Immer mehr Apps wollen abonniert werden

Der Wechsel des Kaufmodells bringt oft massive Preisaufschläge mit sich. Das verspricht mehr Einnahmen, könnte aber auch zum Bumerang werden.

Die App-Abos wurden vor einem Jahr von Apple-Marketingchef Phil Schiller vorgestellt.

Die App-Abos wurden vor einem Jahr von Apple-Marketingchef Phil Schiller vorgestellt. Bild: Beck Diefenbach/Reuters

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Letzte Woche hat die beliebte Textverarbeitungs-App Ulysses auf ein Abomodell umgestellt und harsche Kritik geerntet: Die Bestandeskunden würden übers Ohr gehauen, empörte sich der Autor von Gizmodo.com: Die treuen Kunden müssten noch einmal für eine App bezahlen, die sie bereits erworben hätten.

In der Tat bringt das Abomodell bei Ulysses eine kräftige Preiserhöhung. Die App für iPad und iPhone kostete bislang 25 Franken. Jetzt bezahlt man 7 Franken pro Monat oder 49 Franken im Jahr. Für Käufer der alten Version gibt es allerdings einen Rabatt, und mit seinem Abo kann man auch die Mac-Version benutzen. Teurer wurde auch Flightradar24. Diese App trackt den Flugverkehr und hat seinerzeit 3 Franken gekostet. Das Silber-Abo kostet jetzt 10.50 Franken im Jahr, das Gold-Abo sogar 35 Franken.

Wiederkehrende Einnahmen und abgestufte Preispläne

Seit gut einem Jahr ermöglicht es Apple den Software-Entwicklern, ihre Apps im Abonnement anzubieten. Diese Abos verlängern sich (normalerweise) automatisch und können auch abgestuft sein, je nachdem, wie viele Funktionen ein Anwender in Anspruch nehmen möchte.

Viele App-Hersteller haben die Neuerung damals begrüsst. Sie versprachen sich ein berechenbareres Einkommen. Denn während bei Kauf-Apps die Einnahmen zusammenbrechen, wenn keine neuen Käufer dazukommen, erzeugen die monatlich fälligen Abos regelmässige Einkünfte.

Nicht für alle geeignet

Ausserdem zeigte damals eine Studie, dass abonnierte Apps dem Entwickler zwei- bis dreimal mehr Geld in die Kasse spülen als eine App, die sich über Werbung oder einen Kaufpreis finanziert. Auch gegenüber den lukrativen In-App-Käufen sei das Abo um 50 Prozent einträglicher, besagte die Studie. Und schliesslich signalisiere das Abomodell Zuverlässigkeit, meinten die Experten. Da der Hersteller das Interesse hat, die Nutzer langfristig zu binden, muss er deren Wünsche ernst nehmen und sein Produkt kontinuierlich verbessern.

Bei manchen Apps bewährt sich das Abomodell. Ein Beispiel ist die Lumosity-App, die das Gedächtnis auf Touren bringen und die Konzentrationsfähigkeit fördern will. Sie kostet 12 Franken im Monat oder 60 Franken im Jahr und bietet dafür mehrere Dutzend Trainings an. Alles in allem haben aber nur wenige Apps die Strahlkraft, die für die Nutzer eine wiederkehrende Ausgabe rechtfertigt. Für die anderen dürfte das neue Preismodell zum Bumerang werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.08.2017, 17:14 Uhr

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