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Nur Geduld mit dem Haus der Zukunft

Verschiedene Standards, komplizierte Bedienung und Kurzlebigkeit stehen der Automation im Weg.

Futuristisch: So sah 1957 die Vision von Monsanto und Disney aus.
Futuristisch: So sah 1957 die Vision von Monsanto und Disney aus.
Ralph Crane (The Life Picture Collection, Getty Images)

Keine Technologiemesse kommt ohne sie aus: Visionen, Konzepte und Demonstrationen des smarten Zuhauses der Zukunft. Dabei geht es immer darum, neue Technologie in die Häuser, Wohnungen, Haushaltgeräte und damit in den Alltag der Menschen zu bringen.

1957 baute der Chemiekonzern Monsanto im kalifornischen Disneyland ein Haus der Zukunft. Das beeindruckte die Besucher zwar mit einem Mikrowellenherd, einer Gegensprechanlage und einem Ultraschall-Geschirrspüler, doch das Hauptinteresse von Monsanto bestand darin, Plastik populär zu machen: Geschirr, Möbel, ja selbst die Wände waren aus Kunststoff.

Das Plastik von damals sind heute Chips. Je kleiner und leistungsfähiger die Computer werden, desto augenfälliger werden die Bestrebungen, diese ins Zuhause zu bringen. Mit dem Siegeszug des Internets kam zudem die Idee des vernetzten Heims dazu. Bereits 2000 verkaufte LG einen Internet-Kühlschrank.

Mit einem Touchscreen, Onlineshopping und Videotelefonie sollte er Käuferinnen und Käufer finden. Wie ein Blick in die eigene Küche zeigt, haben sich solche Geräte bis heute nicht durchgesetzt – obwohl das Internet heute allgegenwärtig, um ein Vielfaches schneller, billiger sowie drahtlos geworden ist.

Smarte Bürste

Am diesjährigen Mobile World Congress in Barcelona, mit über 100 000 Besuchern eine der wichtigsten Fachmessen, gab es wieder zahlreiche Versuche zu sehen, Computer und Internet mit Alltagsdingen zu verbinden, daher auch der Ausdruck «Internet der Dinge».

Zu den im Positiven wie im Negativen prominentesten Beispielen gehörte eine vernetzte Zahnbürste mit eigener App zur Putzkontrolle. Ob die Bürste mehr Erfolg haben wird als der smarte Kühlschrank? Betrachtet man die smarten Sachen, die uns schon heute das Leben einfacher gestalten sollen, muss man sich nicht wundern, dass es kaum welche in tatsächliche Häuser geschafft haben.

Ärger mit Apps

Ein althergebrachter Lichtschalter etwa ist an Komfort, Zuverlässigkeit und Einfachheit kaum zu übertreffen. Warum soll man sich stattdessen mit Apps, Fernbedienungen, Sprachsteuerung oder Updates herumschlagen? Bei einem Türschloss dürfte die Experimentierfreudigkeit noch kleiner sein.

Bei Geräten wie Kühlschränken oder Waschmaschinen kommt hinzu, dass man diese Jahrzehnte behält. Mancher Geschirrspüler in Schweizer Küchen dürfte älter sein als das 1998 gegründete Google. Wer weiss schon, ob es eine Firma, eine Software oder einen Standard in zehn Jahren noch gibt?

Standards haben noch ein weiteres Problem: Es gibt unzählige. Jeder verspricht offen zu sein, aber untereinander vertragen sie sich dann doch nicht. Alphabet (Google) und Apple haben mit Android und iOS die zwei erfolgreichsten Betriebssysteme des letzten Jahrzehnts lanciert. Nun versuchen sie den Erfolg zu wiederholen: Der Suchkonzern hat nebst dem Nest-Thermostat mit Brillo und Weave eine Plattform für smarte Geräte. Apple hat Home Kit, eine ähnliche Plattform.

Aber noch gibt es viele Mitbewerber. Amazon etwa hat mit Echo einen smarten Lautsprecher, der immer mehr Haushaltgeräte steuern kann.

Solange es keine verlässlichen Standards gibt und die vernetzten Geräte keinen Mehrwert bieten, wird man weiter über Häuser der Zukunft staunen, aber zu Hause bequem auf den bewährten Lichtschalter drücken.

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