Hacker spielen mit Finanzdaten

Ihre Ideen sind ambitioniert, aber die Zeit ist äusserst knapp: Eine Gruppe Programmierer schrieb am ersten Berner Hackday Online-Apps im Akkord.

Diskutieren und Programmieren: Die Teilnehmer des ersten Berner Hackdays beim Tüfteln.

Diskutieren und Programmieren: Die Teilnehmer des ersten Berner Hackdays beim Tüfteln. Bild: Urs Baumann

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Freitag, kurz nach Mittag: 40 Hacker entern zwei Räume der Universität Bern. Sie richten sich dort ein, wo kurz zuvor noch die Wirtschaftsinformatiker sassen. Bis am Abend dürfen sie hier Ideen aushecken, Daten aufbereiten und Webdienste programmieren.

Noch bevor sie richtig loslegen können, ergreift Oleg Lavrovsky das Wort und gibt die Spielregeln durch: «Macht keine Sciencefiction», mahnt der Co-Organisator des ersten Berner Hackdays. Es sei besser, einfachere Projekte anzupacken – solche, die sich innert acht Stunden auch umsetzen liessen. Ziel des Anlasses sei es, zu demonstrieren, wie sich Daten, die für die Öffentlichkeit relevant seien, aufbereiten liessen. Lavrovsky zeigt auch gleich, an welche er denkt: an Fahrdaten der SBB etwa, an Geoinformationen des Kantons und an Finanzdaten der Stadt Bern.

Grafische Apps statt Tabellen

Spielen da wirklich Hacker mit heiklen Finanzdaten – mit Steuerauszügen womöglich? «Keine Angst», beruhigt Matthias Stürmer, EVP-Stadtrat und Co-Organisator des Anlasses. Es handle sich beim erwähnten Datensatz um das städtische Budget 2012 – um Informationen also, die von grossem öffentlichem Interesse sind, jedoch von kaum jemandem angeschaut würden. «Wer mag sich schon durch ein 800-seitiges Dokument voller Tabellen kämpfen?», fragt er. Würde die Verwaltung die Daten jedoch frei zugänglich machen – wie es der Gemeinderat für den heutigen Tag gestattet habe –, könnten externe Programmierer diese grafisch und interaktiv aufbereiten. «Davon profitieren alle – vom Programmierer über den Bürger, der sich dank Apps besser informieren und damit engagieren kann, bis hin zur öffentlichen Verwaltung, die transparenter wird.»

Mittlerweile stecken die Teilnehmer des Hackdays – fast ausschliesslich jüngere Männer – ihre Köpfe zusammen. Sie diskutieren, was sie mit den vorhandenen Daten alles anstellen könnten. Wenig später prangen an der Tafel vorne im Raum die ersten Ideen. Eine Gruppe etwa will sich den Temperaturen der Schweizer Flüsse widmen. Eine andere möchte Informationen zu Stadtquartieren grafisch aufbereiten. Und eine grössere Gruppe nimmt sich der Berner Finanzdaten an.

Innert Stunden zu Prototypen

Zwei Stunden später wird in den beiden Räumen konzentriert gearbeitet. Auf dem Pult der Flussgruppe liegen mit Kugelschreiber gemachte Skizzen. Ein Teilnehmer feilt am Aussehen der Website, während sein Kollege noch die vom Bundesamt für Umwelt publizierten Daten aufbereitet.

In der anderen Ecke des Raumes sitzen die Mitglieder der Finanzgruppe. Statt eine eigene Webapp zu schreiben, setzen sie nun doch auf bestehende Software. Zu tun haben sie dennoch mehr als genug: Die Daten liegen im für ihre Zwecke ungeeigneten Excel-Format vor und müssen mit viel Aufwand aufbereitet werden. Einige Stunden bleiben ihnen nur noch. Dann werden sie den Prototyp bereits den anderen Hackern zeigen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.04.2012, 12:25 Uhr

Opendata

Hackdays gibt es längst nicht nur in Bern: Insbesondere im englischen Sprachraum sind bereits viele durchgeführt worden. Die bislang grösste Veranstaltung in der Schweiz fand Ende März in Zürich und Genf statt. Thema war die Mobilität. Organisiert wurde auch diese Veranstaltung durch den Verein Opendata.ch. Er setzt sich dafür ein, dass Daten, die im Auftrag der Allgemeinheit erhoben worden sind, nach Möglichkeit und in geeigneter Form freigegeben werden.

Dies ist in der Schweiz noch längst keine Selbstverständlichkeit. Anders in den USA: Dort müssen solche Daten normalerweise freigegeben werden. So stellt etwa die Raumfahrtbehörde Nasa Fotos von Missionen online. (mbb)

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