So trickst man die IT-Vorgaben am Firmen-Computer aus

Installationssperre, aufgezwungene Hintergrundbilder und geblockte Websites? Tipps für mehr persönliche Freiheit am Arbeitsplatz.

Der IT-Administrator eines Unternehmens kann bei praktisch jeder Option den Standardwert festlegen und bestimmen, ob der Nutzer etwas ändern darf. Foto: Getty Images

Der IT-Administrator eines Unternehmens kann bei praktisch jeder Option den Standardwert festlegen und bestimmen, ob der Nutzer etwas ändern darf. Foto: Getty Images

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Auf meinem Büropult herrscht ein kreatives Chaos. Denn offenbar scheint es den Fluss meiner Gedanken zu hemmen, wenn ich eine leere Tischplatte anstarren muss. Doch erstaunlicherweise erstreckt sich diese Neigung fürs Durcheinander nicht auf die digitale Welt. Denn mit meinem Computerdesktop verhält es sich genau umgekehrt.

Dort auf dem Bildschirm vertrage ich keine Ablenkung. Den Desktop als Dateiablage zu verwenden, geht in meiner Welt gar nicht. Offen herumliegende Icons sind mir ein Gräuel – noch schlimmer als eine Milchpackung, die nach dem Einschenken nicht wieder in den Kühlschrank gestellt wird.

Aber das ist erst der Anfang. Ein unpassendes Hintergrundbild empfinde ich als persönlichen Affront. Genauso wie jene schrille Tapete meiner ersten eigenen Wohnung, die noch aus den 70er-Jahren stammte. Diese wilden Blumenmuster in Braun-Orange lösten Augenflimmern aus und raubten mir gleichzeitig jeden Lebenswillen.

Was hat dieser Mann auf meinem Bildschirm verloren?

Darum war ich ziemlich entgeistert, als ich am vergangenen Montagmorgen meinen Büro-PC aufgestartet habe. Auf dem Desktop prangte ein brandneues Hintergrundbild. Zum Glück ohne die Wanddekoration einer seit fünfzig Jahren nicht mehr renovierten Einzimmerwohnung. Dafür aber mit dem Foto eines Hipsters, der an seinem Smartphone herumdrückt. Darüber stehen in riesiger Schrift und allen drei Landessprachen die Kontaktadressen des IT-Helpdesks.

Als Verfechter des puritanischen Computerarbeitsplatzes fühlte ich mich davon unangenehm berührt. Was will der Handymann mir sagen? Die Angabe der Helpdesk-Nummer empfinde ich ebenso als reichlich überflüssig. Die hatte ich schon längstens im Adressbuch erfasst. So habe ich sie nämlich auch dann zur Verfügung, sollte der Bildschirm einmal kaputt sein.

Wenn der Administrator die Personalisierung nicht mag

Um mich an meinem digitalen Arbeitsplatz wieder etwas mehr zu Hause zu fühlen, habe ich die Einstellungen von Windows 10 geöffnet, um bei «Personalisierung» und der Rubrik «Hintergrund» ein anderes Bild zu wählen. Doch o weh: Dort lässt sich nichts verändern. «Einige Einstellungen werden von Ihrer Organisation verwaltet», beschied mir Windows dort.

In Windows gibt es nämlich die sogenannte Gruppenrichtlinie. Mit ihr kann der IT-Administrator eines Unternehmens bei praktisch jeder Option den Standardwert festlegen und bestimmen, ob der Nutzer etwas ändern darf. Unser Administrator hat offensichtlich die Option zum Ändern des Hintergrundbildes abgedreht.

Muss man das hinnehmen? Bei früheren Windows-Versionen hätte man im Windows-Ordner nach der Datei fürs Hintergrundbild suchen und dieses austauschen können. Doch heute blockiert Windows solche Zugriffe auf die Systemordner. Trotzdem gibt es auch für Nichthacker eine Hintertür: In den Einstellungen bei «Erleichterte Bedienung» in der Rubrik «Anzeige» (bei älteren Varianten von Windows 10 «Weitere Optionen») schaltet man «Windows-Hintergrund anzeigen» ab. Dann hat man zwar kein eigenes Bild, sondern einen neutralen, einfarbigen Desktop. Aber immerhin bleibt man vom Anblick des Handymanns verschont.

