Wolkiger Milliardenmarkt

Der Aufstieg des Online-Speicherdienstes Dropbox beflügelt die Strategien der Konzerne: Google könnte sich schnell auch auf diesem Gebiet zur Marktmacht mausern. Und was macht eigentlich Microsoft?

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In einer nahen Zukunft installieren wir Programme nicht mehr fix auf unseren Computern, sondern rufen sie im Internet auf. Die Software, derer wir uns bedienen, wird auf weltweit verstreuten Servern liegen. Dokumente können so überall bearbeitet werden, egal ob auf dem Smartphone, dem Tablet oder auf dem PC – und werden stets automatisch abgeglichen. Cloud-Computing heisst das Zauberwort. Nun will nach Apple (mit der iCloud) auch Google diesen Riesenmarkt intensiver beackern.

Laut einem Bericht des «Wall Street Journal» steckt Google bei der Entwicklung seines Cloud-Speicherdienstes bereits in der Endphase. Der neue Google-Service soll schon in wenigen Wochen oder Monaten online gehen. Der Dienst mit dem schlichten Projektnamen Drive erlaubt es den Nutzern, Dokumente, Videos oder Musik auf die Google-Server zu laden und sie entweder mit anderen Usern zu teilen oder von anderen Geräten aus darauf zuzugreifen.

iCloud, Skydrive und Dropbox

Die Liste der bestehenden Cloud-Dienste ist lang, erst vergangenen Herbst stellte Apple iCloud vor, welches sämtliche Apple-Geräte synchronisieren soll («Mach hier ein Foto – und kurz darauf ist es überall»). Microsofts Variante Skydrive wird zwar erst zögerlich genutzt, dies könnte sich jedoch ändern: Gleichzeitig mit der Lancierung des neuen Betriebssystems Windows 8 soll Skydrive ein integraler Bestandteil des Systems werden und beispielsweise direkt vom Browser Internet Explorer aus anwählbar sein.

Der derzeit wohl beliebteste und bekannteste Datenspeicher ist Dropbox. 2007 von zwei MIT-Abgängern gegründet, gelang Dropbox ein kometenhafter Aufstieg. Heute nutzen mehr als 45 Millionen User den Dienst und laden täglich eine Milliarde Dateien hoch. Die Bedienung ist vergleichsweise einfach, jedem Nutzer stehen 2 Gigabyte Speicherplatz gratis zur Verfügung.

Es ist schon alles da

Google wird mit Drive also beileibe kein digitaler Erstschlag gelingen, trotzdem könnte der Suchmaschinenkonzern sich schnell auch auf diesem Gebiet zur Marktmacht mausern. Denn während die anderen Anbieter den Serverplatz ihrer Cloud-Dienste auslagern, verfügt Google über die wohl umfangreichste Cloud-Infrastruktur, die sich ein IT-Unternehmen nur wünschen kann: angefangen beim Such-Service, über die Video-Sharing-Seite Youtube bis hin zu Web-Applikationen wie Google Docs (welche den Usern erlaubt, online Dokumente zu erstellen und zu bearbeiten). Eigentlich ist alles schon vorhanden, Google braucht die Dienste nur noch zu vereinheitlichen. Seit November ist es sogar möglich, auf Google-Servern Musiksammlungen zu speichern.

Google hat diese Entwicklung bereits mit seinem Smartphone-Betriebssystem Android und Google Chrome OS befeuert. Letztgenanntes Betriebssystem basiert prinzipiell nur auf einem Webbrowser, die Programme werden von Servern aus aufgerufen.

Der Markt mit der Wolke

Die Gründe für den Hype um die Online-Datenspeicher liegen auf der Hand: Cloud-Computing wird zu einem gewinnträchtigen Geschäftsfeld. Im Jahr 2011 gaben Kunden weltweit 830 Millionen US-Dollar für die Nutzung von Cloud-Diensten aus. Laut dem Marktforschungsinstitut Gartner soll diese Zahl 2012 um 47 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar ansteigen. Zudem ist die Kundenbindung wohl stärker als bei vielen anderen Diensten. Wer seine Daten einmal eingestellt hat, wird nur im absoluten Notfall den Anbieter wechseln. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.02.2012, 14:44 Uhr

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