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Kindle Oasis: Top-E-Reader mit Durststrecken

Der neuste Kindle ist der bisher beste E-Reader. Was Amazons teuerstes Modell der Konkurrenz voraushat.

Zierlich und leicht: Wir haben den Kindle Oasis getestet.
Zierlich und leicht: Wir haben den Kindle Oasis getestet.
jro
Der direkte Vergleich mit einem Kindle Paperwhite zeigt, dass der Oasis schlanker daherkommt, ohne beim Bildschirm zu sparen.
Der direkte Vergleich mit einem Kindle Paperwhite zeigt, dass der Oasis schlanker daherkommt, ohne beim Bildschirm zu sparen.
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Die standardmässig beigelegte Hülle mit integriertem Akku gibt es in mehreren Farben und Ledervarianten.
Die standardmässig beigelegte Hülle mit integriertem Akku gibt es in mehreren Farben und Ledervarianten.
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Jahrelang hat Amazon auf Billig-E-Reader gesetzt, um sein E-Book-Geschäft anzukurbeln. Kleiner, dünner, leichter: Mit dem Oasis wirft der Konzern nun erstmals ein Luxusmodell auf den Markt. Das Gerät ist ein Aufbruch für die Kindlereihe. Sein neues Akkukonzept ist gleichzeitig Stärke und Schwäche des Oasis. Auch sonst zeigt sich im Test, dass Amazon alles ein wenig aufgebohrt hat.

Wie der Direktvergleich in unserer Bildstrecke beweist: Der Oasis ist deutlich kompakter als die Vorgänger, ohne dabei beim Bildschirm Abstriche zu machen. Die Displaygrösse ist dieselbe wie bei der ganzen Reihe – sechs Zoll oder 152 Millimeter. Amazon hat die Dicke des Geräts weiter reduziert, auf 3,4 Millimeter an der dünnsten Stelle. Der Batteriegriff ist allerdings dicker, 8,4 Millimeter. Leicht ist das zierliche Gerät auch: Kaum mehr als 130 Gramm wiegt es. Das ist in etwa das Gewicht eines aktuellen iPhone.

Druckscharfe Buchstaben

Gegenüber einer Papierseite vermisst der Nutzer beim Lesen auf dem Oasis kaum noch etwas. Das Umblättern funktioniert blitzschnell und der Bildschirm bietet auch unbeleuchtet hohen Kontrast. Gegenüber älteren Kindles wirkt die Schrift auf dem Oasis noch einmal schärfer. Wer allerdings bereits ein Kindle neuesten Datums besitzt, macht beim Display keine Fortschritte. Der Kindle Voyage oder das Paperwhite in der Version von 2015 setzen ebenfalls auf einen Carta-Bildschirm, der mit 300 Bildpunkten pro Zoll auflöst. Der Unterschied wird dagegen deutlich, wenn man zum Vergleich Kindles von 2013 und früher heranzieht.

Das Ledercover wirkt hochwertig und gut verarbeitet. Angenehm ist die Befestigung am Kindle. Wie man es beispielsweise von Apples iPad-Cover her kennt, haftet die Ladehülle magnetisch am Kindle Oasis. Ein Magnetverschluss sorgt auch dafür, dass sie nicht aufklappt.

Lad mich auf

Der neben der Grösse wohl prominenteste Vorteil des Oasis ist eigentlich eine Rückbesinnung: Der Nutzer blättert mit zwei simplen physischen Knöpfen um. Das war Kindle-Standard bei den Modellen, die vor 2011 erschienen sind und noch keinen Touch-Bildschirm besassen. Auf späteren Kindles blätterte der Nutzer per Tippen auf den Bildschirm. Im Test zeigt sich: Amazon hat richtig entschieden, die Tasten zurückzubringen. Das Blättern per Knopfdruck ist angenehmer und macht das einhändige Lesen einfacher. Wir hoffen entsprechend auf ein Umdenken bei Amazon – und ein Comeback der Tasten auch auf den Billig-Kindles. Die Tasten beim Oasis sind auf einer Seite des Displays angebracht. Da der Kindle selbst merkt, wenn man ihn auf den Kopf stellt und die Buchseiten entsprechend dreht, ist der Oasis auch für Linkshänder geeignet.