Und damit die diversen Icons verschwinden, die der Administrator auf dem Desktop deponiert hat, klicke ich mit der rechten Maustaste auf den Hintergrund und schalte im Kontextmenü bei «Ansicht» die Option «Desktopsymbole anzeigen» ab.

Ein Jekami wäre ein zu grosses Risiko

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es ist sinnvoll, dass die IT-Administratoren in Unternehmen die Möglichkeiten der Nutzer einschränken. Das ist unerlässlich für die Computersicherheit: Denn während unvorsichtige Heimanwender nur ihre eigenen Daten gefährden, können gedankenlose Nutzer die digitale Infrastruktur des ganzen Unternehmens aufs Spiel setzen. Studien zeigen immer wieder, dass die Anwender das grösste digitale Risiko sind: grösser noch als die Bedrohung, die von Hackern, veralteter Technik oder Datendieben ausgeht.

Auf der anderen Seite ist der Grat zur Bevormundung schmal. Zu starke Limiten können die Motivation beeinträchtigen. Es wirkt auf die meisten von uns beflügelnd, wenn wir uns nicht über Gebühr eingeschränkt fühlen. Und das ist durchaus ein Ansporn, solche Privilegien nicht zu missbrauchen.

Erstellt: 25.09.2019, 12:02 Uhr

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Installationssperren
Typischerweise darf in einem Unternehmen nur der IT-Administrator Programme installieren. Denn klar: Programme aus ungeprüften Quellen stellen ein ­enormes Sicherheitsrisiko dar. Doch es gibt mehrere Auswege, wenn einem am Büro-PC eine wichtige Anwendung fehlt. Der Microsoft Store ist meist nicht gesperrt, da der Store eine ­deutlich höhere Sicherheit bietet als das freie Web. Die Portable Apps sind angepasste Versionen, die ohne Installation laufen und daher selbst mit eingeschränkten Nutzerrechten ausführbar ­­sind. Dem IT-Administrator sind sie trotzdem ein Dorn im Auge.
Darum weichen Sie auf Web-Apps aus: Das sind Anwendungen, die im Browser ausgeführt werden und keine Installation brauchen.
Mit denen ist sehr viel möglich: ob Office (von Microsoft oder Google), die Bildbearbeitung Polarr oder der PDF-Editor PDF Bob (hier besprochen).

Das grösste Problem an diesem Weg: Es ist schwierig, gute ­Web-Apps zu finden. Die beste Anlaufstelle ist Alternativeto.net. Geben Sie dort die App an, die Ihnen nicht zur Verfügung steht, und grenzen Sie die Resultate nach «Web/Online» ein.

Geblockte Websites
Viele Unternehmen blockieren Websites, manchmal auch breit nach allen Kategorien, die ­potenziell vom Arbeiten ablenken könnten. Da kann es auch ­passieren, dass eine Website nicht erreichbar ist, die für die eigent­liche Arbeit hilfreich wäre.
In so einem Fall sollte man den Administrator bitten, die Sperre aufzuheben. Der einfachere und schnellere Weg ist natürlich, das eigene Smartphone zu ­verwenden.

Die Geheimkräfte des Browsers
Immer mehr Aufgaben erledigen wir im Browser – und das hilft am Arbeitsplatz. Den Browser dürfen wir (meistens) nach unserem Gusto konfigurieren. Es ist ­möglich, die Synchronisation einzurichten und Lesezeichen, Chronik und Passwörter mit privaten Geräten zu teilen.
Wenn der Administrator Erweiterungen zulässt, dann helfen diese dabei, so zu arbeiten, wie man möchte: Es gibt Erweiterungen für fast alles: Notizen, To-do-Listen, Erinnerungen oder die Zeiterfassung. (schü)

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