Held ohne Eigenschaften

Link, die Hauptfigur des­ «Zelda»-Spiels, ist unschlagbar nebulös.

Link ist nun seit 31 Jahren ein Held. Foto: PD

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Ab morgen zieht Link wieder los, um Prinzessin Zelda zu befreien und das Böse auszurotten – zum 18. Mal in seiner Geschichte. Er weiss, was er tut.

Link ist professioneller Weltenretter und ein ewiger Verkaufsgarant. Vor 31 Jahren erschien das erste «Zelda»-Spiel auf Nintendo, die Reihe mit Link als Hauptfigur hat sich rasch zum Klassiker entwickelt. Mit dem jüngsten «Zelda»-­Titel «Breath of the Wild» will Nintendo den Verkauf seiner neuen Konsole vorantreiben.

Der junge Elf ist mal 9, mal 16 Jahre alt, mal sieht er aus wie ein cooler Anime-Held, mal wie eine tollpatschige Kindercomicfigur. 

Link ist ein Held ohne Eigenschaften. Genau das macht ihn so erfolgreich. Er bildet die perfekte Marionette, die Spielende mit ihrem eigenen Ich beleben können.

Der junge Elf tritt in verschiedenen Inkarnationen auf, mal ist er 9, mal 16 Jahre alt, mal sieht er aus wie ein cooler Anime-Held, mal wie eine tollpatschige Kindercomicfigur. Immer aber überzeugt er durch Tapferkeit und Bescheidenheit. Stets durchläuft er die Veredelung eines normalen Jungen zum Helden mit Superkräften. Ausserdem ist er Linkshändler und trägt gerne ein grünes Kleid. Mehr Eigenheiten, die seine Wiedererkennbarkeit garantieren, bringt Link nicht mit. Er spricht kaum in den Spielen, seine Mimik bleibt eingeschränkt, die Familien­geschichte nebulös. Selbst seinen Namen dürfen die Spieler in jeder Ausgabe neu bestimmen.

Damit sich auch Frauen in Link hineinfühlen können, kommt er als androgyne Figur daher. Ihm fehlen Testosteronmerkmale wie Bart oder Muskeln, sein Geschlecht ist ihm nicht sofort anzusehen. Diese Offenheit machte ihn früh zu einer Lieblingsfigur von Gamern, die Geschlechterklischees anprangerten. Im Internet wird darüber spekuliert, ob Link auf Männer stehe und ob seine Liebe zu Prinzessin Zelda nur platonisch sei. Vor dem Erscheinen von «Breath of the Wild» gingen Gerüchte um, dass Link diesmal als Mädchen auferstehe.

Im Internet wird darüber spekuliert, ob Link auf Männer stehe und ob seine Liebe zu Prinzessin Zelda nur platonisch sei. 

Der Vater dieses sanften Kämpfers heisst Shigeru Miyamoto, der Japaner gilt als «Steven Spielberg der Videogames», neben Link hat er auch Super Mario und Donkey-Kong erfunden. Link sei ein Produkt seiner Kindheitserlebnisse, erzählt Miyamoto in Interviews. Beim Entwerfen der Figur habe er sich an seine früheren Lieblingsbücher und -filme erinnert sowie an Spaziergänge, auf denen er als kleiner Junge Wälder erkundete. Aus Peter-Pan-Anleihen, Elfenmystik und mittelalterlichen Epen erschuf Miyamoto so einen Game-Helden, den Fachpublikationen zu einem der einflussreichsten und beliebtesten seiner Art erkoren haben. Link kommt in vielen anderen Spielen als Nebenfigur vor, es gibt sogar eine Comicserie über ihn.

Die 18 Titel der «Zelda»-Serie formen zusammen ein Universum, dessen Geschichte sich über mehrere 100 Jahre erstreckt. Details davon verstehen nur Spezialisten. Doch das macht nichts. Hauptsache, der nette Junge mit Pfeil und Bogen rettet wieder mal die Welt.

Erstellt: 02.03.2017, 00:08 Uhr

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