Ein längst überfälliges Facelifting für Office

Die 2016-Version macht Office auf dem Mac endlich wieder präsentabel. Ansonsten hat sich nur wenig getan.

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Office 2016 steht in den Startlöchern: Microsoft lanciert die neue Version der Bürosoftware schrittweise: Zuerst sind die Mac-Anwender dran. Jedoch erst diejenigen, die Office mieten. Die Inhaber eines Office-365-Abos dürfen die neueste Version per sofort verwenden. Die Kaufversion für Mac wird ab September erhältlich sein. Die Windows-Version wird bis Ende des Jahres erwartet.

Diese Staffelung kommt nicht von ungefähr: Zum einen gibt Microsoft damit zu verstehen, dass die Mietkunden zuerst bedient werden, weil das Abomodell als Modell der Zukunft gilt. Zum anderen muss Office in der Apple-Welt den viel grösseren Rückstand aufholen. Dort fand das letzte grosse Update vor 4 Jahren statt. Office 2011 für Mac ist längst nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Es unterstützt die hochauflösenden Retina-Displays nicht, beherrscht keine Mehrfingergesten auf dem Trackpad und hat auch Microsofts Internet-Dateiablage OneDrive nicht integriert. Abgesehen davon war das Oberflächen-Design schon beim Erscheinen kritisiert worden, weil es Design-Elemente aus der Windows- und aus der Apple-Welt wild durcheinandermischte und deswegen Befehlselemente sogar doppelt vorhanden waren.

Mehrfingergesten, Retina und modernes Outfit

Alle diese Mängel sind nun behoben: Man kann nun mit zwei Fingern auf dem Trackpad das Dokument verkleinern und vergrössern. Die eigentlich überflüssige Symbolleiste oberhalb des Menübandes ist verschwunden. Das Menüband selbst wurde dem reduziertem Design angepasst, das Apple mit Yosemite (OS X 10.10) eingeführt hat und das auch zum Look von Office 2013 aus der Windows-Welt passt. Einige Unterschiede zwischen der Windows- und der Mac-Version gibt es aber weiterhin. Der offensichtlichste liegt bei der Menüleiste: Sie ist bei Windows komplett verschwunden. Beim Mac gibt es sie weiterhin. Das liegt daran, dass es beim Mac keine Programme ohne Menüleiste geben kann. Auch die Programmeinstellungen sind Mac-konform im Menü direkt neben dem Apfel zu finden. Die Ablage ist beim Mac kein eigener Punkt im Menüband, sondern ein unscheinbarer Knopf in der Schnellstartleiste – wo er leicht übersehen werden kann.

Und ja: Wem der blaue Fensterhintergrund nicht gefällt, der stellt ihn über «Word > Einstellungen» in der Rubrik «Allgemein» beim Punkt «Office-Design» auf klassisch, das heisst grau, um.

Die ansonsten wichtigste Neuerung liegt in OneNote. Microsofts Notizprogramm ist seit gut einem Jahr für den Mac erhältlich und wurde nun in Office integriert. Das Programm erlaubt es, Notizen, Ideen und Informationen relativ unstrukturiert zu sammeln, dann zu gliedern, mit Stichwörtern wie Aufgaben, Fragen, Idee, Musik- oder Filmtipp, Blogidee etc. zu kennzeichnen, mit Bildern und Audio anzureichern und für andere freizugeben. Die Windows-Version ist bezüglich Funktionsumfang der Mac-Version um Kleinigkeiten voraus. Das zeigt sich beispielsweise beim Menüband unter Einfügen, wo dem Mac die Video-Funktion, die Formeln und Symbole fehlen.

Direkt im Dokument «bingen»

In den einzelnen Anwendungen gab es Detailverbesserungen. In Word lassen sich direkt in der Anwendung Internetrecherchen über Microsofts Suchmaschine Bing durchführen. Die Designs – vorgefertigte Gestaltungsvorlagen, die sich bestehenden Dokumenten quasi überstülpen lassen – wurden deutlich ausgebaut. Ebenso wie die Möglichkeiten zum gemeinsamen Arbeiten an einem Dokument und die Serienbrieffunktion. In Excel hat das Analyse-Add-in Einzug gehalten. Das ermöglicht nun die Nutzung von Excel-Dateien, die unter Windows erstellt wurden und die Analysefunktionen verwenden. Bei Powerpoint wurden der Animationsbereich, die Konfliktauflösung, die Referentenansicht und die Designvarianten verbessert.

Soll man updaten? Für die Abonnenten von Office 365 ist die Antwort ein vorbehaltloses Ja. Im Rahmen ihrer Mietnutzung steht immer die neueste Version zur Verfügung, und da gibt es keinen Grund, noch bei Office 2011 zu bleiben. Doch auch wer die Kaufversion intensiv nutzt, sollte ein Update in Erwägung ziehen: Der Umstieg auf die neue Version lohnt sich allein wegen der Verbesserungen rund um die Bedienung und das frischere Aussehen der Programmfenster. Wer Office nur sporadisch nutzt, der sollte prüfen, ob womöglich die Webanwendungen gut genug sind. Die Varianten von Word, Excel und Powerpoint, die unter Office.live.com im Browser laufen, sind über die letzten Jahre immer besser geworden – und für Anwender, die nur mässig komplexe Dokumente bearbeiten und nicht offline arbeiten müssen, längst eine gute Alternative – siehe auch «Wann ist das Gratis-Office gut genug?».

Excel auf der Xbox?

Abgesehen davon zeigt sich mit Office 2016, dass die Versionsnummern doch nicht ganz ausgedient haben. Sie würden mit dem Mietmodell eigentlich überflüssig, da man uns Nutzern eine kontinuierliche Weiterentwicklung verspricht. Office-Managerin Julia White hat laut Branchenmedien verlauten lassen, dass Office 2016 vielleicht auch tatsächlich die letzte Ausgabe ist, die eine Versionsnummer trägt – und danach Office wie Windows 10 fortlaufend aktualisiert wird.

Doch vorerst zeigt sich, dass ein Versionssprung für den Hersteller nach wie vor eine gute Gelegenheit ist, sein Produkt ins Gespräch zu bringen und die Marketingtrommel zu rühren. Zumal auch für Windows grosse Neuerungen anstehen: Schliesslich stehen für Windows die «Universal»-Varianten von Word, Excel, Powerpoint, OneNote, Outlook Mail und Outlook Kalender in den Startlöchern: Sie sind für Telefone und Tablets ausgelegt, für die Touch-Bedienung optimiert und laufen auf allen Plattformen, auf denen Windows 10 angeboten wird – also sogar auf der Xbox. Die Universal-Apps werden mit dem Start von Windows 10 Ende Monat im App Store verfügbar sein.

Erstellt: 14.07.2015, 15:07 Uhr

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