Bei Apples neuem System sind flinke Finger gefragt

Diese Woche erscheint iOS 11. Wir zeigen die Neuerung des iPhone- und iPad-Betriebssystems im Video.

Da runzelt der Tester die Stirn: Ist diese neue Drag-and-drop-Funktion wirklich praxistauglich?
Video: Matthias Schüssler

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iOS 11 stellt einige Dinge auf den Kopf – und sorgt für Kontroversen. Viele Nutzer und Journalisten, auch Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Redaktor Rafael Zeier (siehe hier), sagen, mit diesem Betriebssystem-Update sei es Apple gelungen, das iPad vollends zum Laptop-Ersatz zu machen. Es gibt aber auch kritische Stimmen, zum Beispiel im Video: Apple bemüht sich, auch den Ansprüchen der Profis Genüge zu tun, und verspielt dabei einen grossen Trumpf. Nämlich die nonchalante Handhabe und die im Vergleich zum PC viel einfachere Bedienung der mobilen Geräte.

Unser Video zeigt die neuen Funktionen im Umgang mit Apps und mit Dateien und legt unzweifelhaft dar, dass sich diese den Nutzern nicht von allein erschliessen. Im Gegenteil: Man muss sie kennen lernen und richtiggehend trainieren.

Der PC lässt grüssen

Denn mit der neuen Betriebssystem-Version führt Apple Drag & Drop ein, auch bekannt als «Ziehen und Ablegen». Das ist die klassische Methode, um per Maus am Windows-PC oder Mac Dateien zu verschieben oder zu kopieren, oder auch Textteile oder Bildausschnitte von A nach B zu verfrachten.

Am Tablet steht Drag & Drop zum einen für Apps zur Verfügung. Die Technik ermöglicht es, zwei Apps nebeneinander zu platzieren, indem ein Icon aus dem Dock, aus der Suche oder aus dem Homescreen an den rechten Bildschirmrand gezogen wird. Das braucht Fingerspitzengefühl, und wie Sie genau vorgehen müssen, zeigt das Video eindrücklicher, als es eine Erklärung in Textform vermitteln könnte.

Einleuchtender als der «Teilen»-Knopf

Drag & Drop funktioniert auch für Bilder, Dateien wie PDFs und digitale Inhalte, die zwischen Apps verschoben werden sollen. Es ist möglich, digitale Bilder aus der Fotos-App in ein neues Mail zu ziehen oder eine PDF-Datei via Dateien-App aus der iCloud nach iBooks zu verfrachten. Für den gleichen Zweck musste man bislang den «Teilen»-Knopf verwenden. Den gibt es, zusammen mit den «Share Sheets» zwar auch weiterhin. Doch das Drag&Drop verspricht eine universellere Anwendbarkeit, speziell für professionelle Anforderungen. Und wahrscheinlich ist es für recht viele Anwender einleuchtender, Dinge per Finger an ihren Bestimmungsort zu ziehen, als sie mithilfe eines unübersichtlichen Dialogs weiterzureichen.

Das neue Kontrollzentrum überzeugt optisch nicht alle, funktionell ist es aber ein gelungener Wurf.

Doch nicht alle Neuerungen von iOS 11 werden so kontrovers diskutiert. (Abgesehen von den einzelnen neuen Icons wie zum Beispiel dem für den App-Store, die manchen überhaupt nicht gefallen.) An die zweite grosse Neuerung, die mit iOS 11 auch beim iPhone Einzug halten wird, gewöhnt man sich schnell. Das ist die Zusammenführung von Task-Switcher und Kontrollzentrum. Der Task-Switcher wurde bisher durch doppeltes Betätigen des Home-Knopfs aktiviert und erlaubte es, die offenen Apps als Karten durchzublättern und auch einzelne Apps zu schliessen. Das Kontrollzentrum erschien durch Wischen vom unteren Rand und steuert Lautstärke, Helligkeit, WLAN, Bluetooth, Airplay und viele Dinge mehr.

Endlich: Das Kontrollzentrum ist anpassbar

Das neue Kontrollzentrum wird von unten ins Bild gewischt. Links erscheinen (beim iPad) in zwei Reihen die offenen Apps. Die Steuerelemente erscheinen am rechten Rand. Sie sind umfangreicher als bei früheren Versionen und zum ersten Mal auch individuell anpassbar.

Apple hat sich eine völlig neue Methode ausgedacht, wie zwei Apps nebeneinander gestellt werden.

Das Video zeigt auch einige weitere kleine und grosse Neuerungen:

  • Bei den Live-Fotos gibt es lustige Effekte wie den Abpraller oder die simulierte Langzeitbelichtung.
  • Beim Schreiben es jetzt möglich, Zahlen und Sonderzeichen bei der normalen Tastatur durch Wischen nach unten abzurufen.
  • Die App-Auslagerung löscht wenig gebrauchte oder sehr grosse Apps, ohne die Daten und die Konfiguration zu entfernen. Das macht es möglich, sie später erneut zu installieren und am alten Stand anknüpfen zu können. Das ist eine Lösung für das bisherige Problem, dass viele Nutzer auch sehr grosse Spiele nicht löschen können, wenn sie ihren Spielfortschritt nicht verlieren wollen.
  • Und eine neue Bedienungshilfe gibt es: die «intelligente Farbumkehrung». Sie macht helle Bereiche dunkel, aber ohne Icons oder Bilder zu invertieren. Diese weniger blendende Darstellung ist optimal für die Verwendung bei Nacht.

Apps auszulagern, schafft Platz, ohne dass man Daten oder Spiel-Erfolge riskiert.

Fazit: Man darf den Einzug von Drag & Drop als Eingeständnis werten, dass es Apple mit dem iPad nicht gelungen ist, das Tablet als eigenständige Geräteklasse gegenüber dem Smartphone und dem klassischen PC zu positionieren. Und man darf darüber spekulieren, ob Steve Jobs als Purist dieses Komplexitätslevel gutgeheissen hätte. Andererseits ist auch die Meinung legitim, dass die Neuerungen die Möglichkeiten für Profis erweitern, den weniger anspruchsvollen Anwendern aber auch nicht in die Quere kommen.

iOS 11 erscheint am Dienstag, 20. September um 19 Uhr.

Die neue Darstellungsoption, speziell für Nachteulen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.09.2017, 08:42 Uhr

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