartalsergebnissen des Unternehmens. Der PC-Markt schrumpft weiterhin – wenngleich nicht mehr ganz so stark.

Für die Konsumenten ist die Ausgangslage besser als vor zwölf Jahren: Statt ein Einheitssystem nutzen zu müssen, wählen sie das System, das bei der Bedienung, Komplexität und Leistungsfähigkeit genau ihren Nerv trifft – wie unsere vier Varianten zeigen.


Windows 8
Der ungeliebte Thronfolger

Windows 8 ist der designierte Nachfolger von XP, Vista und Windows 7. Im Bemühen, das System kompatibel zu Tablets zu machen, hat Microsoft ein Produkt geschaffen, das niemanden richtig glücklich macht. Kritisiert wird die janusköpfige Natur des Systems, das die alte Fenster-Oberfläche mit den auf die Multitouch-Bedienung ausgelegten Vollbild-Apps verbindet. «Hier wächst zusammen, was nicht zusammengehört», hat die Fachzeitschrift «c’t» geurteilt.

Wer in der Windows-Welt verhaftet ist und sich mit Windows 8 nicht an­freunden mag, kann sich vorerst mit Windows 7 behelfen – dieses System bleibt uns noch bis 2020 erhalten. Ansonsten lässt sich Windows 8.1 so konfigurieren, dass man selten bis nie mit der Kacheloberfläche in Berührung kommt (indem man die «Boot to Desktop»- Option einschaltet und die wichtigen Symbole an die Taskleiste pinnt). Wer das abgeschaffte Startmenü vermisst, kann es mit Utilities von Drittherstellern ersetzen – mit der Classic Shell oder mit Start 8 von Stardock.com. (schü.)


OS X oder Linux
Die Seiten wechseln

Auf dem Desktop gibt es längstens Windows-Alternativen: OS X kann nur auf Apple-Hardware betrieben werden. Die Anschaffung eines Mac ist beim Umstieg somit unumgänglich. (Wenn man von der Hackintosh-Methode absieht, bei der OS X unter Verletzung der Lizenzbestimmungen auf Nicht-Apple-Hardware übertragen wird.) Für Apples System spricht, dass viele für Windows erhältliche kommerzielle Softwareprodukte, namentlich Office und die Adobe-Programme, auch für OS X erhältlich sind. Sie müssen allerdings extra gekauft werden. Sollte es ein Programm nicht geben, kann man Windows auch direkt auf dem Mac oder in einer virtuellen Maschine ausführen.

Linux ist eine Alternative aus der Open-Source-Welt. Es gibt dieses System in Varianten (sogenannten Distributionen), die teils geringe Anforderungen haben. Das eröffnet einen Weg, alte Hardware weiterzubetreiben, die nicht auf Windows 7 oder 8 aufgerüstet werden kann. Die Datenübernahme kann je nach Anwendung knifflig sein. (schü.)


Chrome OS
Es darf auch etwas weniger sein

Als Google 2009 sein eigenes Betriebssystem Chrome OS vorstellte, wurde der Suchkonzern dafür verlacht. Wer will schon einen Computer, der nur mit Internet funktioniert, so die häufige Frage. Doch inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Internet ist omnipräsent, und Chrome OS macht inzwischen auch offline eine gute Falle.

Wer einen Sorglos-Computer möchte, keine grossen Ansprüche und keine Datenschutzbedenken hat, ist mit einem Chromebook (ab 300  Franken) gut bedient. So heissen die Laptops mit dem Betriebssystem von Google. Der grösste Vorteil der Chromebooks ist es, dass sie die Einfachheit eines Smartphones mit den Vorzügen eines PCs verbinden. Wer sich an Windows XP gewöhnt hat, findet sich auch auf einem Chromebook schnell zurecht.

Man muss jedoch beachten, dass auf Chromebooks nur ausgewählte Programme laufen. Microsoft Office oder Skype gibt es beispielsweise nicht für Chrome OS. Für beide Fälle hat Google aber Gratisalternativen parat. (zei)


Tablets und Smartphones
Die nächste Generation

Ja es geht. Ein Tablet oder sogar ein noch kleineres Smartphone kann einen Computer ersetzen. Die entscheidende Frage ist: Will man das auch?

Denn anders als bei einem Wechsel auf einen Mac oder ein Chromebook sind hier Pioniergeist, Experimentierfreudigkeit und Geduld gefragt. Nicht alles, was man jahrelang auf einem PC gemacht hat, klappt auf einem Touchscreengerät auf Anhieb. Aber für praktisch alles gibt es eine Lösung. Wer nicht gerne auf dem Touchscreen tippt, kann eine externe Tastatur anschliessen. Wer ein Programm vermisst, findet in den App-Stores ziemlich sicher eine Alternative. Ob man sich für ein Android-, iOS- oder Windows-Gerät entscheidet, ist eine ­Geschmacks- und Preisfrage.

iPads und iPhones sind in der Regel etwas teurer und komfortabler. Android-Tablets sind dafür preisgüns­tiger und etwas vielseitiger. Windows-Geräte bewegen sich dazwischen und sind noch nicht ganz so ausgereift wie die zwei älteren Plattformen von Google und Apple. (zei)

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.03.2014, 10:29 Uhr

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