So treiben Sie Windows 10 das Spionieren aus

Microsofts jüngster Spross bringt viele Verbesserungen, ist aber datenhungriger als seine Vorgänger. So pochen Sie auf Datenschutz.

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Seit vergangener Woche ist das Update auf die neuste Windows-Version verfügbar. Das Fazit von Digitalredaktor Rafael Zeier fiel positiv aus: «Das Update auf Windows 10 lohnt sich.»

Eine zentrale Neuerung: Der jüngste Spross der Windows-Reihe ist näher an Onlinedienste herangebaut als frühere Versionen. Das bringt Vorteile für die Nutzer dieser Services: Wer mit OneDrive oder OneNote arbeitet, kann Dokumente und Notizen einfacher als früher auf mehreren Geräten verwenden. Auch die persönlichen Einstellungen eines Users wendet Windows auf Wunsch auf mehr als ein Gerät an. Von den installierten Apps über die Einstellungen bis zum Desktophintergrund: Wer auf einem zweiten Rechner Windows installiert, bekommt ohne Mehraufwand eine identische Konfiguration angeboten – lästige Einstellungen entfallen.

Windows will wissen, wer Sie sind

Diese tiefe Verzahnung zwischen Rechner und Cloud setzt voraus, dass Windows 10 viele persönliche Einstellungen online ablegt – anders als in früheren Versionen. Im schlanken Installationsprozess wird darauf allerdings kaum hingewiesen. Die gute Nachricht: Diese Funktionen lassen sich auch im Nachhinein noch abschalten. Wer sich vor allzu viel Cloud-Datenhunger schützen will, kann das bei den Einstellungen tun. Windows’ Privatsphäre-Optionen finden sich im Startmenü in den «Einstellungen», unter dem Schloss-Symbol «Datenschutz». Hier fallen zahlreiche Bereiche auf, in denen sich Windows im Dienst personalisierter Funktionen viel herausnimmt. Einfach gesagt: Windows will neu möglichst genau wissen, wer Sie sind.

Bereits unter dem Punkt «Allgemein» findet sich eine Neuerung, die Ihnen als Nutzer keine Vorteile bringt und darum getrost deaktiviert werden kann: Die Werbungs-ID. Mit dem Windows-Konto teilt Microsoft Nutzern neu eine eindeutige Identifikation zu, mit denen diese zu Werbezwecken verfolgt und identifiziert werden können. Privatsphäre-bewusste Nutzer können diesen Punkt ohne Folgen ausschalten. Dadurch erleiden Sie keine Komforteinbussen bei der Verwendung von Windows. An dieser Stelle findet sich auch ein Link, der Sie zur Microsoft-Website führt. Hier erklärt das Unternehmen, wie es Ihnen personalisierte Werbung anzeigen will. Wenn Sie nicht möchten, dass Microsoft-Produkte Ihre Nutzung analysieren und Sie darauf basierte Werbung sehen, wählen Sie hier zweimal «Nein».

Wie viel Privatsphäre darf es sein?

In den weiteren Punkten des Datenschutzmenüs können Sie einstellen, wie viel Daten Sie Windows zugestehen. Je nachdem, wie wichtig Ihnen Datensicherheit ist, können Sie das Betriebssystem hier in die Schranken weisen. Bei einzelnen Punkten müssen Sie allerdings Funktionseinbussen in Kauf nehmen, wenn Sie Windows’ Datennutzung beschneiden.

Position: Hier bestimmen Sie, ob Ihr (mobiles) Gerät Standortdaten erheben und an Apps weiterleiten darf. Falls Sie nur bei einzelnen Apps skeptisch sind, können Sie diesen auch einzeln den Zugang verbieten – scrollen Sie dazu einfach nach unten und schalten Sie die Apps aus, denen Sie nicht vertrauen.

Kamera oder Mikrofon: Wenn Sie Webcam oder Mikrofon nicht verwenden, können Sie beides global ausschalten. Für die meisten Nutzer empfiehlt sich aber, stattdessen die App-Berechtigungen zu verwenden. Scrollen Sie nach unten und entscheiden Sie, welchen Apps Sie Zugang gewähren wollen.

Spracherkennung, Freihand und Eingabe: Hier hat Microsoft die Befugnisse für seine digitale Assistentin Cortana untergebracht, die gern breiten Zugang zu Ihren Daten hätte. Microsoft selbst schreibt in den Nutzungsbedingungen Folgendes:

Um es Cortana zu ermöglichen, personifizierte Erfahrungen und relevante Vorschläge zu bieten, sammelt und verwendet Microsoft verschiedene Arten von Daten wie zum Beispiel den Gerätestandort, Daten aus dem Kalender, aus den Anwendungen, die Sie verwenden, Daten von Ihren E-Mails und SMS-Nachrichten, wen Sie anrufen, Ihre Kontakte und wie oft Sie mit ihnen auf Ihrem Gerät interagieren. Cortana erlernt durch das Sammeln von Daten auch, wie Sie Ihr Gerät und andere Microsoft-Dienste nutzen, beispielsweise Ihre Musik, Alarmeinstellungen, ob die Bildschirmsperre aktiviert ist, was Sie sich ansehen und kaufen, Ihren Browser- und Bing-Suchverlauf und vieles mehr.

Wer Cortana auch künftig nicht nutzen möchte oder wem das nicht geheuer ist, der kann hier «Kennenlernen beenden» auswählen.

Kontoinformationen: Welche Apps sollen erfahren dürfen, wer Sie sind? Das bestimmen Sie hier.

Weitere Geräte: Dürfen Geräte Daten mit Ihrem Rechner synchronisieren, ohne zu fragen? Der obere Menüpunkt zielt darauf ab. Wenn Sie nicht möchten, dass Ihr Gerät Sie etwa bei Bluetooth-Beacons anmeldet, wählen Sie hier «Nein». Die Möglichkeit, Geräte zu verbinden, denen Sie vertrauen, wird davon nicht eingeschränkt.

Feedback und Diagnose: Sind automatische Fehlerberichte für Sie in Ordnung? Falls nicht, können Sie diese hier ausschalten – ein für alle Mal.

Hintergrund-Apps: Diese Einstellungen für Apps sind nicht nur aus Datenschutzsicht praktisch. Wenn Sie sparsam mit Berechtigungen umgehen, sparen Sie auf einem mobilen Gerät gleichzeitig auch Akkuleistung.

Soll Microsoft Ihre Windows-Einstellungen online speichern und mit anderen Geräten abgleichen? Auch das können Sie abschalten. Der Punkt versteckt sich im Einstellungsmenü unter «Konten», «Einstellungen synchronisieren». Hier wählen Sie Punkt für Punkt, was Windows online speichert und was nur lokal – etwa Passwörter.

Zu guter Letzt: Falls Sie den neuen Edge-Browser verwenden, den Windows 10 im Gepäck hat, lohnen ein paar Anpassungen. Gehen Sie in den Einstellungen wie folgt vor, falls Sie Ihren Datenschutz stärken möchten:

  • Deaktivieren Sie die Seitenvorhersage.
  • Achten Sie darauf, dass «Do not track» aktiviert ist.
  • Überlegen Sie sich, ob Sie eine andere Suchmaschine verwenden möchten, etwa DuckDuckGo.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.08.2015, 14:06 Uhr

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