Die acht grössten Irrtümer in unserem digitalen Alltag

Muss der Akku vor dem Aufladen leer sein? Verlangsamen Viren den PC? Wir räumen mit den populärsten Mythen auf.

Akkus sollten vor dem Laden komplett geleert werden: Ein populärer Mythos. Mit modernen Lithium-Ionen-Akkus ist das nicht nötig, nur für die Justierung der Ladestandsanzeige kann die Massnahme sinnvoll sein.

Akkus sollten vor dem Laden komplett geleert werden: Ein populärer Mythos. Mit modernen Lithium-Ionen-Akkus ist das nicht nötig, nur für die Justierung der Ladestandsanzeige kann die Massnahme sinnvoll sein.

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1. Irrtum: Apps schliessen spart Akku

Viele Handynutzer haben es sich zur Gewohnheit gemacht, Apps nach Gebrauch zu schliessen. Dabei sagen Experten seit Jahren, das sei überflüssig: Die mobilen Betriebssysteme sorgen dafür, dass Apps bei Nichtgebrauch gestoppt werden und den Akku nicht belasten. Werden Apps beendet, müssen sie sich beim nächsten Start neu initialisieren, Daten laden und unter Umständen mit einem Server Kontakt aufnehmen – und das verbraucht viel mehr Energie, als wenn eine App bloss reaktiviert werden muss.

Die Möglichkeit, Apps zwangsweise zu beenden, ist lediglich bei Abstürzen oder Fehlern nötig. Doch bei den einen ist es die Ordnungsliebe, die sie dazu bringt, ständig Apps aufzuräumen. Und andere geniessen das befriedigendende Gefühl der Macht, Apps mit einer lässigen Geste wegzuschnipsen ...

2. Irrtum: Akkus sollten vor dem Laden komplett geleert werden

Dieser Ratschlag wäre schwer zu befolgen, weil Akkus typischerweise nicht dann leer sind, wenn man Zeit zum Aufladen hat. Aber zum Glück ist dieser Tipp obsolet: Der Memory-Effekt, der bei Teilentladungen die Kapazität einer Batterie auf die effektive Verwendung beschränkt hat, tritt bei Lithium-Ionen-Akkus nicht mehr auf. Es kann aber sinnvoll sein, eine Batterie ab und zu von der vollen Ladung komplett leerzubrauchen, weil die Ladestandsanzeige dadurch justiert wird.

3. Irrtum: Bluetooth und WLAN abschalten spart Akku

Der Datenfunk verbraucht Strom, darum sollte man ihn abschalten, wenn man ihn nicht braucht. Das Argument klingt einleuchtend, doch es stimmt nur sehr bedingt. Effektiv beansprucht wird die Batterie nur dann, wenn Daten transferiert werden, ansonsten ist die Batteriebelastung gering.

Es lohnt sich darum, WLAN und Bluetooth eingeschaltet zu lassen, aber die Hintergrundaktivitäten für weniger wichtige Apps einzuschränken: Beim iPhone sind sie in den Einstellungen bei «Allgemein > Hintergrundaktualisierung» zu finden, bei Android suchen Sie nach «Hintergrundaktualisierung». Was den Akku sicher schont, ist, LTE abzuschalten, wenn beim Mobilfunknetz nicht maximales Tempo gefragt ist. Und drehen Sie die Helligkeit zurück oder aktivieren Sie den Stromsparmodus: Beim iPhone unter Batterie, bei neueren Android-Versionen unter «Akku > Energiesparmodus».

4. Irrtum: Das neue Handy muss man voll aufladen

Auch weitere Batteriemythen urbaner Zeitgenossen dürfen ins Reich der Legenden verbannt werden: Denn ein aufgeladenes Gerät nimmt keinen Schaden, wenn es am Netzkabel verbleibt. Man muss ein neues Gerät vor der ersten Verwendung nicht komplett aufladen. Und es ist wirklich unnötig, Akkus im Kühlschrank zu lagern, wenn man sie nicht benutzt.

