Warum Sie das neue iPad nicht brauchen

Für Apple ist der iPad-2-Nachfolger einfach «amazing». Wir aber finden: Die Verbesserungen lohnen den Umstieg vom iPad 2 auf das neue Tablet derzeit nicht – und nennen die vier Gründe.

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«Amazing» (erstaunlich) war am Mittwoch das wohl meist verwendete Adjektiv, mit dem Jobs-Nachfolger Tim Cook und Marketingchef Phil Schiller Apples neuen Tablet-Computer geschmückt haben. Doch wenn man genauer hinschaut, ist das Produkt alles andere als überwältigend.

1. LTE

Derzeit rüstet die Swisscom bis Mitte 2014 6000 Handyantennen mit neuer Hard- und Software für die neue Mobilfunkgeneration auf, die sich LTE (Long Term Evolution) nennt und dereinst die jetzige Technik UMTS (auch 3G genannt) ablöst. Das neue iPad ist LTE-fähig – das ist erst mal ein grosses Technikplus – aber nur in den USA. Der im iPad eingebaute schnelle Datenfunk funktioniert weder in der Schweiz, noch in den Nachbarländern Österreich und Deutschland.

Kommt hinzu, dass die Schweiz sowieso eine «LTE-Wüste» ist: «Bis LTE in der Schweiz flächendeckend eingeführt sein wird, wird es wohl noch Jahre dauern. Im besten Fall bieten Swisscom und Co. LTE gegen Ende 2012 in grösseren Agglomerationen und Städten an», sagt Telekomexperte Ralf Beyeler von Comparis.ch.

Wer schon jetzt LTE ausprobieren will, muss dies in den von der Swisscom ausgesuchten Tourismusorten und einigen Swisscom-Shops tun, wo LTE getestet wird (mehr Infos gibt es hier).

Und ganz nebenbei: Kennen Sie jemanden, der findet, das iPad 2 sei langsam?

2. Der Preis

Der grösste Vorteil des iPad-2-Nachfolgers ist das sogenannte Retina-Display mit einer im Vergleich zum iPad 2 viermal grösseren Pixelanzahl. 3,1 Millionen Pixel – das sind eine Million Pixel mehr als bei HD-TV. Das hat allerdings seinen Preis. Das billigste Modell (16 GB, nur WLAN) kostet 529 Franken, das teuerste iPad mit 64-GB-Speicher ist für 859 Franken zu haben. Gleichzeitig fährt Cupertino die Preise für das iPad 2 herunter, es kostet jetzt im Apple Shop zwischen 429 und 559 Franken. Wenn, dann lohnt sich derzeit also eher ein Kauf der zweiten Tablet-Generation – auch darum, weil der Speicherplatz des neuen iPads nicht erhöht wird.

3. Das Gewicht

Dünner und leichter – der Sprung vom iPad zum iPad 2 im Jahr 2011 war gross. Der Nachfolger des iPad 2 hat nun aber wieder zugelegt: Es ist ganz wenig dicker (plus 0,6 Millimeter) und etwas schwerer (je nach Ausstattung wiegt es 652 bis 662 Gramm. Das iPad 2 bringt 601 bis 613 Gramm auf die Waage). Da mutet es doch etwas seltsam an, wenn Apple in der Pressemitteilung schreibt, das Tablet bleibe «erstaunlich dünn und leicht». In einigen Kommentarspalten kriegt Cook darum denn auch sein Fett weg: «Ich wette, der selige Steve hätte das Letzte aus seinen Leuten rausgeholt, damit es zumindest eine Spur leichter und dünner wird. Damit er dann mit seiner beschwörenden Stimme hätte sagen können: ‹And it's even thinner...›», schreibt etwa Leser Georg Scholz auf «Derstandard.at». «Jobs hätte absolut alles getan, um diese Argumente nicht einfach herzuschenken. Das war eines der Erfolgsgeheimnisse von Apple und geht unter den jetzigen Technokraten offenbar verloren», schreibt ein anderer Kommentator.

4. Das Versprechen

«Im Laufe des Jahres werden Sie noch viel mehr sehen. Wir sind gerade erst dabei anzufangen», sagte Tim Cook nach der iPad-Vorstellung am Mittwoch. Diese Worte hallen noch lange nach. Branchenkenner gehen davon aus, dass spätestens im Herbst der iPhone-4S-Nachfolger gezeigt wird. Das derzeit aktuellste Apple-Smartphone verkauft sich zwar sehr gut, bietet aber im Vergleich zum iPhone 4 – vielleicht mit Ausnahme von Siri – keine bahnbrechenden Neuerungen. Das iPhone 5 hingegen wird, davon kann man ausgehen, ein neues Nutzererlebnis bieten (grösserer Bildschirm? Bruchsicheres Glas? A6-Prozessor?). Also: Wenn Sie dieses Jahr unbedingt noch Geld für ein neues Apfelgadget locker machen wollen, warten Sie auf das neue Smartphone im Herbst.

Erstellt: 08.03.2012, 11:51 Uhr

Die besten Datenabos für das iPad

Wer die iPad-Vorzüge zum mobilen Surfen nutzen will, benötigt ein Daten-Abo eines Mobilfunkanbieters. Comparis.ch hat die günstigsten Angebote von Orange, Sunrise und Swisscom verglichen. Das Resultat:

  • Das zurzeit günstigste Angebot ist bei Orange erhältlich: Für 15 Franken kann man 1 GB Daten pro Monat übertragen. Das günstigste Angebot von Sunrise ist gleich teuer wie das Orange-Angebot, umfasst mit 500 MB aber nur halb so viel Datenvolumen.

  • Ebenfalls 500 MB Datenvolumen stehen beim günstigsten Swisscom-Abo zur Verfügung. Dieses Abo kostet 4 Franken mehr als die Angebote von Orange und Sunrise.

Dass Sunrise und Swisscom deutlich weniger Datenvolumen als Orange bieten, erachtet Ralf Beyeler, Telecom-Experte von Comparis.ch, nicht als Nachteil: «Wer nicht intensiv Multimedia-Dateien wie Videos per Handy-Netz überträgt, kommt in der Regel mit 500 MB pro Monat aus.»

Grosser Nachteil des günstigen Orange-Angebots: Beim Vertrag handelt es sich um einen sogenannten Rollover-Vertrag. Das heisst, die Mindestvertragslaufzeit beträgt ein Jahr, anschliessend verlängert sich der Vertrag automatisch um ein Jahr. «Kommen neue, günstigere Angebote auf den Markt, kann man mit einem Rollover-Vertrag nicht sofort wechseln», erklärt Beyeler. Will man keinen Rollover-Vertrag bei Orange, verteuert sich das Abo um 5 Franken pro Monat bei einer Mindestlaufzeit von drei Monaten. Das Swisscom-Abo und das Sunrise-Angebot werden ohne Mindestvertragslaufzeit angeboten.

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