Die gut versteckten, aber umso nützlicheren Handy-Hilfsmittel

Die Bedienungshilfen sind tief im Einstellungsmenü verborgen. Dabei können Sie die Nutzung von iPhone und Android-Telefon verbessern und vereinfachen.

Das iPhone hat, im Vergleich zu Android, bei den Bedienungshilfen die Nase weit vorn.
Video: Matthias Schüssler

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Die Bedienungshilfen sind so gut versteckt, dass ihnen nur Benutzer begegnen, die entweder sehr neugierig sind, oder genau wissen, wonach sie suchen. Beim iPhone stecken sie in den Einstellungen unter «Allgemein > Bedienungshilfen». Bei Android stecken sie nicht in einem Untermenü, aber man muss bei den Einstellungen ganz nach unten scrollen, um fündig zu werden.

Bei den Bedienungshilfen handelt es sich um eine Sammlung von Einstellungen, mit denen zum Beispiel Text leichter lesbar wird, das Gerät auf alternativem Weg gesteuert werden kann, für Filme Untertitel erscheinen. Man kann sich auch Inhalte vorlesen lassen, lästige Animationen abschalten und die Farben invertieren, wenn man die Textdarstellung Weiss auf Schwarz statt Schwarz auf Weiss als angenehmer für die Augen empfindet.

Für Behinderte? Nein, für alle

Diese Funktionen sind dazu da, technische Geräte für behinderte Nutzer zugänglich zu machen. Deswegen sollte man sie aber nicht ignorieren, wenn man keine körperliche Beeinträchtigung hat: Die Funktionen sind für alle Nutzer hilfreich. Sie erhöhen den Bedienkomfort und machen die Nutzung der Geräte angenehmer. Der oft winzige Text auf dem Handydisplay ist auch für junge und gesunde Augen schwer zu entziffern.

Wenn es unleserlich wird, hilft ein doppeltes Tippen mit drei Fingern auf den Bildschirm.

Die Betriebssysteme helfen nach Kräften, Hürden abzubauen, ob nun das Sehen oder Hören oder die motorischen Fähigkeiten eingeschränkt sind. Apple hat nicht nur bei den Mobilgeräten, sondern auch bei den Macs viel investiert. Natürlich, auch der PR-wegen: Anlässlich des Global Accessibility Awareness Day hat Apple-Chef Tim Cook persönlich drei behinderte Youtuber auf dem Apple-Campus begrüsst und über ihre Erfahrungen gesprochen.

Für die Augen, die Ohren und die Motorik

Die Bedienhilfen fürs iPhone und iPad sind hier ausführlich beschrieben. Für Android gibt es hier eine Aufzählung aller Funktionen – wenngleich die Auswahl an Möglichkeiten bei Google ungleich kleiner ist. Das sind die, die im Video vorgestellt werden:

Angenehmeres Lesen: Es gibt diverse Bedienhilfen, die die Textdarstellung verbessern. Mit der Option «Grösserer Text» kann man am iPhone entweder eine fixe Schriftgrösse vorgeben oder die Darstellung dynamisch anpassen lassen. Apps, die variable Textgrössen unterstützen, passen sich mit ihr der gewünschten Vorgabe an.

Es ist auch möglich, Schrift fetter darzustellen und den Kontrast zwischen Schrift und Hintergrund zu erhöhen. Dazu stellt das iPhone die Funktionen «Transparenz reduzieren» und «Farben abdunkeln» zur Verfügung.

Diese Befehle gelten fürs iPhone. Bei Android kann die Schriftgrösse erhöht und der Bildschirm gezoomt werden. Es gibt Einstellungen zur Optimierung von Farben und Kontrasten und, wie bei iOS die (im Video nicht erwähnten) Einstellungen für Video-Untertitel.

Links: Sich vom iPhone Texte vorlesen lassen. Rechts: Der geführte Zugriff schützt das Telefon, wenn man es aus der Hand gibt.

Die Augen schonen. Praktisch auch die Funktion «Farben umkehren». Sie invertiert das Bild, wenn man Text in Weiss auf dunklem Hintergrund lesen möchte. Das verhindert, dass man beim Lesen im Dunkeln vom Display angestrahlt wird. Viele Apps bieten für diesen Zweck einen Nachtmodus, aber eben nicht alle.

Wenn das Display blendet

Die Option «Farben umkehren» steht in der Rubrik «Kurzbefehl» zur Verfügung. Hier gibt man vor, was beim dreifachen Tippen auf den Home-Knopf passiert.

Die Zoom-Funktion vergrössert einen Ausschnitt oder den ganzen Bildschirm. Ist die Funktion aktiviert, wird die Vergrösserung durch doppeltes Tippen mit drei Fingern auf dem Display ein- und ausgeschaltet. Mit den drei Fingern verschiebt man auch den Anzeigebereich.

Das iPhone kann Texte auch vorlesen. Im Menü «Sprachausgabe» gibt es die Option «Auswahl sprechen». Ist sie eingeschaltet steht nach dem Markieren im Menü der Text «Sprechen» zur Verfügung. Und mit der Option «Bildschirminhalt sprechen» kann man sich den gerade angezeigten Text vorlesen lassen, wenn man mit zwei Fingern vom oberen Rand nach unten streicht.

Auch Android hat eine Zoomfunktion zu bieten. Die wird mit einem dreifachen Tippen auf das Display aktiviert.

Die Lupe schliesslich nutzt die Kamera, um Kleingedrucktes in der realen Welt besser lesbar zu machen. Um sie zu aktivieren, drückt man den Home-Knopf dreimal hintereinander.

Einfacher bedienen: Es gibt diverse Möglichkeiten, die Bedienung des Telefons anzupassen. «Bewegungen reduzieren» schaltet die allermeisten Animationen ab, was nebenbei auch die Ausdauer der Batterie verlängert. Mit «Tastenformen» werden Bedienelemente durch entsprechende Flächen hervorgehoben. Das erleichtert die Orientierung mit Apples reduziertem Design, das nicht überall anzeigt, welche Elemente angetippt werden können und welche nicht.

Damit Kinder und Fremde nichts kaputtmachen

Der geführte Zugriff schliesslich ist praktisch, wenn man sein Telefon jemandem überlässt, dem man nicht voll vertraut: Dann begrenzt man den Zugriff auf eine App und sperrt Bereiche. Wenn ein kleines Kind mit dem Handy spielen möchte, gibt man ihm die Fotos zum Ansehen, sperrt aber zur Sicherheit die Befehle zum Löschten und Bearbeiten. Überlässt man sein Telefon einem Fremden, der dringend einen Anruf tätigen muss, gibt man das Ziffernfeld frei, blockiert aber Kontakte, Voicemail und Anrufliste.

Übrigens: Es hat in der Technikgeschichte Tradition, dass die Erfahrung Behinderter allen nützt. Sowohl die Mutter als auch die Ehefrau von Alexander Graham Bell waren gehörlos, weswegen er elektronische Hörhilfen erforscht und schliesslich das Telefon erfinden konnte. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.05.2017, 08:52 Uhr

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