5. Irrtum: Festplatten müssen defragmentiert werden

Jedes Jahr per Ende März ist die Steuererklärung auszufüllen, und jeden Samstag wird das Auto geputzt: Denn die Pflichten gehören erledigt, egal ob lästig oder nicht. Für gestandene PC-Hasen zählt das Defragmentieren der Festplatte dazu: Mindestens einmal pro Monat wird «Laufwerke optimieren» gestartet und zugeschaut, wie dieses Hilfsprogramm die Datenblöcke optimal anordnet.

Doch aller Gewohnheit zum Trotz: Das ist überflüssig. Windows 10 nimmt, wenn nötig, selber eine Optimierung vor. Abgesehen davon: Bei den grossen, heute üblichen Festplattenkapazitäten fällt eine Fragmentierung nicht ins Gewicht. Und bei SSD-Speicher nützt die Defragmentierung nicht nur nichts, sie schadet sogar.

6. Irrtum: Mehr ist immer besser

Wer einen neuen Laptop, ein Smartphone oder Tablet sucht, sollte klotzen, nicht kleckern – also so viel Geld wie das Budget hergibt in den schnellsten Prozessor mit der maximal möglichen Anzahl von Prozessorkernen investieren. Je mehr Arbeitsspeicher und Speicherkapazität, desto flotter ist man unterwegs. Denn jeder hat schon erlebt, wie Hardware-Engpässe einen ausbremsen können. Doch deswegen sollte man nicht ins andere Extrem verfallen: Denn die üppigen Reserven kosten viel Geld, werden aber nur von anspruchsvollen Anwendungen jemals ausgenutzt. Schnellere Prozessoren brauchen mehr Strom, was dazu führt, dass der Akku weniger lange hält. Am besten fährt, wer seine Anforderungen genau kennt und die Hardware optimal darauf auslegt.

7. Irrtum: Viren verlangsamen den Computer

Viele Nutzer denken, dass man es als Nutzer spürt, wenn der Computer «krank» ist – an Abstürzen und Geschwindigkeitsverlust. Und es kann natürlich sein, dass eine Schadsoftware solche Symptome auslöst. Doch viele böse Programme verfolgen das Ziel, möglichst lange unentdeckt zu bleiben. Denn es geht schliesslich darum, Dienst in einer Zombie-Armee zu leisten, Spam-Mails zu versenden oder Attacken im Web zu fahren. Unauffälliges Verhalten ist angesagt – selbst bei den Cryptotrojanern, die erst die ganzen Daten verschlüsseln, bevor sie sich mit einer Lösegeldforderung zu erkennen geben. Was den Computer verlangsamt, ist das Antivirenprogramm – aber das ist eben wirklich unverzichtbar.

8. Irrtum: Doppelter Schutz hält besser

Manche Leute glauben, sich mit mehr als einem Antivirenprogramm besonders gut schützen zu können. Das ist falsch, weil sich die Programme gegenseitig ins Gehege kommen. Gut möglich, dass beide Programme ihre Arbeit nicht mehr erfüllen und der Computer unbenutzbar wird. Und allzu viel sollte man auch nicht auf die Tests der Antivirenprogramme geben: Die Unterschiede zwischen den Produkten sind graduell – und wie gut man geschützt ist, hängt vom Bedrohungsszenario ab. Die wichtigste Regel ist, bei Windows überhaupt ein solches Programm zu nutzen – das eingebaute namens Windows Defender reicht aber völlig aus. Beim Mac ist der Virenscanner nicht verkehrt, aber keine Pflicht. Für Android sieht es ähnlich aus: Wenn Sie Apps nur aus dem offiziellen Store beziehen und sich auf die bekannten Produkte konzentrieren, ist die Infektionsgefahr gering. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 13.11.2018, 17:50 Uhr

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