Zum Hauptinhalt springen

Microsoft und die Tablet-Leidensgeschichte

Der Windows-Konzern setzte schon früh auf die Touchscreen-Computer. Doch erst Apple verhalf den Tablets zum Durchbruch.

Bill Gates hält einen Tablet-PC in der Hand (Juni 2000). Das Gerät sollte Teil der Net-Softwarestrategie werden.
Bill Gates hält einen Tablet-PC in der Hand (Juni 2000). Das Gerät sollte Teil der Net-Softwarestrategie werden.
Keystone
Fujitsu-Chef Kazuhiro Igarashi und Makoto Baba von Hewlett Packard präsentierten im November 2002 in Tokyo das Compaq Tablet PC TC1000.Angepeilter Verkaufspreis des Tablets: 1800 Dollar.
Fujitsu-Chef Kazuhiro Igarashi und Makoto Baba von Hewlett Packard präsentierten im November 2002 in Tokyo das Compaq Tablet PC TC1000.Angepeilter Verkaufspreis des Tablets: 1800 Dollar.
AFP
Am 18. Juni 2012 machte es Microsoft besser – das vorgestellte Surface-Tablet machte einen guten Eindruck und wird mit Windows 8 laufen.
Am 18. Juni 2012 machte es Microsoft besser – das vorgestellte Surface-Tablet machte einen guten Eindruck und wird mit Windows 8 laufen.
Keystone
1 / 8

Jahrzehntelang stellte der Tablet-Computer eine Art Fata Morgana der IT-Industrie dar: eine grossartige Idee, die zum Greifen nah am Horizont schillerte und dann hoffnungsvolle Unternehmen doch immer wieder enttäuschte. Microsoft hat diesen Kreislauf aus Hoffnung und Enttäuschung mehrfach durchlaufen, denn das kürzlich vorgestellte Surface ist nicht der erste Versuch des Konzerns, einem Tablet zum Durchbruch zu verhelfen.

Schon früh vom Tablet geträumt

Seit es den PC gibt, haben Microsoft-Ingenieure immer wieder versucht, den Einsatz von Computern neu zu erfinden. Die ersten PCs hatten Tastaturen, wie sie von Schreibmaschinen schon bekannt waren. Rasch stellte sich jedoch die Frage, ob die Eingabe mit einem Stift nicht bequemer wäre. So entwickelten mehrere Unternehmen Ende der 80er-Jahre stiftbasierte Eingaben. Microsoft sprang auf den Trend auf und stellte 1991 «Windows for Pen Computing» vor, ein Add-On für Windows 3.1, das Eingaben mit einem Touchpen ermöglichte.

Mehrere Geräte setzten die Software ein und lassen den Vorläufer der heutigen Tablets erkennen: tragbare, rechteckige Platten mit einem Bildschirm. Allerdings reagierten sie noch nicht auf Berührungen, denn schliesslich stand die Idee eines Notizblocks mit Stift Pate. Pen-Computing verschwand in den 90er-Jahren. Zwar zogen die Windows-Tablets Aufmerksamkeit auf sich, die Masse der Nutzer blieb jedoch der Tastatur verbunden.

Hardware-Hersteller mit ins Boot geholt

Im Jahr 2002 bezeichnete Microsoft-Gründer Bill Gates die Erinnerungen an diese frühen Tablet-Versuche als «fast schmerzhaft», doch er gab nicht auf. Der Konzern präsentierte Windows XP for Tablet PC Edition und dieses Mal zogen auch Hardware-Hersteller wie Hewlett-Packard, Samsung, Toshiba und Acer mit. Sie stellten Tablet-PCs her, die äusserlich den heutigen Tablets ähnelten. Im Inneren allerdings waren sie weiterhin PCs. Im Vergleich zum iPad waren sie mit 1500 Dollar teuer, schwer und verfügten nur über eine schwache Akku-Leistung. Die Käufer gaben also eine Menge Geld aus, nur um Eingaben mit dem Stift tätigen zu können.

Das weitaus grössere Problem bestand allerdings darin, dass Windows ein Betriebssystem auf der Basis von Tastatur und Maus blieb. Viele Funktionen waren mit einem Stift schwer zu erreichen, Programme von anderen Herstellern wurden erst gar nicht für die Eingabe mit dem Touchpen überarbeitet. Zur Sicherheit verfügten einige dieser Tablets auch noch über eine Tastatur und unterschieden sich damit kaum noch von einem Laptop. Die Geräte setzten sich in einigen Unternehmen durch, blieben aber ein Nischenprodukt.

Parallel ermutige Microsoft Partner wie Fujitsu und View Sonic, sogenannte Smart Displays zu entwickeln. Das waren grosse Tablets für den Einsatz zu Hause, die über Wi-Fi mit einem PC verbunden wurden. Sie waren im Grunde teure Monitore mit kurzer Reichweite. Während ein Smart-Display genutzt wurde, konnte am PC nicht gearbeitet werden. Nur wenige wurden 2003 verkauft und Microsoft stellte das Projekt noch im selben Jahr wieder ein.

Erstes Surface war ein Tisch

Einen weiteren Versuch startete Microsoft 2006 mit «Projekt Origami». Dieses Mal sollten kleine PCs mit berührungsempfindlichen Bildschirmen entstehen. Wenige Unternehmen zogen mit, aber Samsung hatte dennoch Hoffnung für seinen «Q1». Das Kernproblem aber blieb: Windows war ohne Tastatur schwierig zu nutzen. Die «Ultra-Mobile PCs» waren teuer und litten unter einer kurzen Akku-Laufzeit. Mit dem «Q1» konnte der Nutzer gerade mal zwei Stunden im Web unterwegs sein. Allerdings stimmte dieses Mal zumindest das Gewicht: Der «Q1» wog nur wenig mehr als das erste iPad.

2008 stellte Microsoft dann den ersten Microsoft Surface vor - kein Tablet, sondern eher ein Tisch. Der Computer bestand aus einer riesigen Box, die auf dem Boden stand, mit einem horizontalen Display. Das Gerät sollte nicht im Privatbereich genutzt werden, sondern in Geschäften zum Einsatz kommen. Microsoft stellte die Hardware selbst her. Der erste Surface war als Nischenprodukt geplant und blieb eines.

Erfolg mit Pocket PC

Einen Erfolg auf dem Tablet-Markt konnte Windows dann aber doch erzielen: Das Betriebssystem Pocket PC lief ab etwa 2000 auf den neuen PDAs, den kleinen tragbaren Computern, die einen Farbbildschirm hatten und handschriftliche Eingaben erkennen konnten. Pocket PC wanderte schliesslich zu den Smartphones über und wurde in Windows Mobile umbenannt, traf aber sogleich auf die scharfe Konkurrenz der BlackBerrys und später der iPhones.

Letztendlich verschaffte Apple dem Tablet 2010 den Durchbruch und nicht Microsoft. Apple reduzierte mit dem iPad nicht einen PC, sondern erweiterte die Möglichkeiten eines Handys. Das iPad war leicht, vergleichsweise günstig und trumpfte mit längerer Akku-Laufzeit auf - und die Software war von Anfang an auf die Eingabe per Berührung ausgelegt.

Microsofts neue Strategie ist ganz ähnlich: Windows 8 übernimmt Features von Windows Phone, dem neuen Smartphone-Betriebssystem. Nun bleibt abzuwarten, ob Microsoft mit dem neuen Surface seine Tablet-Visionen umsetzen kann - oder ob alles wieder nur eine Fata Morgana bleibt.

dapd/ah

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch