Eine Kampfansage an Google

Der Internet-Gigant hat mit seinem Chrome-Browser die Konkurrenz in den letzten Jahren komplett abgehängt. Doch jetzt setzt Firefox zur Verfolgungsjagd an.

Ein Plädoyer für eine zweite Chance für Firefox!
Video: Matthias Schüssler

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Google hat es geschafft, in den letzten knapp zehn Jahren den Browsermarkt an sich zu reissen. Um die sechzig Prozent Marktanteil hat das Suchmaschinen-Unternehmen inzwischen. Besonders stark musste der Internet Explorer Federn lassen. Doch auch der freie Browser der Mozilla-Stiftung hat kontinuierlich Nutzer verloren. Seit 2009 ging die Zahl der Firefox-Nutzer laut Statista.com um knapp zwei Drittel zurück.

Das Feuer ist zurück

Die Probleme bei Firefox sind zum Teil hausgemacht: Der Browser wurde in den letzten Jahren als träge kritisiert, und auch die Zuverlässigkeit hat gelitten. Grund dafür war eine gewisse Vernachlässigung. Die Mozilla-Stiftung hat sich auf andere Projekte konzentriert, beispielsweise auf das 2011 gestartete und 2016 wieder eingestellte Smartphone-Betriebssystem Firefox OS.

Seiten einfach ans Mobiltelefon weiterreichen.

Doch nun ist das Feuer wiedererwacht: Ein Projekt namens Quantum ist seit längerer Zeit daran, Firefox wieder fit und konkurrenzfähig zu machen. Zu diesem Zweck wurden einerseits Altlasten beseitigt. Die gibt es zuhauf, denn Firefox ist ein Abkömmling von Netscape, jenem Surfprogramm, das in den 1990er-Jahren gross geworden ist. Andererseits sollte auch die Oberfläche moderner und die Anfälligkeit für Sicherheitslücken geringer werden.

Am 14. November fällt der Startschuss

Das Projekt Quantum steht kurz vor der Vollendung: Der generalüberholte Browser wird als Firefox 57 nächsten Dienstag offiziell veröffentlicht. Wer Firefox benutzt, wird ihn automatisch über die Update-Funktion erhalten. Und natürlich kann er dann auch kostenlos heruntergeladen werden.

Im dunklen Look – oder bunt.

Doppelt so schnell soll er sein, einen geringeren Speicherbedarf aufweisen und beim Ressourcenverbrauch sogar Chrome hinter sich lassen – das verspricht die Mozilla-Stiftung. Im Video zeigt sich der Geschwindigkeitsvorsprung, auch wenn er in unserem Test nicht ganz so markant ausfällt. Dennoch ist Firefox 57 alias Quantum ein gelungener Neustart, auch wegen diverser neuer Funktionen, die das Video ebenfalls vorführt:

Da ist zum Beispiel das neue «Seiten-Aktionen»-Menü. Das stellt u. a. einen Befehl zur Verfügung, mit dem sich offene Seiten an Firefox für Mobilgeräte (iPhone/iPad und Android) weitergeben lassen. Das funktioniert tadellos und sehr schnell.

Die nüchterne, flexible Oberfläche

Firefox 57 weist eine neue, nüchterne Option auf. Die Oberfläche lässt sich wahlweise auch kompakter darstellen oder etwas in der Grösse spreizen. Letzteres erleichtert die Bedienung über ein Touch-Display. Es gibt auch den Darstellungmodus in Dunkel und in bunten Varianten. Mozilla erlaubt es mit der neuen Version, anstelle des separaten Suchfeldes das kombinierte Such- und Adressfeld zu benutzen, das bei den anderen Browsern schon seit längerem üblich ist.

Eingebauter Schutz vor Nachverfolgung im Web.

Mit dem Update gibt es diverse Verbesserungen beim Datenschutz und beim Tracking. Es lässt sich nun festlegen, welche Websites die Kamera oder das Mikrofon benutzen und den Standort abfragen dürfen und welche nicht. Die «Aktivitätenverfolgung» schränkt die Möglichkeiten von Websites ein, Firefox-Nutzer beim Surfen kontinuierlich über diverse Websites hinweg zu verfolgen. In den Fällen, in denen die Schutzfunktion Probleme macht, lässt sie sich abschalten.

Browser-Erweiterungen funktionieren nicht mehr

Fazit: Ein gelungener Neustart, mit dem Firefox mit Google Chrome gleichzieht. Ob Mozilla die verlorenen Marktanteile zurückgewinnen kann, wird sich allerdings erst weisen müssen. Und die Beseitigung der Altlasten hat auch ihre Schattenseiten, kostet sie Firefox doch eine seiner grossen Stärken: Die älteren Browser-Erweiterungen – und von denen gibt es unzählige – funktionieren nicht mehr. Anwender, die solche Add-ons einsetzen, müssen sich neu orientieren oder unter Umständen sogar ihre Arbeitsweise anpassen. Und das trübt die Freude beträchtlich. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.11.2017, 11:15 Uhr

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