Wenn der Datenschutz ausgehöhlt wird

Whatsapp teilt künftig Kundendaten mit Facebook. Es ist ein Beispiel von vielen, wie Unternehmen den Schutz der Privatsphäre aufweichen.

AGB-Änderungen sind nicht immer folgenlos: Die Logos von Facebook und WhatsApp. (Archiv)

AGB-Änderungen sind nicht immer folgenlos: Die Logos von Facebook und WhatsApp. (Archiv) Bild: Keystone

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«Unsere allgemeinen Geschäftsbedingungen haben sich geändert. Bitte akzeptieren Sie diese, um fortzufahren.» AGB-Anpassungen sind eine verdrängte Routine für Nutzer von Onlinediensten, mit dem Standard: ungelesen wegklicken, wenn auch mit schlechtem Gewissen.

Eine solche Anpassung: Facebook gab diese Woche bekannt, künftig Zugriff auf Nutzerdaten aus Whatsapp zu haben, konkret die Telefonnummer. Diese soll dem sozialen Netzwerk künftig dabei helfen, Nutzerprofile vollständiger zu machen. Das, obwohl Facebook bei der Übernahme von Whatsapp vor zwei Jahren versichert hatte, die Daten der beiden Dienste nicht zu vermischen.

Zuerst Privatsphäre versprechen, später den Datenschutz aufweichen: Solches Vorgehen ist bei Onlinediensten verbreitet. Whatsapps Gesinnungswechsel reiht sich ein in eine Serie von Beispielen, wo im Nachhinein Datenschutz-Versicherungen ausgehöhlt und AGB umgeschrieben wurden.

Facebook selbst hat in der Vergangenheit wiederholt seine Privatsphäre-Einstellungen angepasst, damit sie dem eigenen Geschäftsmodell nicht im Wege standen. An weiteren Beispielen mangelt es nicht: Spotify hat sich kürzlich grössere Freiheiten genommen, was den Umgang mit Nutzerdaten angeht. Als Google sein eigenes soziales Netzwerk Buzz lancierte, bediente sich dieses freimütig bei Nutzerdaten aus anderen Google-Diensten. So machte Buzz publik, mit wem ein Nutzer am meisten E-Mails oder Chatnachrichten austauschte. Und Instagram kündigte 2012 in einer Änderung seiner AGB an, künftig ein Verwertungsrecht für sämtliche Fotos seiner Nutzer zu haben.

Nicht immer bleiben solche Änderungen folgenlos: Instagrams AGB-Änderungen lösten so breite Nutzerproteste aus, dass das Unternehmen zurückruderte und den strittigen Passus strich. Und die Einstellung von Google-Buzz und der Ersatz durch Google+ gilt auch als Folge der massiven Kritik, die der Dienst wegen seiner Datenschutz-Nachlässigkeiten einstecken musste.

Trotzdem: Die Praxis, Nutzern kundenfeindliche Datenschutzanpassungen aufzuzwingen, bleibt beliebtes Vorgehen bei Onlinediensten. Ebenso wie die Taktik, die Änderungen in unübersichtlichen Textwüsten zu verstecken. Sich dagegen zu wehren, ist für Nutzer schwierig. Meist lassen die Dienste dem Kunden keine echte Wahl: Entweder akzeptieren oder aussteigen, heisst die Losung. Kundenfreundlich ist das nicht.

Zumindest etwas Orientierung, auf welche Privatsphäreregelungen man sich einlässt, liefert die Website Terms of Service – didn’t read. Hier werden zweifelhafte Punkte aus den AGB zahlreicher Dienste übersichtlich zusammengefasst. Allerdings: Fragwürdige Änderungen nicht einfach hinzunehmen, bleibt leider weiter Sache der Nutzer.

Erstellt: 26.08.2016, 18:52 Uhr

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