Hintergrund

Von wegen mini

Am 23. Oktober zeigt Apple ein neues Produkt. Fünf Gründe, warum Apple nicht um das Mini-iPad herumkommt – und welches Risiko der Konzern dabei eingeht.

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Im August wurde bekannt, dass bei Apple das kleinere iPad schon vor einem Jahr ein Thema war (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete): Während des Patentprozesses mit Samsung wurde ein entsprechendes Mail publiziert, aus welchem ersichtlich wird, wie beeindruckt Apple-Manager und iTunes-Chef Eddy Cue von Samsungs Galaxy Tab war. Cue plädierte für die Entwicklung eines ähnlich grossen Geräts und schrieb, auch Steve Jobs (der kleine Tablets einst als Totgeburt bezeichnet hatte) sei jetzt für eine verkleinerte iPad-Version «empfänglich».

Zwei Monate später zweifelt niemand mehr daran: Das Schrumpf-Tab von Apple steht in den Startlöchern. Vor kurzem berichteten das «Wall Street Journal»-Blog Allthingsd.com und die Nachrichtenagentur Reuters, dass Apfelkonzern das neue iPad am 23. Oktober vorstellt. Jetzt hat Apple Einladungen zu einem Event an eben diesem Datum verschickt. «Wir haben Ihnen noch ein wenig mehr zu zeigen», heisst es auf dem Hinweis, der mit einem Apple-Logo mit Farbtupfern geschmückt ist.

Die Angst vor der Kannibalisierung

Wie könnte die Hardware aussehen? Analyst Brian White von Topeka Capital Markets hat laut eigenen Angaben über 20 asiatische Hersteller getroffen, welche diverses Mini-Zubehör fertigen, einige der Produzenten sollen ihm sogar bereits Prototypen gezeigt haben.

«Das 7,85-Zoll-iPad mini passte wie ein Handschuh. Es hatte locker Platz in der Manteltasche», so White gegenüber verschiedenen US-Medien. Apple habe beim Design «keineswegs geknausert» («did not skimp on the aesthetics»). Seiner Ansicht nach habe das iPad mini das Potenzial, das neue iPad – also die dritte Tablet-Generation – in den Schatten zu stellen.

Genau dieser Punkt dürfte den Managern in Cupertino Bauchweh bereiten: Was, wenn Apple mit der Aufgabe der bei allen bisherigen iPads beibehaltenen Displaygrösse von 9,7 Zoll (24,6 Zentimeter) den eigenen Erfolg kannibalisiert, die Konsumenten also sich vom «normalen» iPad verabschieden? Firmenchef Tim Cook und seine Mitstreiter haben gute Gründe, dieses Risiko auf sich zu nehmen.

1. Das Erfolgsmodell Android

Apple macht seine eigenen Regeln – darauf haben wir an dieser Stelle vor der Lancierung des iPhone 5 hingewiesen. Das heisst: Der Erfolg des Apfelkonzerns liegt eben auch darin begründet, sich dem blossen Wettrennen um technische Funktionen zu verweigern. Ein starres Festhalten an Bisherigem gefährdet jedoch den Erfolg von morgen. In den USA sinkt der Marktanteil des iPad im Tabletsegment rasch – von 81 Prozent 2011 auf aktuell noch 52 Prozent. Android-Tablets von Samsung (Galaxy), Google (Nexus 7), Amazon (Kindle-Reihe) und Co. machen bereits fast die Hälfte aller Tablet-Verkäufe in Übersee aus (siehe Bildstrecke). Diese Geräte sind mit einer Displaydiagonalen ab 7 Zoll kleiner und darum auch viel günstiger als das 9,7-Zoll-Tablet iPad. Selbst die Maxi-Version des jüngsten Wurfs aus dem Hause Amazon, das Kindle Fire HD, wirkt mit seinem 8,9-Zoll-Bildschirm gegenüber der Apple-Hardware wie ein Winzling.