Dass der Oasis deutlich dünner und leichter ist als andere Kindles, gründet auf seinem neuen Akkukonzept. Amazon hat den Grossteil der Batterie in die Hülle des Geräts ausgelagert. Darum liegt die Hülle dem Gerät auch standardmässig bei. Angedockt erzielt der Oasis die von E-Readern gewohnte, wochenlange Nutzung. Wer den Oasis ohne Hülle nutzt, muss dagegen bei der Lesezeit deutliche Abstriche machen. Mehr als 12 Stunden pure Lesezeit werden es selbst bei Flugmodus und herabgeregelter Beleuchtung kaum. Das Akkusystem mit der Hülle ist aber klug gestaltet. Zusammengesetzt lädt der Akku in der Hülle den im Gerät auf.

Bücher holen ohne WLAN

Beim Speicher hat Amazons Topmodell kaum zugelegt. 4 Gigabyte stehen für E-Books zur Verfügung, das gab es schon 2011. Allerdings ist diese Speichermenge auch mehr als ausreichend – Tausende Bücher können damit gleichzeitig auf den Kindle geladen werden. Sehr komfortabel: Neben WLAN bringt der Oasis wieder eigenes mobiles Internet mit. Ohne Roamingkosten lassen sich damit in den meisten Ländern E-Books auch unterwegs herunterladen, sofern man den nötigen Mobilfunkempfang hat.

Kindles der zweiten und dritten Generation unterstützten noch Amazons hauseigene Audible-Hörbücher und brachten dazu einen Kopfhöreranschluss mit. Dass sich seit damals (2009–2011) Smartphones als praktische Hörbuch-Player durchgesetzt haben, mag der Grund sein, dass Amazon in neueren E-Readern auf diese Option verzichtet. Trotzdem fragt man sich unweigerlich, ob dem teuren Oasis eine solche Funktion nicht gut angestanden hätte.

Es geht auch billiger

In der Schweiz kostet der Erstklasse-E-Reader rund 350 Franken (ab 300 ohne 3G). Wer keine Top-Ansprüche an sein Lesegerät hat, kann aber massiv günstiger fahren. Der neueste Kindle Paperwhite ist weniger leicht und kompakt, bietet aber dasselbe Display wie der Oasis. Wer auf 3G und Blättertasten verzichten kann, ersteht bereits für ca. 160 Franken ein sehr hochwertiges Gerät. Wer dagegen nicht bei Amazon andocken will oder auf E-Books im Epub-Format setzt, hat im neusten E-Reader von Tolino auch eine günstige Alternative, ebenfalls für 160 Franken. Vorteil hier: Keine Registrierungspflicht und keine Beschränkung auf Amazons Angebot.

Fazit:Der Kindle Oasis überzeugt trotz des steilen Preises beinahe ganz. Bedienung und Verarbeitung sind ausgezeichnet. Die neue Akkuidee des Oasis ist ein zweischneidiges Schwert. Sie sorgt für ein kompakteres Gerät, allerdings ist die für E-Reader gewohnte Akku-Langlebigkeit ohne Hülle vorbei. Wer lange lesen will, ohne den Oasis zu laden, muss die Hülle am Gerät lassen und kommt so gar nicht in den Genuss der dünneren Abmessungen.

Der Kindle Oasis ist trotzdem klar das Spitzengerät unter den E-Book-Lesern. Wer etwa dem Papier ganz abgeschworen hat und in den besten E-Reader auf dem Markt investieren will, hat derzeit keine Alternative. Neukunden sollten dabei aber bedenken, dass im Amazon-Shopsystem gekaufte Bücher auch später nur für Kindle-Geräte nutzbar sind. Wer auf eine offene Plattform Wert legt, sollte darum nicht auf Amazons Geräte setzen.

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