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Der grosse Test: Was Office 2013 bringt

Neuer Look, wenig sichtbare Funktionen und Touch-Mode: Microsoft-Experte und Digital-Redaktor Matthias Schüssler hat die Testversion von Microsofts neuer Bürosuite unter die Lupe genommen.

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Office 2013 wurde letzten Montag von Steve Ballmer persönlich vorgestellt. Es handle sich, so sagte der Microsoft-Chef, um «die ehrgeizigste Version überhaupt». Nach der Installation der Testversion ist von Ehrgeiz nichts zu sehen. Ins Auge sticht zwar der neue Look: Die Oberfläche wurde vereinfacht; es gibt keine Schatten und Verläufe mehr, sondern einfache Linien, klare Formen und stilisierte Symbole. Diese optische Aufmachung ist ein Zugeständnis an die Metro-Oberfläche von Windows 8, die ein reduziertes, abstraktes Design bringen wird.

Abgesehen von der veränderten Erscheinung findet man sich als Anwender von Office 2010 sofort zurecht: Die Befehle im Ribbon (dem Menüband) sind grösstenteils unverändert; das mit Office 2007 eingeführte Konzept bleibt in Office 2013 erhalten. Am grössten sind die Veränderungen bei Outlook: Die Anwendung startet standardmässig mit eingeklapptem Ribbon und Mail, Kalender, Kontakte und Notizen sind nicht mehr über Symbole, sondern über Textfelder am unteren Bildschirmrand erreichbar – und die Kontakte heissen nun in Analogie zu Windows 8 «People».

Direkt aus der Anwendung auf dem Skydrive speichern

Augenfällig ist bei Word, Excel und Powerpoint die Integration des Windows-Live-Kontos in der rechten oberen Bildschirmecke der Office-Anwendungen. Sie eröffnet den Weg zur virtuellen Skydrive-Festplatte, die im Test denn auch problemlos funktioniert: Dokumente werden direkt aus Word oder Excel online gespeichert, wenn man unter «Places» die Option «Skydrive» auswählt. Sie steht gleichberechtigt nebst der lokalen Speicherung («Computer») zur Auswahl, und an dieser Stelle kann man im Unternehmen auch eine Sharepoint-Ablage einklinken.

Dass Ballmer Office 2013 trotz wenig sichtbaren Neuerungen als mutiges und ehrgeiziges Projekt beschreibt, liegt an den neuen Steuerungsmöglichkeiten. Die Bürosoftware soll sich nun per Gesten genauso steuern lassen, wie mit der Maus. Wie gut sie dieses Versprechen hält, lässt sich bislang nicht abschätzen, da Microsoft keine passende Hardware zum Test zur Verfügung stellt. Die Oberfläche, so wie man sie kennt, ist mit dem Finger kaum zu bedienen: Zu nah stehen die Symbole beieinander, als dass man zuverlässig nur das gewünschte Symbol und nicht auch die Befehlsschaltflächen rundherum antippen könnte. Diesem Problem begegnet Microsoft mit dem «Touch Mode»: Sobald man ihn aktiviert, werden die Elemente der Benutzeroberfläche etwas vergrössert und die Befehlsschaltflächen ein bisschen weiter auseinander gerückt.

Der Touch-Mode soll die Fingersteuerung erleichtern

Der Touch Mode ist in allen getesteten Anwendungen vorhanden (Word, Excel, Powerpoint, Access und Outlook). Er muss in der Version für normale PCs erst verfügbar gemacht werden: In der Symbolleiste für den Schnellzugriff (sie ist oberhalb des Menübandes zu finden und stellt die immer sichtbaren Befehle zum Speichern und Rückgängigmachen zur Verfügung) klickt man auf das Menü rechts, über das die Leiste angepasst werden kann, und fügt den Befehl «Touch Mode» hinzu (bei Outlook ist er unter «More Commands» zu finden). Dann kann man über das Symbol in der Schnellstartleiste zwischen den beiden Modi hin und her wechseln. Es wird interessant sein zu sehen, wie sich dieser Modus an die Gegebenheiten bei einem Tablet adaptiert – denn bei einem Bildschirm mit hoher Auflösung (einem Retina-ähnlichen Display) müsste die Darstellung mehr gespreizt werden, als das bis jetzt der Fall ist. So oder so wird sich Office nur bei einem relativ grossen Display nutzen lassen – der Einsatz auf einem Smartphone, wie das beispielsweise mit Apples Touch-Apps Numbers und Pages möglich ist, scheint bei Office ausgeschlossen.

Neu in allen Office-Anwendungen ausser Outlook und Access ist der «Full Screen Mode»: Er blendet alle Bedienelemente aus: Sichtbar ist nur das Dokument. Man arbeitet in diesem Modus nur mit Tastaturbefehlen und dem Kontextmenü und wird dadurch nicht von der Software abgelenkt.

Funktional gibt es nur wenige Neuerungen

Ansonsten gibt es auch einige Verbesserungen in den Anwendungen, die ein Update für Anwender von Office 2010 aber auf keinen Fall rechtfertigen: Die Funktion «Object Zoom» soll in Word beim Doppelklick auf Tabellen, Diagramme und Bilder diese heranzoomen – das hat bei unserem Test aber nicht geklappt. Beim erneuten Öffnen eines Dokuments kann über ein Lesezeichen in der Statusleiste an der vorherigen Stelle fortgefahren werden. Und ausserdem kann Word direkt im Dokument Online-Videos abspielen. Die Funktion zur Überarbeitung von Dokumenten wurde verbessert und – und das dürfte die praktischste Neuerung sein: Kapitel im Dokument lassen sich bei Bedarf ausblenden: Dazu positioniert man den Mauszeiger auf einem Titel. Das bringt am linken Rand ein Dreiecksymbol zum Vorschein, über das man den zum Kapitel gehörenden Text quasi einklappt. Word kann ausserdem PDF-Dateien öffnen und bearbeiten. Dabei kommt es allerdings zu massiven Veränderung des Layouts und komplex gestaltete Seiten lassen sich kaum oder gar nicht vernünftig editieren.

Powerpoint geht nun besser mit Folien um, die mit 3:4-Seitenverhältnis gestaltet wurden und auf einem Beamer mit Breitbild gezeigt werden sollen. Es gibt neue Folien-Vorlagen und ein Werkzeug hilft, grafische Objekte auszurichten und gleichmässig zu verteilen. Formen können miteinander verschmolzen werden.

Eine nützliche Kleinigkeit

In Excel gibt es eine Funktion namens «Quick Analysis Lens», die Daten in höchstens zwei Schritten in ein Diagramm umwandelt. «Flash Fill» ist ein Assistent, der Datenreihen automatisch weiterführt, wenn ein Muster erkannt wird. Und es gibt eine Handvoll neuer Funktionen aus den Bereichen Mathematik, Statistik, Zeit und Datum, Referenz, Logik und Text. Ausserdem werden Diagramme animiert, wenn die Quelldaten verändert werden. In Outlook ist die Möglichkeit integriert, über Lync eine Sitzung zu starten. Lync ist Microsofts Instant-Messaging-Dienst, der früher Office Communicator hiess. Eine nützliche Kleinigkeit besteht darin, dass man beim Antworten die neue Nachricht direkt im Lesebereich verfassen kann und nicht in ein Extra-Fenster «entführt» wird. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.07.2012, 10:02 Uhr

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