Es braucht die Eltern, nicht die Polizei

Warum eine Cyberpolizei nicht der richtige Weg ist, jugendliche Spieler in Online-Games zu schützen.

«Minecraft»: Wo Kinder ihre eigenen Klotzwelten bauen.

«Minecraft»: Wo Kinder ihre eigenen Klotzwelten bauen. Bild: Reuters Staff/Reuters

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Wie gefährlich sind Online-Games? Müssen Eltern sie ihren Kindern verbieten, so wie es «20 Minuten» diskutiert? Braucht es gar eine Cyberpolizei? Diese Forderung hat Philippe Wampfler gestern auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet aufgestellt, nachdem bekannt geworden ist, dass Paul seinen Entführer bei «Minecraft» kennen gelernt hat.

Die Cyberpolizei würde in Spielen als Ansprechpartner fungieren und ein klares Zeichen setzen: Hier herrscht «law and order». Das Schreckgespenst wäre in die Schranken gewiesen. Das Schreckgespenst dieser Cyberwelt, wo Kinder schutzlos auf Kriminelle treffen und – so vermuten es vor allem die Nichtspieler – Anarchie herrscht.

Allerdings scheitert die Idee der Cyberpolizei schon an der Machbarkeit. Laut einer Studie spielen weltweit 1,2 Milliarden Leute Games, 44 Prozent aller Internetnutzer sind auch Onlinespieler. Das heisst nicht, dass sich alle in Games tummeln, in denen die Spieler sich miteinander unterhalten können. Trotzdem sind die Onlinespieler eine Legion, und es bräuchte ein unüberschaubares Heer von Cyberpolizisten, um Präsenz zu markieren.

Nicht kontrollierbar

Kommt hinzu, dass es bei vielen Spielen (auch bei «Minecraft») möglich ist, eigene Server zu betreiben. Spieler, die auf die Anwesenheit von Cyberpolizisten keinen Wert legen, finden Ausweichmöglichkeiten oder schaffen sich selber welche. Und dass gerade junge Spieler sich bei ihrer Lieblingsfreizeitbeschäftigung nicht unbedingt überwachen lassen wollen, liegt auf der Hand.

Natürlich, es gäbe technische Schutzmechanismen: Man kann sich vorstellen, dass Bots auffällige Spieler erkennen könnten – solche, die mehr an der Kontaktaufnahme als am Spiel selbst interessiert sind. Es ist auch vorstellbar, dass eine Kontrollinstanz Spieler wie Paul daran hindert, ihr echtes Alter und Kontaktangaben bekannt zu geben. Diese Information zu blockieren und den Spielteilnehmer über die Gefahren aufzuklären, die mit der Preisgabe verbunden sind, wäre technisch machbar.

Log-off schützt

Darüber hinaus kommen die Eltern nicht darum herum, sich für die Freizeitgewohnheiten ihrer Kinder zu interessieren. Sie sind es, die die Spielregeln aufstellen, deren Einhaltung kontrollieren und ihre Sprösslinge auf die Gefahren der Games aufmerksam machen – sodass die Kinder diese Gefahr auch verstehen. Und die Eltern müssen sich und ihre Kinder daran erinnern, dass Games gegenüber der echten Welt einen entscheidenden Vorteil haben: Man kann sich jeder Gefahr sehr einfach entziehen. Einfach, indem man auf den Knopf zum Ausloggen klickt.

Erstellt: 27.06.2016, 10:19 Uhr

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