Internet: Notversorgung aus der Luft

Wenn Despoten das Netz abschalten, könnte das amerikanische Militär die Bevölkerung damit versorgen.

Wenn Regimes das Internet sperren, könnte die USA eingreifen: Chinesischer Web-Nutzer.

Wenn Regimes das Internet sperren, könnte die USA eingreifen: Chinesischer Web-Nutzer. Bild: Reuters

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Im Iran ist es 2009 passiert, dieses Jahr in Tunesien und Ägypten, und auch in Libyen schaltet das Regime derzeit immer wieder das Internet aus. So wird es für Regierungsgegner schwieriger, sich zu organisieren. Ihnen könnte das US-Militär zu Hilfe kommen – es verfügt laut dem amerikanischen Magazin «Wired» über die nötigen Mittel, jederzeit und überall einen Internetzugang zu ermöglichen.

Fliegendes Rundfunkzentrum

Eine solche Aktion wäre allerdings mit enormem logistischem Aufwand verbunden. Denn die ausgeschaltete Infrastruktur kann nicht einfach von aussen wieder eingeschaltet werden. Vielmehr müsste man von Schiffen, Flugzeugen oder Satelliten aus einen drahtlosen Netzzugang bereitstellen. Die USA verfügen über eine entsprechende Ausrüstung, unter anderem ein fliegendes Rundfunkzentrum namens Commando Solo, ein umgebautes Frachtflugzeug. Es kann Radio- und TV-Programme über feindlichem Gebiet verbreiten. Es könnte auch als fliegender Wi-Fi-Hotspot fungieren.

Zusätzlich könnten Drohnen die Rolle von Handymasten übernehmen und so notfalls aus der Luft ein Mobilfunknetz bereitstellen. Dies sogar mit mobilem Internet. Tief und langsam fliegende Drohnen sind allerdings ein leichtes Ziel für eine intakte Flugabwehr.

Angepasste Endgeräte

Das wäre der einfache Teil der Operation. Schwieriger wird es am Boden. Die Bevölkerung müsste mit kompatiblen Handys ausgerüstet werden, weil einzig diese mit den Signalen der für das Militär entwickelten Sender funktionieren. Denkbar wäre es, passende Geräte ins Land zu schmuggeln.

Falls das Internet via Satelliten wieder zum Laufen gebracht werden soll, müssten zusätzlich Parabolantennen am Boden installiert werden. So ging die US-Armee nach dem Erdbeben in Haiti vor. Doch unter bürgerkriegsähnlichen Umständen wäre dies wohl kaum zu realisieren. Einfacher könnte es daher sein, die Bevölkerung mit herkömmlichen Satellitentelefonen zu versorgen.

Direkte Einmischung

Dass die USA bisher noch in keinem Fall zu diesen Mitteln gegriffen haben, liegt indes nicht allein am grossen Aufwand. Die Installation eines Notinternets käme vielmehr einer direkten Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes gleich – und würde als kriegerischer Akt interpretiert. So sieht es zumindest John Arquilla, US-Militär-Futurologe und Professor für Internationale Beziehungen. «Es ist vielmehr eine politische Frage als eine technische», zitiert ihn das Magazin «Wired». Der Befehl zu so einer Aktion müsste deshalb auch direkt vom Präsidenten erfolgen. Er verfügt somit immerhin über eine zusätzliche Option zwischen «gar nichts tun» und dem Entsenden von Truppen.

Erstellt: 09.03.2011, 21:00 Uhr

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