So wird Windows wieder schnell

Der klassische Frühjahrsputz fürs Microsoft-Betriebssystem: Was nötig ist, und was Sie sich getrost schenken können.

Die Devise lautet: Nicht zu viel Zeit in die Wartung investieren! Computer sind für die Arbeit da, nicht um gehätschelt zu werden.
Video: Matthias Schüssler

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In der schnelllebigen Computerwelt hält sich ein Thema seit Jahrzehnten mit erstaunlicher Hartnäckigkeit: nämlich die Diskussionen, wie man sein Betriebssystem aufräumt und den Computer wieder schneller macht. Kein Wunder, denn der «Software-Erosion» (englisch auch Software rot, also Software-Verfaulung) ist eine Tatsache, die fast jeder PC-Nutzer schon beobachtet hat: Programme und Betriebssystem werden mit der Zeit immer träger und langsamer, was die Freude an der Arbeit deutlich schmälert.

Im Video gehen wir der Frage nach, was wirklich gegen die digitalen Zerfallserscheinungen hilft, und auf welche Massnahmen und vermeintlichen Wunderprodukte man getrost verzichten kann. Und die gute Nachricht gleich vorneweg: Windows hat in letzter Zeit gute Fortschritte gemacht.

Massnahmen gegen digitale Zerfallserscheinungen

Die wichtigsten Massnahmen sind simpel, und sie lassen sich mit Mitteln des Betriebssystems in Angriff nehmen. Und in Kombination mit etwas Vorbeugung ist die Software-Erosion auch nicht mehr so schlimm wie früher.

Das sind, zusammengefasst, die Empfehlungen:

Die wichtigste Methode ist bei Windows weiterhin die Bändigung der selbststartenden Programme: Geben Sie Eingabe «Auto» ins Windows-Suchfeld ein, und klicken Sie auf «Prozesse anzeigen, die beim Start von Windows automatisch gestartet werden». Es erscheint eine Liste mit allen Programmen, die automatisch ausgeführt werden. Doch viele der Selbststarter können manuell nach Bedarf ausgeführt werden und dürfen daher deaktiviert werden. Und wenn nicht, kann man ein wirklich wichtiges Programm an der gleichen Stelle auch wieder einschalten.

Der klassische Frühjahrsputz

Zum klassischen Windows-Frühjahrsputz gehört das Entsorgen temporärer Dateien. Diese werden von Programmen und dem Betriebssystem für manche Arbeitsschritte selbsttätig angelegt und dann nicht gelöscht. Das hat Datenmüll zur Folge, der unnötig Platz belegt. Windows bietet in den Einstellungen in der Rubrik «System» bei «Speicher» die Möglichkeit, diese Rückstände zu entfernen. Und neuerdings gibt es sogar die Option «Speicheroptimierung», mit der eine kontinuierliche, automatische Bereinigung erfolgt.

Windows räumt inzwischen von ganz allein auf.

Wir empfehlen, via «Freigeben von Speicherplatz ändern» kurz zu prüfen, welche Aufräumaktionen ausgeführt werden. Worauf es dabei ankommt, wird im Video erklärt. Übrigens: Wenn Sie Ihre Datenablage einer Intensivreinigung unterziehen möchten, finden Sie in einem früheren Video die Instruktionen dazu.

Aufräumaktion im Programmordner

Eine ebenfalls elementare Aufräumaktion ist, Programme auf den neusten Stand zu bringen und alle Softwareprodukte zu entfernen, die veraltet sind und nicht mehr benötigt werden. Dabei können Programme von Drittherstellern helfen: Secunia Personal Software Inspector wird seit Jahren von vielen Windows-Anwendern genutzt, um den Softwarebestand einer Aktualisierung zu unterziehen: Das Programm ist einfach in der Benutzung, effektiv und für Privatanwender obendrein kostenlos.

Leider hat der Hersteller entschieden, diese Software demnächst einzustellen, weswegen im Video eine Alternative vorgestellt wird. Der oft empfohlene FileHippo App Manager hat im Test nicht funktioniert, weswegen die Empfehlung nun auf Kaspersky Software Updater lautet. Diese Software funktioniert akzeptabel, ist aber auch ein Werbevehikel für die kostenpflichtigen Sicherheitsprodukte des russischen Herstellers. So behauptet sie beispielsweise, der in Windows eingebaute Virenschutz sei nicht ausreichend, was unserer Meinung nach nicht zutrifft.

Automatisch Altlasten im Programmordner aufspüren.

Kaspersky Software Updater bietet an, die alten Programmversionen auf den neusten Stand zu bringen. Das klappt nicht immer, und wenn man ein älteres Programm nicht mehr benötigt, dann sollte man es über die Windows-Einstellungen und «Apps» in der Rubrik «Apps & Features» deinstallieren. Detaillierte Informationen zur Softwaredeinstallation und Tipps zur Vorbeugung von Softwareproblemen finden Sie übrigens in diesem Beitrag hier.

