Uralt-Programme, die noch immer grossartig sind

Es gibt Programme, die mehr als 20 Jahre auf dem Buckel haben – und die trotzdem noch jeden Tag im Einsatz sind. Wir stellen unsere Favoriten vor.

Manche Programme halten jahrzehntelang (wenn sie mit Updates versorgt werden).
Video: Matthias Schüssler

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Die Optik ist angestaubt, die Nutzerführung schon seit einem Jahrzehnt nicht mehr auf dem neuesten Stand und die Funktionsweise antiquiert. Und trotzdem gibt es Programme, die einfach dazugehören – obwohl es modernere, schönere und benutzerfreundlichere Apps gäbe.

Ich habe letzte Woche eine Umfrage auf Twitter und Facebook gestartet: «Gibt es ein Programm, das ihr schon mehr als zwanzig Jahre lang nutzt?»

Die Resonanz war beeindruckend: Es gab mehr als hundert Wortmeldungen mit einer bunten Palette an Nominationen – grob aus drei Bereichen:

1) Die Klassiker aus der Shareware-Szene. Das sind die Programme, die heute noch fast so aussehen wie damals – und die nach wie vor von sehr kleinen Entwicklerstudios oder von Einzelpersonen betreut werden. Im Video stellen wir drei dieser Klassiker vor – die selbstverständlich kontinuierlich aktualisiert werden und darum nach wie vor sicher und kompatibel zu den aktuellen Betriebssystemen sind:

Erstens Total Commander von Christian Ghisler (hier detailliert beschrieben), zum ersten Mal 1993 erschienen. Dieses Dateiverwaltungsprogramm geht direkt auf ein zu DOS-Zeiten sehr beliebtes Programm zurück, nämlich Norton Commander (1986).

Zweitens 7-Zip von Igor Pavlov (hier ausführlich vorgestellt): Dieses Programm ist mit seinen zwanzig Jahren vergleichsweise jung. Doch es ist schlicht unverzichtbar – und darum unbedingt eine Empfehlung wert.

Da kommt Photoshop niemals mit

Und drittens Irfan View (hier mit vielen Tricks besprochen) von 1996: Dieser schnelle Bildbetrachter kennt auch die exotischen Grafikformate und hat so viele Funktionen, dass er in vielen Fällen den Start eines Bildbearbeitungsprogramms überflüssig macht.

Es gibt in dieser Kategorie noch viele andere Programme, die man erwähnen muss: natürlich den Browser Firefox und das Mailprogramm Thunderbird. Beide sind zwar noch nicht zwanzig Jahre alt, sondern 17 und 16. Aber sie stammen vom legendären Netscape Navigator ab, der vielen von uns die ersten Gehversuche im World Wide Web überhaupt ermöglicht hat.

Wichtig auch der Bildbetrachter ACDSee (1994), das Multimedia-Programm VLC (1996, hier in einem Video vorgeführt), der Bildbearbeitungsklassiker Paint Shop Pro (1990, heute Corel), der Mac-Texteditor BBEdit (1992), der Musikplayer WinAmp (1997) und ganz knapp auch noch das Audio-Bearbeitungsprogramm Audacity aus dem Jahr 2000 (hier vorgestellt).

Die Nennung Stony Brook Modula-2 Compiler dürfte die mit der Schweizer Softwareszene vertrauten Leute freuen: Dieses Softwareentwicklungswerkzeug geht nämlich auf die 1978 von ETH-Legende Niklaus Wirth entwickelte Programmiersprache Modula-2 zurück.

2) Die grossen, kommerziellen Softwareprodukte. Hier finden sich Microsoft Office mit Word, Excel und Outlook, die es seit Ende der 1980er-Jahre gibt und deren Vorläufer mit dem IBM-PC gross geworden sind. Auch das bekannteste aller Bildbearbeitungsprograme, Photoshop, ist fast so alt: 1990 kam es auf den Markt.

Noch älter ist Filemaker. Mit diesem 1985 erstmals veröffentlichten Programm entwickelt man eigene Datenbanken. Es zeichnet sich seit jeher durch eine einfache Benutzung und flexible Bedienung aus. Und die Wurzeln reichen noch weiter zurück; bis zum DOS-Programm Nutshell von 1982.

Programme mit bewegter Geschichte

Auch das bekannteste alternative Office-Paket hat einen langen Stammbaum: Open Office und die Abspaltung Libre Office sind eine Weiterentwicklung von Star Office. Der Kern dieses Office-Pakets war das Textverarbeitungsprogramm Star Writer, das vom norddeutschen Entwickler Marco Börries Mitte der 1980er-Jahre geschrieben wurde. Es wurde ursprünglich kommerziell vertrieben und ist heute Open Source.

Die Hersteller haben diese Programme kontinuierlich weiterentwickelt und auf den neuesten Stand gebracht. Man merkt ihnen ihre bewegte Vergangenheit höchstens noch indirekt an. Das deutlichste Anzeichen ist der riesige, über die Jahre gewachsene Funktionsumfang. Heute würde man auf überschaubarere, flinkere Apps setzen.

Die Optik erfüllt die heutigen Erwartungen: Microsoft Office hat 2007 eine neue Oberfläche bekommen. Mit dem Menüband (Ribbon) hat Microsoft seine Büroprogramme auch tauglich für den Touchscreen und mobile Geräte gemacht.

Weitere Vertreter in dieser Kategorie: Das Musikprogramm Cubase (1989), der PDF-Editor Adobe Acrobat (1993), Visio von Microsoft, ein Programm für Geschäftsgrafiken von 1992 und die 3-D-Grafiksoftware Cinema 4D (1990). Und bei der Umfrage erwähnt wurden auch mit Windows gelieferte Programme, namentlich die Eingabeaufforderung (1985), MS Paint (1985) und natürlich der Windows Explorer (1995).

3) Die Evergreens aus der Linux- und Unix-Welt. Schliesslich gibt es auch abseits von Windows und Mac einige heiss geliebte Veteranen, zum Beispiel Bash, die Benutzerschnittstelle vieler Linux-Systeme (1989), das Textsatzsystem Latex (1984), das es heute für alle Plattformen gibt, der Terminal-Emulator Xterm (1984), die Texteditoren Vim (1991), Nedit (1992), vi (1976) und Emacs (1976) und die Mailprogramme Mutt (1995) und Gnus (1994) sowie das Netzwerk-Programm Nmap (1997).

Erstellt: 26.08.2019, 16:22 Uhr

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Die neue Folge wird jeweils am Montagnachmittag, etwa um 16 Uhr veröffentlicht.

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