Keine Chance für WhatsApp-Konkurrenz

Als vor einem Jahr bekannt wurde, dass Facebook den Kurzmitteilungsdienst WhatsApp übernehmen würde, waren die Datenschutzbedenken gross. Und heute?

Knapp 22 Milliarden Dollar bezahlte Mark Zuckerberg für den Kurznachrichtendienst: Facebook und Whatsapp mit anderen Apps auf einem Smartphone.

Knapp 22 Milliarden Dollar bezahlte Mark Zuckerberg für den Kurznachrichtendienst: Facebook und Whatsapp mit anderen Apps auf einem Smartphone. Bild: Andrew Gombert/Keystone

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Es war ein Mega-Deal - doch WhatsApp-Mitgründer Jan Koum wollte die Dimension der gigantischen Offerte für den Kurzmitteilungsdienst herunterspielen: «Letzte Woche habe ich eine Facebook-Freundschaftsanfrage angenommen», sagte der stets schüchtern wirkende Ukrainer vor einem Jahr.

Es war die Untertreibung schlechthin. Das Geschäft, das am Ende knapp 22 Milliarden Dollar auf die Waage brachte, sicherte Facebook die Dominanz bei Messaging-Diensten - und dem aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Koum ein gewaltiges Vermögen. Die inzwischen 700 Millionen Nutzer bei WhatsApp merkten bisher kaum etwas vom Eigentümerwechsel - bis vielleicht darauf, dass der Dienst seit dem Umzug auf die Facebook-Infrastruktur deutlich stabiler läuft.

Firmensitz ausserhalb Facebook-Gelände

Die grosse Frage steht aber weiter im Raum: Wie lange gilt das Versprechen von Jan Koum und Facebook-Chef Mark Zuckerberg, dass die Kundendaten von WhatsApp und Facebook unter dem gemeinsamen Konzerndach nicht zusammengelegt werden? Es bleibe dabei, heisst es auf Anfragen immer wieder. WhatsApp behielt auch demonstrativ seinen Firmensitz ausserhalb des Facebook-Geländes. Erst im Januar wiederholte der für Facebooks hauseigenen Kurzmitteilungsdienst Messenger zuständige Topmanager David Marcus: «Wir haben keine Pläne, die beiden Dienste zusammenzuführen.»

Das Versprechen der getrennten Datensilos schaffte es aber nicht schwarz auf weiss in die gerade eben aktualisierten Datenschutzregeln von Facebook. Dort heisst es generell, dass Daten zwischen verschiedenen Angeboten aus dem Hause Facebook ausgetauscht werden können.

Prompt äusserte der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar die Befürchtung, dass Daten künftig «in grossem Massstab» auch zwischen Facebook und WhatsApp ausgetauscht werden könnten. WhatsApp betont weiterhin, möglichst wenig Daten über seine Nutzer zu sammeln, während Facebook davon lebt, Werbepartnern gezielten Zugang zu gewünschten Nutzergruppen zu gewähren.

Gleichgültige Nutzer

Die Nutzer - viele waren nach der Bekanntgabe von Facebooks Übernahmeplänen vor einem Jahr in heller Aufregung - scheinen sich heute nicht mehr besonders für das Thema zu interessieren. Die erste Fluchtwelle, die konkurrierende Apps wie Threema an die Spitze der Download-Chats spülte, ebbte schnell ab.

Das Wachstumstempo bei WhatsApp nahm laut den wortkargen Mitteilungen von Koum keinen Schaden: 500 Millionen Nutzer im April, 600 Millionen im August, 700 Millionen im Januar. Das ist nicht ungewöhnlich. Schon in den ersten Jahren schreckten die regelmässigen Warnungen vor Sicherheitslücken die Kunden nicht ab. Inzwischen setzt WhatsApp sogar eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung um.

Komplette Dominanz

Facebook hat in seinem Messenger zusätzlich über eine halbe Milliarde Nutzer. Damit ist die Übermacht des weltgrössten Online-Netzwerks im Markt der Messagingdienste komplett. In einigermassen vergleichbare Dimensionen kommen kann vielleicht gerade noch Apple mit seiner SMS-Alternative iMessage, die auf allen Geräten des Konzerns zuschaltbar ist.

Laut Facebook-Manager Marcus können WhatsApp und der Messenger ganz gut voneinander profitieren, auch ohne Nutzerdaten auszutauschen. Man tausche sich nur regelmässig über die Strategie aus. «Ausserdem ist vereinbart, dass einige neue Funktionen, die wir testen, mit der Zeit bei WhatsApp integriert werden könnten.» Das solle auch bei anstehenden Projekten zum Geldverdienen der Fall sein. (thu/sda)

Erstellt: 16.02.2015, 17:21 Uhr

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