Kampf um Minicomputer am Handgelenk ist lanciert

Für einmal hofft Samsung, Apple zuvorzukommen. Der koreanische Konzern will als Erster eine Smartwatch mit allen Funktionen eines Tablet anbieten.

Visualisierung: Prototyp des Galaxy Gear von Samsung.

Visualisierung: Prototyp des Galaxy Gear von Samsung. Bild: PD

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Minicomputer für das Handgelenk könnten die nächste Entwicklungswelle in der Unterhaltungselektronik auslösen. Die zwei führenden Hersteller von Smartphones, Samsung und Apple, haben dafür bereits Prototypen entwickelt sowie Patente und Markennamen schützen lassen. Das Galaxy Gear von Samsung soll im September vorgestellt werden, während die iWatch von Apple erst gegen Ende Jahr erwartet wird. Analysten gehen danach von einer rasch anziehenden Nachfrage nach Smartwatches aus.

Erste Ideen für diese Handgelenk-Computer gehen auf die 30er-Jahre zurück und waren lange Zeit vor allem Stoff für Spionageromane und Science-Fiction-Serien. In den letzten Jahren haben vor allem kleine, unabhängige Firmen elektronische Armbanduhren entwickelt, die es erlauben, EMails zu lesen, Sitzungstermine nachzuführen oder auch sportliche Aktivitäten zu messen und zu speichern. Sony, Microsoft, Qualcomm und weitere Anbieter wie Sonostar, Kreyos oder Agent versuchten so, ein neues Marktsegment zu erschliessen.

Der grosse Durchbruch blieb bislang jedoch aus. Letztes Jahr wurden gemäss der Marktforschungsfirma Canalys erst 330'000 Smartwatches gekauft. Erklärbar ist die geringe Nachfrage damit, dass die Geräte nicht als selbstständige Minitablets konzipiert, sondern von einem Smartphone abhängig sind. Konsumententests verwiesen zudem auf Mängel punkto Datenübertragung und Verlässlichkeit.

Zunächst im Hochpreissegment

Samsung hofft nun, als erster Anbieter eine rundum gebrauchsfertige Smartwatch auf den Markt bringen zu können. Das Galaxy Gear soll Anfang September vorgestellt und ab Oktober in den Verkauf kommen, wie die Wirtschaftsagentur Bloomberg berichtet. Samsung hatte früher schon bestätigt, an einer Smartwatch zu arbeiten, die praktisch alle Funktionen eines Smartphones enthält. Bereits liegen dazu auch Bilder von Prototypen sowie eine Serie von Patentanmeldungen vor. Das letzte Gesuch datiert vom 29. Juli und ging an das US-Patentbüro. Es beschreibt ein «tragbares digitales Gerät in der Form einer Armbanduhr, eines Armbandes oder eines Armreifs, befähigt für das Internet sowie für das Senden und Empfangen von Telefonaten, EMails und elektronischen Meldungen».

Obwohl dies im Gesuch nicht spezifiziert wird, dürfte Samsung wohl wie bei den Smartphones das Android-Betriebssystem verwenden. Wie teuer das Galaxy Gear sein wird, ist noch unklar. Die Analysten der Credit Suisse glauben aber, dass die erste Generation der Smartwatches im Hochpreissegment angeboten und nach und nach verbilligt wird. Die bereits erhältlichen Geräte kosten meist zwischen 200 und 300 Dollar, ohne gleich viel zu bieten wie die Samsung-Uhren.

Auch Apple hat Projekte, doch soll die iWatch offenbar frühestens Ende Jahr vorgestellt und 2014 auf den Markt kommen. Immerhin war diesen Frühling bekannt geworden, dass Apple ein Team von 100 Ingenieuren auf das Projekt angesetzt hat. Im Juni dann reichte Apple Patentgesuche für die iWatch in Japan, Russland, Taiwan und weiteren Ländern ein. In China, den USA und Europa indessen haben andere Firmen die Marke iWatch bereits schützen lassen. Ob Apple diese Rechte erwerben will, ist unklar.

Diskreter als ein Smartphone

Die iWatch soll nicht nur die üblichen Online-Dienste und Applikationen anbieten, sondern auch für medizinische und sportliche Belange ausgerichtet werden. So verwenden Radfahrer heute oft ein Smartphone, um Routen zu planen sowie Daten zur Herzfrequenz, zur Distanz und zur Geschwindigkeit zu erfassen. Solche Funktionen könnte künftig eine iWatch übernehmen.

Darüber hinaus berichtet Sony gestützt auf die Erfahrungen mit der eigenen «SmartWatch» von weiteren Vorteilen der Armbanduhr. Zum einen können sie im Flugzeug gebraucht werden, ohne beim Starten und Landen abgeschaltet werden zu müssen. Zum anderen können Smartwatches bei Sitzungen, beim Autofahren, im Kino oder im Restaurant einfacher und unauffälliger gebraucht werden als Smartphones. Dieser soziale Aspekt ist nicht zu unterschätzen, zeigen doch Studien, dass Smartphone-Nutzer ihr Gerät täglich bis zu 150-mal kontaktieren und dabei ihr Gegenüber oft rüde vernachlässigen und ablenken.

Das Projekt der iWatch hat bei Apple noch zusätzlich Auftrieb bekommen, als Konzernchef Tim Cook kürzlich leise Zweifel an der Datenbrille Google Glass äusserte und anmerkte, das Handgelenk biete sich für künftige, auch mit Sensoren ausgestattete Geräte auf natürlichere Weise an. Gleicher Meinung sind die Experten von Credit Suisse. Sie sehen die Smartwatches als einen der grossen Trends der nächsten Jahre und glauben, dass Apple und Samsung auch diesen Markt vollständig dominieren werden.

Erstellt: 20.08.2013, 10:44 Uhr

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