Warum die Hersteller ihre Apps zerstückeln

Ob Google, Facebook oder Foursquare – der Trend zu spezialisierten Apps macht diese einfacher und zwingt Hersteller zu einem Umdenken.

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Das Werkzeug, das alles kann: In der Welt der Apps ist so etwas nicht gefragt. Während bei physischen Werkzeugen die Alleskönner wie das Schweizer Taschenmesser beliebt sind, geht der Trend auf Smartphones und Tablets in die Gegenrichtung: Entbündelung, also das Verteilen von Funktionen auf einzelne Apps. Als eines der ersten Unternehmen begann Facebook, seine Funktionen aufzuteilen. Mit der Veröffentlichung der Messenger-App 2011 trat das Unternehmen einen Trend los. Statt wie bisher die Nachrichten an Freunde über die Standard-App laufen zu lassen, stellte Facebook dieser einen Spezialisten zur Seite. Ähnlich gestalten sich die Pläne mit Paper, das Facebook ein neues Design verleiht. Die bisher erst in den USA erhältliche App hätte sich auch in die übliche Facebook-App einbauen lassen. Stattdessen veröffentlichte sie das Unternehmen als eigenständige Variante.

Immer mehr App-Entwickler ziehen mittlerweile nach und setzen auf den Trend «Eine App pro Aufgabe». Das soziale Netzwerk Linkedin praktiziert dies zum Beispiel. Und diese Woche hat Google begonnen, seine Drive-App auseinanderzunehmen. Mit den Apps Sheets und Docs bekommen deren Einzelteile je ein eigenes Zuhause: Docs bietet Textverarbeitung, Sheets Tabellenkalkulation à la Excel. Slide für das Bearbeiten von Präsentationen soll demnächst das Trio komplettieren.

Einfacher ist erfolgreicher

Ein Beweggrund für die Entbündelung in der App-Welt ist die Chance, Software leichter verstehbar zu machen. Res Finger, Chefdesigner beim Berner Entwicklerstudio Apps with Love, hat viel Verständnis für den Trend. «Heute haben Apps, deren Bedienung nicht klar und einfach ist, keine Chance mehr am Markt.» Darum sei es wichtig, Software nicht mit unnötigen Funktionen zu überladen: «Apps sind im Idealfall selbsterklärend.»

Auf der Entbündelungswelle reitet auch das Unternehmen Foursquare, das hinter der gleichnamigen Geo-App steckt. Foursquare bot bisher zwei Kernfunktionen: zum einen das «Einchecken» an Orten, mit dem der Nutzer Freunde über seinen aktuellen Standort informieren kann. Zum anderen die Möglichkeit, interessante Orte in der Umgebung zu finden, beispielsweise Cafés. Foursquare probt nun den Schnitt in der Mitte und spendiert beiden Funktionen eine eigenständige App. Swarm soll neu dabei helfen, trendige Lokale und andere Orte in Nähe zu Orten zu finden. Den Schritt begründet das Unternehmen damit, dass die meisten Nutzer nur eine der Funktionen genutzt hätten, aber nicht beide. Das habe man aus der Nutzerpraxis erfahren.

Den Nutzer im Blick

Dass Foursquare den Schritt mit Nutzervorlieben begründet, überrascht Res Finger nicht: «Unternehmen beobachten mittels Analytics, wie ihre Apps verwendet werden, und reagieren darauf bei der Weiterentwicklung ihrer Produkte.» Apps würden vermehrt auf Kundenbedürfnisse massgeschneidert. Das gelinge am besten, wenn man das Zielpublikum in den Entwicklungsprozess einbinde.

Während in den App-Märkten einige grosse Apps zwar noch immer den Takt vorgeben, zeigt sich, dass auch kleinere Anbieter mit professionell gemachten, spezialisierten Apps Erfolge feiern können. Man kann den Trend zur Entbündelung als Gegenmassnahme dazu sehen, denn offenbar setzen nun auch immer mehr Leader im Markt bei ihren Apps auf Spezialisierung und den Wunsch, in einem Gebiet oder einer Nische das einfachste und beste Produkt zu haben. Für Nutzer bringt das eine Vereinfachung mit sich: Statt weniger «grosser» Apps mit breitem Funktionsangebot picken sie sich künftig vermehrt ihr persönliches Spezialangebot heraus.

Erstellt: 02.05.2014, 13:23 Uhr

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