Diese Text-Apps lassen Word alt aussehen

Einfacher ist besser. Das gilt gerade für ein klassisches Einsatzgebiet des Computers, die Textverarbeitung.

Das heutige Video ist ein Plädoyer: Denn diese simplen Text-Apps haben ihren Reiz und drei ganz konkrete Vorteile.
Video: Matthias Schüssler

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Die Textverarbeitung gehört zu den Ur-Anwendungen des PC. Für viele der langjährigen Nutzer war ein solches Programm der Grund, überhaupt eine solche Maschine anzuschaffen. Und der Personal Computer ist mit Word, Wordstar, Wordperfect oder Macwrite gross geworden.

Dennoch – oder gerade deswegen – wirkt die klassische Textverarbeitung in der heutigen Welt deplatziert: Sie hat sich zu einem Softwaremonster entwickelt. Sie ist für viele Aufgaben zu komplex, und der riesige Funktionsumfang ist bei der konzentrierten Arbeit eher hinderlich.

Vor 15 Jahren haben zwei Männer eine Alternative entwickelt: Aaron Swartz, der Mitbegründer der sozialen News-Website Reddit, und Blog-Autor John Gruber knüpften dafür bei einem alten Konzept an, nämlich bei den Steuerzeichen bzw. Auszeichnungsbefehlen, die man direkt im Text eingibt (oder, wenn man sie sich nicht merken kann, natürlich auch über ein Menü abrufen kann).

Anachronistisch und absurd

Das klingt reichlich anachronistisch und sogar absurd: Wieso sollte man zu der Arbeitsweise zurückkehren wollen, wie sie vor dreissig Jahren üblich war – als die grafischen Benutzeroberflächen noch nicht erfunden oder noch wenig verbreitet waren? Es geht mit dieser primitiven Methode auch eine Errungenschaft verloren, die mit den ersten Textverarbeitungsprogrammen für Windows und Mac noch gross gefeiert wurde: Nämlich die Darstellung des Dokuments, so wie es am Schluss gedruckt wird (auch bekannt als «What you see is what you get» bzw. WYSIWYG).

Die Antwort ist so simpel wie einleuchtend: Weil es einfacher ist. Viele Autoren müssen ihren Text nicht so am Bildschirm sehen, wie er gedruckt wird: Das lenkt nämlich bloss ab. Formatierungen braucht es nur wenige.

Das Schreiben kommt zuerst

Wenn es nicht gerade um einen simplen Geschäftsbrief geht, wird man sich um die Gestaltung kümmern wollen, wenn ein Text fertiggestellt ist – sei es für den Druck, die Veröffentlichung im Web oder die Weitergabe zum Beispiel per Mail. Und es ist auch ohne Probleme möglich, einen Text für unterschiedliche Zwecke verschieden aufzubereiten: zum Beispiel farbig gedruckt, als E-Book oder online.

Darum ist das Video zu diesem neuen Textverarbeitungsprinzip auch ein Plädoyer: Diese simplen Text-Apps haben ihren Reiz und drei ganz konkrete Vorteile, die wir ausführlich vorstellen: Sie helfen bei der Konzentration. Sie sorgen für sauber strukturierte Dokumente. Und sie sind enorm flexibel.

Ein weites Feld

Die Methode von Aaron Swartz und John Gruber heisst übrigens Markdown: Und neu ist die Idee gar nicht, über Auszeichnungsbefehle Texte zu gestalten. Sie kommt beim World Wide Web als HTML zum Einsatz. Wikipedia verwendet Wikitext. Professionelle Drucker kommunizieren mit Postscript. Und im wissenschaftlichen Bereich kommt Latex zum Einsatz.

Der Clou von Markdown ist jedoch, dass diese Auszeichnungssprache einfach zu lernen ist: Wenn man die Bedeutung von Raute, Stern und Bindestrich kennt, kommt man schon weit.

Eine App für jeden Geschmack

Weil Markdown so einfach ist, gibt es inzwischen eine grosse Auswahl an Apps für Windows, Mac, Smartphones und Tablets. Im Video stellen wir einige der Apps kurz vor. Sie werden im Blog des Autors ausführlich besprochen, nämlich Typora für Windows, Drafts fürs iPad und iPhone, Dillinger für die Verwendung im Browser sowie die Notiz-App Joplin, die es für Windows, Mac, Linux, Android und iOS gibt.

Es gibt im Blog auch noch diverse Vorstellungen weiterer Apps:

Wenn Sie trotz allem Word und Office die Stange halten wollen, ist das auch in Ordnung. Dann finden Sie eine Reihe von früheren Tipps in folgenden Videos: Diesen Office-Trick sollten Sie kennen! stellt Erweiterungsmöglichkeiten von Word und Co. vor. Schreiben, ohne dass Word reinfunkt gibt Tipps zur Fehlerbehebung. Und im Beitrag Word macht alles besser – nur Ihre Texte nicht erklären wir, wie Sie Microsofts Schreibprogramm dazu bringen, Sie beim Schreiben nicht abzulenken.

Erstellt: 02.12.2019, 15:45 Uhr

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In der Videoreihe Digitale Patentrezepte gibt Matthias Schüssler exklusiv für Tagesanzeiger.ch/Newsnet einmal pro Woche praxiserprobte Hilfestellung zur souveränen Bewältigung des digitalen Alltags.

Falls Sie ein Anliegen haben, das sich für die Behandlung in unserer neuen Rubrik eignen würde, dann unterbreiten Sie uns das bitte über die Kommentarfunktion oder schreiben Sie an matthias.schuessler@tages-anzeiger.ch.

Die neue Folge wird jeweils am Montagnachmittag, etwa um 16 Uhr veröffentlicht.

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