Der Mann, der das Google-Gehirn füttert

Andrew Ng ist ein Wunderkind der Computerwissenschaften. Als Forscher für das Projekt Google Brain will er das menschliche Gehirn imitieren. Vorerst bringt er der Software bei, wie eine Katze aussieht.

Simuliert das Wesen von Gehirnzellen: Andrew Ng. (Bild: Stanford University)

Simuliert das Wesen von Gehirnzellen: Andrew Ng. (Bild: Stanford University)

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Das 21. Jahrhundert könnte als Jahrhundert der Gehirnforschung in die Geschichte eingehen. Mit dem Ziel, neuronale Netzwerke zu entschlüsseln und verbreitete Krankheiten aufzuklären, sprechen Regierungen weltweit Milliarden an Forschungsgeldern. Speerspitze sind die ETH Lausanne mit ihrem EU-finanzierten Human Brain Project und das von der US-Regierung geförderte Brain-Activity-Map-Projekt.

Die Privatwirtschaft geht derweil den umgekehrten Weg: Anstatt das Gehirn kartieren zu wollen, wird an Softwarelösungen getüftelt, die das Gehirn imitieren sollen. Eines der ambitioniertesten Systeme ist das sogenannte Google Brain. Dahinter steht Andrew Ng, Professor für künstliche Intelligenz an der amerikanischen Eliteuniversität Stanford.

Maschinen, die wie Menschen denken

Andrew Ng, dem das amerikanische Technologiemagazin «Wired» ein Porträt widmete, ist ein Wunderkind der Computerwissenschaften. Auf seiner Website finden sich der Projektbeschrieb eines vollautomatischen Haushaltsgehilfen, Bilder des Little-Dog-Roboters, der bereits auf Youtube Karriere machte, und ein Programm, welches Text dereinst automatisch erkennen und interpretieren soll. Bereits als kleiner Junge habe Ng davon geträumt, Maschinen zu konstruieren, die wie Menschen denken, schreibt «Wired».

Diesem Vorhaben scheint Andrew Ng noch immer verpflichtet. Aktuell führt der Forscher ein Team an, das sich mit einem neuen Ansatz in der Computerwissenschaft befasst, dem sogenannten Deep Learning. Ziel ist es, Maschinen zu konstruieren, welche Informationen in der gleichen Weise verarbeiten wie das menschliche Gehirn. Im Rahmen dieses Projekts wurde auch Google auf den 37-Jährigen aufmerksam und engagierte ihn für sein geheimnisumwittertes Google-Brain-Projekt.

Eine Software, die lernfähig ist

Google Brain, über das bis anhin wenig bekannt ist, soll ein Meilenstein werden in der Entwicklung von künstlicher Intelligenz. Die gegenwärtige Software simuliert Gruppen von Gehirnzellen, welche miteinander kommunizieren und sich gegenseitig beeinflussen. Wenn nun in ein solches Netzwerk Daten eingespeist werden, verändern sich die Beziehungen der künstlichen Neuronen, sie arrangieren sich neu. Google nennt dies einen Lernfortschritt des Systems. Gefüttert wird die Software mit dem unermesslichen Datenberg, der via Suchmaschine verfügbar ist.

Ein erster Schritt beim praktischen Einsatz der Software ist die automatische Erkennung von Bildern, Farben und Formen. Mit einer ausgeklügelten Spracherkennung sollen zudem Konkurrent Apple und dessen Sprachsoftware Siri ausgebootet werden. Die Software soll nach und nach bei allen Google-Produkten Anwendung finden, wie etwa bei den automatisch gesteuerten Google-Autos und der Google-Brille, welche 2014 in den Handel kommen soll.

Millionen von Katzenbildern

Dass sich bis anhin vor allem Neurobiologen mit dem menschlichen Gehirn befassten, empfindet Andrew Ng als grossen Irrtum. «Es gibt einen Graben zwischen Technikern und Wissenschaftlern», sagt Ng gegenüber «Wired». Mit dem neuesten Ansatz, bei dem sowohl Computer- als auch Neurowissenschaften angewendet werden, soll dieser Graben überwunden werden.

«Wer herausfindet, wie das Gehirn funktioniert, wird die neueste Generation von Computern herausbringen», zitiert das Magazin einen Experten. Obwohl die Lern-Algorithmen von Andrew Ng noch nicht ganz so weit sind, ist er sich sicher, dass die vollständige Simulation des menschlichen Gehirns Realität werden wird. In der Zwischenzeit füttert er seine Software. Letztes Jahr beispielsweise mit Millionen von Katzenfotos aus aller Welt. Das Resultat: Google Brain erkennt nun Katzen – auf Bildern und in Videos. Eine Fähigkeit, die momentan beliebig erscheint, die jedoch mit anwachsender weltweiter Datenmenge immer grössere Bedeutung gewinnen wird. (mpl)

Erstellt: 08.05.2013, 14:06 Uhr

Eines der vielen Projekte von Andrew Ng: Ein Haushaltsroboter. (Bild: Stanford University)

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