Per «One-tap-Kauf» zum Bahnbillett

Einfacher Verbindungen suchen, schneller Tickets kaufen und eine Integration mit dem Swiss Pass – die neue Bahn-App will Massstäbe setzen.

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Die SBB haben sich grosse Ziele gesetzt – das bekräftigte Jeannine Pilloud gleich zu Beginn der heutigen Medienveranstaltung. Laut der Leiterin des SBB Personenverkehrs sind die Ziele klar: Die Bundesbahnen wollen freundlicher und zuverlässiger werden, ihre Marktführerschaft stärken, ihre Züge besser auslasten, um Tariferhöhungen möglichst zu vermeiden – und ein Baustein in diesem Plan ist die neue App, die heute präsentiert wurde.

Die alte App ist 2008 entstanden, als das iPhone erst ein Jahr auf dem Markt war. Die Logik in der App stamme aber noch aus den 1980er-Jahren, sagte Jeannine Pilloud – die sich als «traditionelle» Nutzerin outete, die die Nummer der Fahrplanauskunft noch heute auswendig wisse. Doch die Zeiten haben sich geändert – viele Kunden würden in die «Via-Falle» tappen. Wenn die App und die Billettautomaten heute verschiedene Reisewege anböten, wüssten viele nicht, welches die optimale Reiseroute sei. Ausserdem habe die «Sortiment-Komplexität» zugenommen. Das heisst: Es gibt immer mehr unterschiedliche Tickets, und indem man diese alle anbietet, gebe man dem Kunden auch die Möglichkeit, sich fürs Falsche zu entscheiden.

«Der grösste Bahnhof der Schweiz»

Die Vorgabe für die neue App war klar: Die Stärken beibehalten und an Einfachheit und Benutzerfreundlichkeit zulegen. Christof Zogg, der das Digital-Business-Team der SBB leitet und die neue App vorstellte, spricht «vom grössten Bahnhof und dem kleinsten Billettautomaten» – der Superlativ rührt daher, da über die App längst mehr Tickets verkauft werden als am grössten Bahnhof der Schweiz. Schon 2012 hätte die App die Website überflügelt, was die Zahl der verkauften Tickets angeht. Trotzdem sieht Zogg viel Luft nach oben: Die App könne persönlicher, einfacher werden, mehr «Systemintelligenz» integrieren und den Reisenden von Tür zu Tür begleiten.

Wie die Bundesbahnen dieses Ziel zu erreichen gedenken, lässt sich an der heute vorgestellten und bereits in einem öffentlichen Testlauf verfügbaren App bereits erkennen: Die App führt nach dem Start direkt zu der Möglichkeit, den Zielort einzugeben – in der Annahme, dass man sofort vom aktuellen Standort abreisen möchte. Dann erscheinen sofort die verfügbaren Verbindungen.

Kaufen mit einem Tap

Falls man dort einen brauchbaren Vorschlag findet, tippt man ihn an, sieht die Details und kann ohne weitere Umschweife ein Billett kaufen. Die App hat das normale Billett bereits voreingestellt, stellt aber Alternativen wie Sparbillette oder City–City-Tickets ebenfalls zur Auswahl. Für Preise unter 40 Franken gibt es auch keine Kreditkartenabfrage mehr. Die SBB nennen das «One-tap-Kauf». Auf diese Weise kommt man deutlich schneller zum Ziel, da die App viele Vorgaben zur Klasse und Vergünstigung (wie Halbtax) anhand der Reisegewohnheiten des Nutzers vorgibt. Wers noch schneller will, kann direkt aus der Verbindungsübersicht sein Ticket kaufen, indem er bei der gewünschten Verbindung von rechts nach links wischt: Damit wechselt man direkt zu der Kaufübersicht, bei der man seinen Kauf auch schon tätigen kann.

Das heisst natürlich nicht, dass man nur noch Standardtickets kaufen könnte. Die Vorgaben lassen sich während des Prozesses anpassen. Bei der Auswahl der Verbindung kann man den Abfahrtsort vom aktuellen Standort ändern, Abfahrtsdatum- und -Uhrzeit modifizieren und Via-Bahnhöfe angeben. Beim Billettkauf lässt sich die Zahl der Reisenden hochsetzen, die Klasse wechseln und Halbtax an- und abschalten.

Streckenwahl per Finger

Als zweite Option gibt es in der App den sogenannten Touch-Fahrplan. Den hat die SBB von App-Entwickler Ubique eingekauft, die mit ihrer Viadi-App den nach eigenen Angaben «schnellen Schweizer Fahrplan» anbieten. Er funktioniert so, dass auf der Startseite eine Handvoll Orte als Kacheln erscheinen – das sind die Lieblingsdestinationen, die man selbstverständlich auch manuell anpassen darf. Um nun eine Verbindung zu wählen, zieht man mit dem Finger eine Verbindung vom Ausgangs- zum Zielbahnhof. Darauf erscheinen bereits die Verbindungen, ohne dass man eine Ortschaft hätte eintippen müssen.

Die neue App ist ab sofort über Mobilepreview.sbb.ch erhältlich und kann von Interessierten getestet werden – wobei die App mitten in der Entwicklungsphase steckt und noch Fehler aufweisen kann. Sie steht bislang nur für Android zur Verfügung. Laut Christof Zogg ist die Nutzerzahl bei iOS zwar höher: 58,1 Prozent der Anwender haben ein iPhone, 39,5 Prozent ein Android-Telefon und 2,4 Prozent ein Windows-Gerät. Was den Umsatz angeht, ist das iPhone mit 79,2 sogar noch weiter vorn. (Android: 18,2, Windows: 2,6 Prozent).

Daher wäre das iPhone die naheliegende Plattform für den Testlauf. Doch Android hat den Vorzug erhalten, weil bei Googles Betriebssystem Tests mit einer unbeschränkten Nutzerzahl möglich sind, es beim iPhone hingegen eine Beschränkung auf 1000 User gibt. Dennoch soll die iOS-App schon im Frühling nachfolgen. Auf der Community-Website können Nutzer auf Fehler hinweisen und Funktionen wünschen. Und da die SBB die App nach dem Credo der «agilen Softwareentwicklung» vorantreiben – sprich: einen flexibleren und schlankeren Prozess fahren als beim klassischen Projektmanagement –, sollten sich Inputs der Nutzer auch schnell in der App wiederfinden.

Navi für den ÖV

Abschliessend gab Christof Zogg auch einen Ausblick auf die weiteren, geplanten Funktionen: Die App soll bei Störungsfällen flexibel informieren und bei einer unbekannten Strecke den Reisebegleiter übernehmen. Als «Navigationssystem für ÖV-Nutzer wird sie Umstiegsinformationen in Echtzeit anzeigen und die aktuelle Position des Zugs kennen. Ferner soll ein Ticketkauf auf Rechnung möglich werden. Der Swiss Pass und das Halbtax-Abo sollen integriert werden, sodass die Vergünstigungskarten nicht mehr separat vorgezeigt werden müssen. Und schliesslich sollen über die Website gekaufte Tickets auch in der App auftauchen und umgekehrt.

Erstellt: 24.11.2015, 15:41 Uhr

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