Windows ist ein Auslaufmodell

Vista wird eingestellt, Windows 7 trotz hoher Marktanteile schlechtgeredet. Schrumpft Microsofts Betriebssystem zum Nischenplayer?

Als Nächstes ist Windows 7 dran: Nach Vista wird Microsoft auch diese Version einstellen.

Als Nächstes ist Windows 7 dran: Nach Vista wird Microsoft auch diese Version einstellen. Bild: Nicky Loh/Reuters

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Windows Vista wird – wie hier berichtet – eingestellt und Microsoft hat die Lehren aus dem Debakel gezogen und das Betriebssystem für die Zukunft fit gemacht. Hätte der Konzern es im letzten Jahr den Nutzern nicht derart aggressiv aufgedrängt, wäre Windows 10 heute sogar ein echter Sympathieträger.

Was heisst das nun für die Zukunft? Sie würde ganz gut aussehen – wären da nicht zwei Probleme. Das erste ist Windows 7. Der Vista-Nachfolger wurde 2009 lanciert und war ein durchschlagender Erfolg, auch in der Geschäftswelt. Obwohl Windows 7 seit 2015 nur noch Sicherheitsaktualisierungen erhält und Microsoft keine Lizenzen mehr an die Gerätehersteller ausliefert, liegt der Marktanteil je nach Marktanalyst bei 40 bis 50 Prozent. Wie vor drei Jahren bei der Einstellung von Windows XP dominiert die älteste Version – zum Unmut des Herstellers.

Windows 7 noch bis 2020

Windows 7 wird offiziell noch bis zum 14. Januar 2020 mit Updates versorgt, doch Microsoft redet die Version inzwischen richtiggehend schlecht. In einem Blogbeitrag nennt ein Marketingmanager Windows 7 ein «Auslaufmodell», und Bereichsleiter Markus Nitschke von Microsoft Deutschland doppelt nach: «Bereits heute wird das System weder den Ansprüchen der Anwender an moderne Technologien noch den hohen Sicherheitsanforderungen von IT-Abteilungen gerecht», sagt er.

Doch Microsoft versucht sich auch an aktiver Sterbehilfe. Neue Prozessorgenerationen wie der Intel Kaby Lake oder der AMD Zen lassen sich nur mit Windows 10 verwenden. Für die weit verbreiteten Skylake-Prozessoren wollte Microsoft den Windows-7-Support drastisch verkürzen, was die Nutzer entsprechender Geräte schon im Juli 2017 zum Umstieg auf Windows 10 gezwungen hätte. Erst durch Proteste aus Benutzerkreisen hat sich Microsoft von diesem Vorhaben abbringen lassen.

Das zweite Problem ist die mangelnde Verankerung in der mobilen Welt. «Können Google und Apple dem PC-Markt den Stecker ziehen?» fragte Windows-Experte Paul Thurrott mit Blick auf die reiche Auswahl an Apps bei den Konkurrenzplattformen. Es gebe zwar noch Defizite bei den Funktionen für klassische Produktivitätsarbeit. Thurrott meint die Möglichkeiten, mit dem Betriebssystem zu interagieren und beispielsweise mehrere Apps parallel offen zu halten. Doch diese Mankos werden beseitigt werden, prophezeit er: «Android und iOS spielen die Rolle des Asteroiden, der auf die Erde zurast und die Windows-Dinosaurier ausrottet!»

Die Reue danach

In den nächsten Jahren könnte passieren, was noch vor kurzem undenkbar schien: Windows wird vom Dominator zum Nischenprodukt – und das ironischerweise, obwohl Microsoft bei der Entwicklung die Nutzerbedürfnisse viel besser im Blick hat als beim auf ganzer Linie gescheiterten Vista. Eine grosse Mitschuld trägt die Pleite von Microsofts Telefonsparte, die nach der Übernahme von Nokia 2013 zu Milliardenabschreibungen und Tausenden Entlassungen geführt hat.

Und das führt zurück zu Vista: Steve Ballmer hat bei seinem Abgang 2013 Vista als den grössten Fehler seiner Karriere bezeichnet. Ein grosser Teil des «A-Teams» sei während acht Jahren blockiert gewesen. Diese Top-Leute hätten nicht an anderen Dingen arbeiten können. «An Dingen wie Mobiltelefonen», hat Ballmer damals erklärt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.01.2017, 21:11 Uhr

Windows 10

Was die Zukunft bringt

Statt alle paar Jahre ein rundum neues Windows vorzustellen, will Microsoft künftig Windows 10 kontinuierlich verbessern. Das nächste Update ist für den Frühling geplant. Die grössten Neuerungen drehen sich um 3D und Virtual Reality. So soll es mit dem überarbeiteten Zeichenprogramm Paint einfach möglich werden, dreidimensionale Objekte zu zeichnen. Auch soll das neue Windows mit zahlreichen ebenfalls für den Frühling angekündigten Virtual-Reality-Brillen von Herstellern wie HP, Dell, Asus, Lenovo oder Acer harmonieren. Die Brillen sollen zu Preisen ab 300 Franken auf den Markt kommen.

Daneben gibt es viele kleine Verbesserungen. So lassen sich neu Start-Kacheln gruppieren, und wer will, kann den Farbton des Bildschirms nach Sonnenuntergang wärmer einstellen. Weniger blaues Licht schone die Augen. Bei Android und iOS haben sich ähnliche Funktionen bereits bewährt.

Mit «People» hat Microsoft letzten Herbst eine Methode vorgestellt, die das Messenger-Wirrwarr bündeln soll. Man wählt die gewünschte Person und Windows wählt automatisch den richtigen Kommunikationskanal. Allerdings hat «People» Verspätung und soll frühestens im Herbst fertig werden. (zei)

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