Des Berglöwen beste Tricks

Wir haben OS X Mountain Lion für eine Woche exklusiv getestet. Das Update bringt zahlreiche, fast schon subtile Veränderungen.

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Die neuste Version von OS X, die den Beinamen Mountain Lion trägt, ist ab heute als Download verfügbar. Wir haben das Betriebssystem seit einer Woche vorab ausprobiert. Insgesamt wirkt es geschliffen und ausgereift, wir sind auf keine nennenswerten Stolpersteine gestossen.

Die grosse Superfunktion, mit der sich der Berglöwe von seinem Vorgänger, dem gewöhnlichen Löwen, unterscheidet, gibt es in diesem Sinn nicht. Es ist kein Mega-Update, die Neuerungen fallen eher klein bis mittelgross, aber fein aus und erst in ihrer Summe machen sie dann doch einen markanten Unterschied. Immerhin gibt es auch keine Verschlimmbesserungen. Zum Preis von 20 Franken kann man deshalb bedenkenlos in den kommenden Tagen zuschlagen.

Unsere Top Ten

Im Zentrum steht eine weitere Annäherung an iOS, das machen auch unsere zehn nennenswertesten Neuerungen (Details dazu in der Bildstrecke) deutlich. Es gibt eine zentrale Stelle für Benachrichtigungen aller Art (am rechten Bildschirmrand) und man kann vom Mac aus kostenlose Kurznachrichten an andere Mac-, iPhone- und iPad-Nutzer schicken. Dokumente lassen sich in der iCloud speichern und auf allen eigenen Geräten synchron halten sowie einfacher mit anderen austauschen (sprich: zusenden).

Notizen und Erinnerungen sind nun eigene, erstmals brauchbare Mac-Apps. Überall, wo man Text mit der Tastatur eingibt, kann man neu auch diktieren, was ganz ordentlich funktioniert. Airplay, mit dem man Video, Audio oder den ganzen Bildschirminhalt drahtlos auf den Apple-TV schickt, läuft nun ebenfalls auf dem Mac, allerdings nur auf Geräten, die aus dem Sommer 2011 stammen oder noch neuer sind.

Die angekündigte, volle Facebook-Integration folgt im Herbst, wenn auch iOS 6 erwartet wird (das voraussichtlich gemeinsam mit dem kommenden iPhone verfügbar wird).

Gatekeeper, Game Center und Power Nap

Es gibt noch weitere, nennenswerte Neuerungen. Unter Systemeinstellungen > Sicherheit kann man festlegen, welche Art von Apps man installieren kann: Nur diejenigen aus dem Mac App Store, diese plus solche mit Zertifikat von Apple (was die Standard-Einstellung ist) oder alles Mögliche. Die Gatekeeper genannte Funktion erhöht die Sicherheit des Macs und lässt dem Nutzer aber alle Möglichkeiten offen. Wir haben beispielsweise die Testversion von Windows 8 installiert, wozu man kurzfristig auf «Alle» umschalten muss, was aber kein Aufwand ist.

Das von iOS her bekannte Game Center hat mittlerweile 130 Millionen Nutzer, die dort wöchentlich fünf Milliarden Spielstände austauschen. Mit Mountain Lion kommt es auch auf den Mac. Technisch möglich sind neu auch Cross-Plattform-Spiele, bei denen ein Spieler am Mac sitzt, ein anderer am iPad oder iPhone. Noch sind keine Titel offiziell verfügbar, erste Demos, die wir exklusiv vorgeführt bekommen haben, scheinen aber bereits reibungslos zu laufen. Es dürfte nur eine Frage von Wochen oder Tagen sein, bis erste Games diese Möglichkeit ausnützen.

Mail kennt neu sogenannte VIPs, also Personen, deren Mails man prioritär behandeln möchte (was man etwa von GMail her kennt). Bei Facetime werden die Kontakte besser aufgeräumt, so dass man auf allen Geräten unter einer einzigen Apple-ID erreichbar ist (was wir im Detail nicht ausprobiert haben).

Eine Power Nap genannte Funktion ermöglicht es, dass Laptops auch im geschlossenen Zustand aktuell bleiben, etwa iCloud-Daten synchron halten. Falls ein MacBook am Strom hängt, werden sogar Software-Updates heruntergeladen. Dabei gibt das MacBook keine Geräusche von sich und es leuchten auch keine LEDs oder dergleichen.

Software-Updates passieren nun alle via Mac App Store, auch jene des Betriebssystems selbst. Das Launchpad hat neu ein praktisches Suchfeld, mit dem man Apps rasch findet. Und der Fotostream kann nun als Quelle für den Bildschirmschoner ausgesucht werden (von denen es ein paar neue Varianten gibt).

Dropbox wird nicht überflüssig

Ob all der Neuheiten muss an dieser Stelle auch noch erwähnt werden, was noch fehlt. Am meisten vermisst man einen Cloud-Speicher, der direkt aus dem Finder heraus zugänglich ist, also mit Dateisystem. iCloud ist gut dafür, die eigenen Dateien (vorwiegend von Apple-Apps) auf all seinen Geräten parat zu haben, doch das reicht im digitalen Alltag oft nicht. Wer Dokumente mit anderen Leuten teilen möchte, muss weiterhin auf Dropbox, Google Drive oder Microsofts Skydrive setzen.

Ausserdem wäre es zwar nicht lebenswichtig, aber nett, wenn man E-Books aus der iBooks-App auch am Mac lesen könnte, wie das mit der Konkurrenz von Amazons Kindle und deren App problemlos geht.

Und Siri würde am Mac ebenfalls Sinn machen (mindestens so viel oder wenig wie am iPhone), doch darauf müssen OS-X-User wohl bis zum nächsten grossen Update warten.

OS X Mountain Lion (10.8) ist ausschliesslich via Mac App Store verfügbar und kostet 20 Franken. Es wird diesmal keinen USB-Stick zur Installation geben, wie das bei Lion noch der Fall war. Das neue OS läuft auf Intel-Macs mit mindestens OS X 10.6.8. (Technische Anforderungen siehe hier.)

Erstellt: 25.07.2012, 14:30 Uhr

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