Der dritte Nackenschlag für Steve Ballmer

Kein Erfindergeist, Verwaltung statt Führung, Abservierung von Topshots: Eine neue, gnadenlose Abrechnung mit Microsoft-Chef Steve Ballmer sorgt schon vor dem Buchverkaufsstart für Aufregung.

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Steve Ballmer ist harte Kritik gewohnt: 2011 forderte der einflussreiche Investor David Einhorn den Rücktritt des Microsoft-Chefs. Dies, nachdem diverse Topmanager, unter anderem Bob Muglia, Ray Ozzie, Chris Liddell und Robbie Bach, wegkomplimentiert wurden oder nicht mehr mit Ballmer zusammenarbeiten wollten. Laut dem Präsidenten von Greenhorn Kapital schade der CEO mit seiner rückwärtsgewandten Strategie und einem «Charlie-Brown-Management», welches den Aktienkurs drücke, dem Konzern nur noch.

Unterstützung erhielt Einhorn im Sommer 2012 vom preisgekrönten Autor Kurt Eichenwald, welcher unter dem Titel «Microsofts Downfall» auf Basis Hunderter Interviews, interner Dokumente und E-Mails eine vernichtende Analyse über den Zustand des Windows-Konzerns publizierte (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete).

Prominente Opfer

Microsoft-Kritiker werden sagen, aller guten Dinge sind drei, und den nächsten publizistischen Nackenschlag für Ballmer begrüssen, der am Dienstag in Buchform erscheint. «Resolve and Fortitude: Microsoft's Secret Power Broker Breaks His Silence» heisst das Werk von Joachim Kempin, der von 1983 bis 2002 unter anderem als Senior Vice President für Microsoft gearbeitet hat.

«Damit das Unternehmen eine Chance hat, braucht es einen grossen Wechsel an der Managementspitze», so Kempin gegenüber der Agentur Reuters, welche vor der Publikation des Buches mit dem Autor sprechen konnte.

Konkret wirft Kempin Ballmer vor, seit seinem Amtsantritt im Jahr 2000 alle Manager mit Potenzial, welche vom CEO als Gefahr für seinen Posten betrachtet wurden, weggedrängt zu haben. Etwa den ehemaligen COO Richard Belluzzo, welcher von Hewlett-Packard kam und den erfolgreichen Marktstart der Xbox zu verantworten hatte: «Wenn Sie direkt mit Ballmer zu tun haben und dieser denkt, vielleicht könnte der Typ mir gefährlich werden, mein Gott, dann kriegen Sie keine Luft mehr.» Oder der ehemalige Software-Chef Ray Ozzie: «Er ist ein grossartiger Kerl und wusste, was zu tun war. Aber wenn man Steve entgegentritt, gibt es nur Steves Weg – oder man landet auf der Strasse.»

Verwalten statt führen

Der Autor hat nach eigenen Angaben den Konzernchef vor zwei Jahren auf die Probleme angesprochen, aber er sehe keine Veränderungen – auch weil die Gesamtführung («eine lahme Ente») nicht eingreife. «Es werden Leute eingestellt, die das Unternehmen verwalten, aber nicht führen. Das ist das Problem.»

Darum habe der Windows-Konzern auch die Entwicklung hin zu Tablets und Smartphones verschlafen. «Als ich noch Microsoft-Angestellter war», schreibt Kempin, «hat Microsoft alle Gelegenheiten verpasst.»

Das Unternehmen brauche dringend eine jüngere Führung, «so im Alter zwischen 35 und 40 Jahren, jemand, der die Facebook-Generation und die Mobile-Community» verstehe. Was das Unternehmen definitiv nicht brauche, sei «dieser Typ mit dem grimmigen, aggressiven Blick», der auf der Bühne das nächste Windows ankündige und glaube, damit irgend etwas erreichen zu können.

Ein bisschen Lob

Immerhin: Anders als viele andere Kritiker thematisiert Kempin auch Ballmers Qualitäten: «Steve ist ein sehr guter Geschäftsmann. Machen Sie ihn zum COO und Ihre Firma wird durchstarten.» Er respektiere Ballmer, es gebe jedoch viele Dinge, die dieser nicht könne. «Das hat Ballmer wahrscheinlich nicht realisiert.» Microsoft wollte auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet nicht Stellung nehmen. (rek)

Erstellt: 22.01.2013, 14:01 Uhr

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