Ein Quäntchen Zweifel bleibt

Der Datenschützer will den Privatsphärenschutz von Windows 10 abklären. Dies wird ihm nicht abschliessend gelingen.

Der Programmcode ist nicht offengelegt: Screenshot von Windows 10. Foto: Keystone

Der Programmcode ist nicht offengelegt: Screenshot von Windows 10. Foto: Keystone

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Windows 10 gerät ins Visier des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten. Er hat eine Abklärung veranlasst, die zeigen soll, ob Microsofts neues Betriebssystem ein übermässiges Interesse an den Daten seiner Benutzer zeigt. Welche Fragen Microsoft zu beantworten hat und welche ­Sanktionen möglich sind, wollte die Sprecherin des Datenschutzbeauftragen, Silvia Böhlen, mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht sagen. Grob geht es darum, welche Daten gesammelt, wohin sie gesendet und wie lange sie gespeichert werden.

Es ist jetzt nicht anzunehmen, dass Microsoft dem Datenschützer etwas anderes sagen wird als den Medien. Auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet hatte Barbara Josef von Microsoft letzte Woche darauf hingewiesen, der Nutzer könne «in den Datenschutzeinstellungen genau bestimmen, welche Daten geteilt werden und welche nicht».

Der Datenschützer kann diese Zusicherung nun, genau wie die Anwender, glauben oder auch nicht. Der Programmcode von Windows ist nicht offengelegt. Es lässt sich daher nicht überprüfen, ob die Datenschutzeinstellungen lückenlos greifen – oder ob vielleicht doch die eine oder andere persönliche Information «entweicht». Peter Bright von «Ars Technica» hat auch nach dem Abschalten aller wesentlichen Cloudfunktionen Datenströme zu Microsoft-Servern aufgespürt, die ihm verdächtig erschienen. Warum die erfolgen, konnte er durch Beobachten des Datenverkehrs nicht klären. Ein Quäntchen Zweifel bleibt.

Die Anfrage des Datenschützers bei Microsoft hat zumindest eine symbolische Wirkung: Der Forderung nach einem ernsthaften Schutz der ­Privatsphäre wird von offizieller Seite Nachdruck verliehen. Doch abschliessende Aufklärung darf man sich nicht erhoffen. Die kann nur von einer unabhängigen Prüfung des Quellcodes kommen, die bei einem so umfrangreichen und historisch gewachsenen Produkt wie Windows enorm aufwendig und teuer wäre. Darum bleibt uns Windows-Anwendern auch weiterhin nur, einen Vertrauensvorschuss zu leisten.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.08.2015, 21:30 Uhr

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