Erster Eindruck: Was taugt der Laptop-Ersatz von Microsoft?

Tagesanzeiger.ch/Newsnet konnte einen Prototyp des Surface Pro 3 kurz ausprobieren. Besonders auffällig ist das neue Format.

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Anfang Woche hat Apple seine Strategie für Laptops, Tablets und Smartphones vorgestellt. Zwar nicht explizit, aber zwischen den Zeilen der Präsentation in San Francisco konnte man sehen, was der Konzern vorhat (Apple nimmt der Konkurrenz die Argumente weg). Das Tablet soll den Laptop nicht ersetzen, sondern ergänzen: bessere Zusammenarbeit statt Fusion.

Microsoft versucht seit über einem Jahrzehnt den anderen Weg: Tablet und Laptop sollen eins werden (Die zweite Vermählung von Laptop und Tablet). Im Zentrum dieser Strategie steht Windows 8. Das Betriebssystem soll die traditionelle Maus- und Tastaturbedienung mit dem Touchscreen verbinden.

Um dieses Ziel zu erreichen, hat der einstige Softwarekonzern Mitte 2012 mit der Surface-Reihe seine eigenen Tablet-Laptop-Hybriden vorgestellt. Das vor rund einem Monat vorgestellte neuste Modell sieht zumindest in der Theorie vielversprechend aus. An einem Pressetermin konnte Tagesanzeiger.ch/Newsnet einen fast fertigen Prototyp kurz ausprobieren.

Das neue Format

Auf den ersten Blick fällt das neue Bildschirmformat auf (siehe Box). Das Surface Pro 3 gleicht optisch eher einem iPad als einem Laptop-Bildschirm oder Android-Tablet. Dank dem neuen Format wirkt der Bildschirm nicht nur grösser, das Tablet liegt auch – gerade im Porträtmodus – besser in der Hand.

Da das Tablet auch deutlich leichter und dünner ist als sein Vorgänger, das Surface Pro 2, wird der Eindruck noch verstärkt. Der Nachteil: Das Tablet ist zusammen mit dem neuen Bildschirm auch grösser geworden. In die kleine Umhängetasche des Autors passte es nur noch knapp, während ein iPad oder ein Surface 2 problemlos darin Platz findet.

Besonders aufgefallen sind beim kurzen Ausprobieren die neue Tastatur und der neue Stift. Beide machen einen deutlich zuverlässigeren Eindruck als noch beim Vorgänger. Gerade die Tastatur lässt sich jetzt schräg stellen, was beim Tippen besonders angenehm ist. Die Tasten der dünnen Tastatur haben aber immer noch relativ wenig Weg, was nicht allen gefallen wird.

Nutzt man das neue Surface mit der magnetischen Anklipstastatur auf den Knien, wirkt es deutlich zuverlässiger und stabiler als der Vorgänger – auch wenn der ausklappbare Ständer für die finale Version noch leicht überarbeitet werden soll.

Ganz so zuverlässig und solid wie ein Laptop mit fest verbauter Tastatur wirkt aber auch Microsofts neuster Wurf noch nicht. Fürs Sitzungszimmer oder eine Pressekonferenz sollte es reichen. Doch obs auch für einen rüttelnden Zug oder den Rücksitz eines fahrenden Autos reicht, lässt sich noch nicht sagen.

Vielversprechend, aber auch preiswert?

Alles in allem macht das Surface Pro 3 auch nach dem kurzen Test weiterhin einen vielversprechenden Eindruck. Doch ob der Laptop-Tablet-Hybride seinem hochgesteckten Ziel gerecht werden und Laptop und Tablet ersetzen kann, wird erst ein Alltagstest zeigen, wenn die finale Version Ende August in die Schweizer Läden kommt.

Dann wird sich auch zeigen, ob der Preis gerechtfertigt ist. Die billigste Version kostet inklusive Tastatur 1040 Franken. Mit einem etwas schnelleren i5-Prozessor kostet das Paket bereits 1270 Franken. Für diesen Preis kann man sich auch ein Tablet und einen Mittelklasse-Laptop kaufen.

Haben Sie Fragen zum neuen Surface Pro? TA-Autor Rafael Zeier beantwortet die Fragen gerne in den Kommentaren, sofern es nach der kurzen Zeit mit dem Gerät möglich ist.

Erstellt: 04.06.2014, 17:10 Uhr

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Die Krux mit dem Seitenverhältnis

Bei Tablet-Bildschirmen ist in der Regel die Rede von Auflösung, Reflexionen und Farben. Ein wichtiger Aspekt wird dabei selten beachtet: das Seitenverhältnis. Ob es 16:9, 16:10, 4:3 oder wie beim neuen Surface 3:2 beträgt, ist mitunter entscheidend, wie gut man ein Tablet im Hochformat nutzen kann.

Apple verwendet bei seinen iPads das Verhältnis 4:3. Die meisten anderen Tablets haben ein breiteres oder länger gezogenes Verhältnis wie 16:9 oder 16:10. Die Hersteller betonen, das sei wichtig für Filme, und nehmen damit in Kauf, dass ein Tablet im Hochformat weniger praktisch ist.

Wie unterschiedlich die verschiedenen Seitenverhältnisse sind, zeigt sich, wenn man sie auf den gleichen Nenner bringt: 16:9 (24:13,5); 16:10 (24:15); 3:2 (24:16); 4:3 (24:18). Die kleine Rechnerei zeigt, Apples Tablets sind im Hochformat verhältnismässig am breitesten, gefolgt vom Surface Pro, das von 24:13,5 zu 24:16 gewechselt hat.

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