Digitale Quacksalberei

Das Problem mit der Software-Erosion hat viele Hersteller dazu veranlasst, aus der Not eine Tugend (für sich selbst) zu machen: Es gibt eine fast unüberschaubare Zahl von Programmen, die kontrollieren, optimieren, defragmentieren, korrigieren und aktualisieren – und die vor allem den Mund in Sachen Eigenwerbung ziemlich voll nehmen: ein Klick, und der Computer ist wieder wie neu, wird unverhohlen behauptet.

Das ist in den meisten Fällen digitale Quacksalberei: Viele Programme nützen entweder nichts oder bringen einen nur marginalen Nutzen, der den Kaufpreis und den Aufwand nicht wert ist. Und manche Programme sind nicht komplett nutzlos, aber nicht für einen allgemeinen Frühjahrsputz oder zur Prävention geeignet.

Ein solches Beispiel ist CCleaner: Dieses Programm wird gern empfohlen und von vielen Anwendern routinemässig benutzt. Es bringt aber nur dann etwas, wenn erfahrene Anwender es für die gezielte Problemlösung einsetzen – zum Beispiel wie hier beschrieben.

Risiken und Nebenwirkungen

Wer sich nicht zu den Windows-Profis zählt, sollte auf den Einsatz verzichten, weil CCleaner auch Risiken und Nebenwirkungen hat: So will einem der Hersteller bei der Installation eine Antivirensoftware unterjubeln, die man wahrscheinlich gar nicht haben möchte. Und wie ein spektakulärer Hackerangriff im letzten Jahr gezeigt hat, lässt sich eine solche Wartungssoftware auch zweckentfremden.

CCleaner ist nicht das Wundermittel, für das es manche halten.

Fazit: Die normale Windows-Wartung lässt sich heute recht schnell und unkompliziert erledigen. Und wenn Probleme auftauchen, die sich nicht so ohne weiteres beseitigen lassen, hat Windows eingebaute Hilfsmittel parat. Es gibt in den Einstellungen unter «Update und Sicherheit» im Abschnitt «Problembehandlung» eine inzwischen recht lange Liste mit gängigen Ärgernissen, die sich im Idealfall automatisiert beheben lassen.

Und falls nicht, ist auch der letzte Ausweg nicht mehr so diffizil wie früher: Bei älteren Windows-Versionen musste man eine Reparatur- bzw. Neuinstallation durchführen, wenn sich die Software-Erosion nicht hat aufhalten lassen. Heute kommt man mit der Wiederherstellung ans Ziel. Diese findet sich in den Einstellungen bei «Update und Sicherheit» im gleichnamigen Abschnitt. Es gibt zwei Varianten: Bei der ersten bleiben Daten und Dokumente erhalten, bei der zweiten wird das System auf den Fabrikzustand zurückgesetzt. Mit welchem Verfahren Sie ans Ziel kommen, müssen Sie ggf. ausprobieren. In beiden Fällen ist es wichtig, vorab eine Datensicherung anzulegen.

Erstellt: 18.03.2018, 08:28 Uhr

Tipps und Tricks in Videoform

Was sind Ihre Anliegen?

In der Videoreihe «Digitale Patentrezepte» gibt Matthias Schüssler exklusiv für Tagesanzeiger.ch/Newsnet einmal pro Woche praxiserprobte Hilfestellung zur souveränen Bewältigung des digitalen Alltags.

Falls Sie ein Anliegen haben, das sich für die Behandlung in unserer neuen Rubrik eignen würde, dann unterbreiten Sie uns das bitte über die Kommentarfunktion oder schreiben Sie an matthias.schuessler@tages-anzeiger.ch.

Artikel zum Thema

Windows sinnvoll einrichten

Video Sicherheit, Privatsphäre, Schutz vor Werbung: Microsofts Betriebssystem ist in diversen Bereichen unsinnig konfiguriert. Unser Video zeigt, wie Sie das korrigieren. Mehr...

Der sicherste Browser der Welt

Video Eine der gefährlichsten Tätigkeiten am Computer ist das Surfen. Eine raffinierte Lösung aus Deutschland macht sie um Welten risikoärmer. Mehr...

Arbeiten, so wie Sie es möchten

Video Windows und der Mac erlauben es Ihnen, Programmfenster nach Ihren Wünschen zu organisieren. Was diese Hilfsmittel bringen und welche besseren Alternativen es gibt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

So schützen Sie sich vor Datenkraken

Video Der Schutz vor Datensammlern auf Smartphone und Tablet ist nicht ganz einfach. Wir geben Tipps, wie es trotzdem klappt. Mehr...

Die Risiken des neuesten Mac-Updates

Video Installieren Sie Apples neue Software nicht überhastet – weil damit manches nicht mehr funktioniert. Wir zeigen, worauf es ankommt. Mehr...

Vier Apps gegen die Qual der Wahl

Video Vor Wahlen und Abstimmungen kann das Smartphone eine Hilfe sein. Mehr...