2. Der Preis

Kleiner heisst billiger. Darum ist die Konkurrenz bei der Preisstrategie Apple für einmal voraus. Das Kindle Fire HD etwa ist bereits für 249 Franken zu haben, Googles erstes Tablet Nexus 7 für 279 Franken – 250 Franken billiger als die günstigste Variante der aktuellsten iPad-Version. Apple-Kenner John Gruber, der den bekannten Tech-Blog Daring Fireball unterhält, geht deshalb davon aus, dass zumindest die Billigvariante eines kleineren iPad für 200 Dollar zu haben sein wird. Ein deutscher Blogger und ehemaliger Media-Markt-Mitarbeiter, der angeblich echte Screenshots einer internen Media-Markt-Preisliste publiziert hat, spricht von vier Mini-Versionen (8, 16, 32 und 64 GB) mit einer Preisspanne zwischen 249 und 649 Euro.

3. Der chinesische Markt

Klein und nicht allzu teuer – laut Brian White liegt darin der Erfolg des auch als Mini-Tablet interpretierbaren XXL-Smartphones Galaxy Note 2 in China begründet. Gleichzeitig sind die Einwohner des Reichs der Mitte verrückt nach dem iPhone. Selbst wenn der zahlungskräftige Westmarkt ein Small-Pad verschmähen sollte (was unwahrscheinlich ist) – für die 1,3 Milliarden Chinesinnen und Chinesen wäre das geschrumpfte Apple-Tablet «the next big thing».

4. Das Handling

Erst mit der sechsten Smartphone-Generation veränderte Apple die iPhone-Grösse. Cupertino wird es aber wohl bei 4 Zoll belassen. Apple argumentiert, so liesse sich das Handy weiterhin mit einer Hand bedienen. Ein kleineres iPad wird in jedem Fall leichter als jede der bisherigen Versionen von Apple, und damit handlicher. Eine Entwicklung, die besonders Kunden, welche das satte 652 Gramm schwere iPad als E-Reader nutzen, ganz besonders schätzen würden. Apple ist sich dieses Vorteils natürlich bewusst: Laut dem Techportal The Next Web möchte das Unternehmen das Mini-Tablet primär als Lesegerät vermarkten.

5. Das Klumpenrisiko iPhone

Unter Jobs-Nachfolger Tim Cook hat sich der «Apfel» zum wertvollsten Konzern der Welt entwickelt und sitzt auf Bargeldreserven von 100 Milliarden Dollar. Und doch hat Apple ein Problem. Drei Viertel des Gewinns werden mit dem iPhone generiert. Mit anderen Worten: Das Smartphone stellt ein Klumpenrisiko dar. Ein Luxusproblem? Vielleicht. Aber niemand weiss mit Sicherheit, ob das iPhone auch weiterhin ein Selbstläufer bleibt. Zur Erinnerung: Im dritten Quartal 2012 gingen 26 Millionen dieser Smartphones über den Ladentisch, zu Spitzenzeiten setzte Apple innert dreier Monate 37 Millionen iPhones ab. Auch das Apple-Papier ist kein Überflieger mehr: Der derzeitige Aktienkurs von 638 Dollar ist weit vom All-Time-High (702,1 Dollar) entfernt.

Erstellt: 17.10.2012, 08:36 Uhr

So viel kostet Surface

Wie Microsoft am Dienstag mitteilte, soll sein Tablet Surface in den USA in einer Version zum Preis von 499 Dollar in den Handel kommen. Genauso viel kostet das aktuelle iPad.

Allerdings soll es bei Microsoft mit 32 Gigabyte doppelt so viel Speicherkapazität wie beim Vergleichsmodell des Konkurrenten geben. Für 699 Dollar erhalten Käufer eine Version mit 64 Gigabyte.

Das Tablet kommt am 26. Oktober unter anderem auch in Deutschland, Frankreich und Grossbritannien auf den Markt.Die Schweiz wird nicht erwähnt.

Microsoft will mit Surface im Weihnachtsgeschäft punkten. Nach Angaben des US-Verbands für Konsumelektronik rechnet die Branche damit, dass die Konsumenten in den USA elf Prozent mehr Geld in der Weihnachtszeit ausgeben als noch im Vorjahr. (AFP/DAPD)

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