Microsoft will Kachel-Hasser umstimmen

Windows 9 soll die Scharte seines Vorgängers auswetzen. Wann das Systemupdate erwartet wird, und was es sonst noch bringt.

Will Windows wieder auf die Erfolgsspur bringen: Der neue Microsoft-CEO Satya Nadella. Foto: Eric Risberg (Keystone)

Will Windows wieder auf die Erfolgsspur bringen: Der neue Microsoft-CEO Satya Nadella. Foto: Eric Risberg (Keystone)

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Microsoft ist mutigen Schrittes in eine Sackgasse marschiert: Das ist das Fazit nach fast zwei Jahren Windows 8. Das Betriebssystem hat laut den Erhebungen von Net Applications gerade mal einen halb so grossen Marktanteil wie XP. Und das, obwohl jener Dinosaurier im April dieses Jahres aus dem Verkehr gezogen wurde und keine Sicherheitsupdates mehr erhält. Ein beachtlicher Teil der Privatanwender scheint Windows 8 rundweg abzulehnen. Viele Unternehmen scheuen den Schulungsaufwand für die Angestellten und bleiben darum lieber bei der vertrauten Umgebung von Windows 7.

Nun soll es «Threshold» richten. Unter diesem Codenamen wird der Nachfolger entwickelt, der im Frühling 2015 mutmasslich als Windows 9 auf den Markt kommen soll. Er trägt dem grössten Kritikpunkt Rechnung und macht Schluss mit dem einheitlichen Bedienkonzept für die unterschiedlichen Hardware­typen: Wird das System auf einem Büro-PC oder auf einem Laptop ausgeführt, dann rückt der Desktop mit den klassischen Fenster-Programmen ins Zentrum. Auf einem Tablet erscheint die Kachel-Umgebung mit den Vollbild-Apps. Und bei Geräten, die sowohl als Tablet als auch als Laptop benutzt werden können, passt sich das System der Nutzungsweise an. Ob Kacheln oder Desktop hängt beim Surface oder beim Yoga von Lenovo davon ab, ob eine Tastatur angeschlossen ist oder nicht.

Die Widerstände brechen

Die Widerstände bei den Windows-8-Verweigerern zu brechen – das dürfte die Vorgabe für «Threshold» sein. Das Update lässt im Desktop-Modus das Startmenü wieder auferstehen und beerdigt andererseits die viel geschmähte Charms-Leiste. Eine grundsätzliche ­Abkehr vom eingeschlagenen Kurs ist «Threshold» jedoch nicht. Wie das aus der Versenkung geholte Startmenü genau aussehen wird, ist zwar noch nicht bekannt. Die Anzeichen deuten aber darauf hin, dass es die Live-Tiles der Windows-8-Startseite auf die eine oder andere Art integrieren wird. Es gibt auch die Vermutung, dass die dynamischen, Echtzeitinformationen anzeigenden ­Kacheln in der Taskleiste Einzug halten könnten.

Auch wenn sich die Systeme je nach Bildschirmgrösse und Bedienprinzip ausdifferenzieren, gibt Microsoft das Prinzip des universellen Systems für alle Geräteklassen nicht auf. Im Gegenteil: Unter der Haube soll es nur noch einen Systemkern geben. Das Telefonbetriebssystem Windows Phone und Windows RT werden mit «Threshold» zusammengeführt und erhalten einen gemeinsamen Appstore. RT ist die Windows-Variante für leichtgewichtige Tablets, die keine Fensterprogramme ausführt. «Ein Kern, aber viele SKUs», bringt Microsoft-Expertin Mary Jo Foley die Zukunft auf den Punkt – wobei SKU für «Stock Keeping Unit» steht, also für die verkaufsfertige Produktvariante.

Eine Assistentin für Windows

«Threshold» erhält ausserdem eine digitale Assistentin namens Cortana. Sie wurde mit Windows Phone 8.1 eingeführt und interagiert dort per Sprache mit dem Benutzer. Ähnlich wie Apples Siri und Google Now kann Cortana Termine im Kalender erstellen, Suchanfragen ausführen und Fragen nach dem Wetter oder der Verkehrssituation ­beantworten.

Eine weitere, längst überfällige Neuerung wird auch der virtuelle Desktop sein. Diese Funktion kennt man von OS X und von vielen Linux-Distributionen. Sie ist bei Power-Usern beliebt, da sie es ermöglicht, zwischen mehreren Fensteranordnungen zu wechseln.

«Threshold» – eine Charme-Offensive, die das Debakel um Windows 8 vergessen machen soll. Dazu passt, dass das Update für Benutzer von Windows 8.1, allenfalls auch von Windows 7, kostenlos sein wird.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.08.2014, 06:35 Uhr

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