Hintergrund

Microsoft erfindet sich neu

Weg von Office und Windows, hin zu Hardware und Services: Steve Ballmer macht offenbar Ernst mit dem Umbau des weltgrössten Softwareherstellers.

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Es war im Oktober 2012: Steve Ballmer schrieb in einem Brief an die Aktionäre von «deutlichen Veränderungen» bei Microsoft, sprich: vom Ende der Trennung zwischen Soft- und Hardware. Die Finanz- und Techwelt rieb sich die Augen: Meint der Chef des Windowskonzerns dies ernst?

Ein halbes Jahr später scheint klar: Ja, er tut es. Laut «Wall Street Journal»-Autorin Kara Swisher arbeitet Ballmer in der Tat an einem bedeutenden Umbau des Software-fixierten Konzerns hin zu einem Geräte- und Serviceunternehmen. Swisher bezieht sich dabei auf «mit der Angelegenheit vertraute Quellen», nennt aber keine Namen.

Die Neuerfindung von Microsoft wird laut dem Artikel im «Wall Street Journal»-Blog Allthingsd.com zu einigen Verschiebungen im Topmanagement führen. Unter anderem könnten Skype-Chef Tony Bates sowie Don Mattrick, Chef der Unterhaltungssparte, befördert werden.

«Dramatische Vereinfachung»

Wo es Aufsteiger gibt, gibt es Verlierer. Zufall oder nicht? Vor wenigen Tagen gab Tony Scott seinen Abschied bekannt. Der Chief Information Officer arbeitete seit 2008 für Microsoft. Das Unternehmen bestätigte am Samstag entsprechende Informationen von Geekwire.com: Scott habe sich entschlossen, Microsoft zu verlassen, «um sich auf persönliche Projekte zu fokussieren». Ein Zusammenhang mit Ballmers Umbauplänen kann nicht ausgeschlossen werden, zumal Jim Dubois, ein hochrangiger Produktmanager, interimistisch Scotts Nachfolge angetreten hat.

Microsoft kommentierte den Artikel nicht. Firmenkenner und Autor Paul Thurrott jedoch will ähnliche Informationen wie Swisher erhalten haben. Egal, wer künftig welche Rollen im Konzern übernehmen werde – die Managementorganisation des Unternehmens stehe vor einer «dramatischen Vereinfachung», heisst es in Thurrotts Blog.

Eichenwald bekommt recht

Eine Veränderung, die überfällig ist: Im Sommer 2012 sorgte Kurt Eichenwald mit einem Artikel in der «Vanity Fair» für Aufregung: Die Hauptkritik des ehemaligen «New York Times»-Journalisten richtete sich gegen die Führungsstruktur von Microsoft, welche am sogenannten Stack Ranking festhalte.

Dieses Managementsystem zwinge jedes Team, einen festen Prozentsatz der Mitarbeiter als top, gut, durchschnittlich und schlecht zu bewerten. Dies habe dazu geführt, dass zum Beispiel in einer zehnköpfigen Abteilung zwei Angestellte immer eine sehr gute, sieben eine mittelmässige und einer eine ganz schlechte Bewertung erhalten haben.

Anstatt eine gesunde Konkurrenz zwischen dem Team und der Konkurrenz zuzulassen, «wurde nur eine interne Konkurrenz zwischen den Mitarbeitern kreiert», so Eichenwald, der auch die totale Fixierung auf Windows kritisierte. (rek)

Erstellt: 04.06.2013, 12:35 Uhr

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