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Softwaredieb zensiert Schweizer PC-Magazin

In der Antiviren-Szene tobt eine Schlammschlacht zwischen Programmierern. Nun gerät auch das Magazin «PCtipp» zwischen die Fronten.

Unzählige Computer-Benutzer profitieren täglich von Gratis-Programmen, die Viren beseitigen und andere Schädlinge wie etwa Spionage-Software, unerwünschte Werbe-Banner und weitere so genannte «Malware» ins digitale Nirvana schicken. In der Gemeinschaft dieser unentgeltlich arbeitenden Sicherheits-Profis gilt: Der Quellcode, also die Struktur des Programms, muss für alle einsehbar sein und wenn jemand Teile eines fremden Programms für seine eigene Software verwendet, wird das offen deklariert.

Doch auch in dieser Szene gibt es immer wieder Personen, die sich gerne mit fremden Federn schmücken. Plagiatoren klauen den Code anderer Programmierer, binden ihn in eigene Software ein und behaupten dann, sie hätten das jeweilige Programm selbst entwickelt. Ein besonders hartnäckiger Fall ist der Amerikaner Christopher Butts aus Kalifornien, der im Internet vor allem unter dem Pseudonym «pcbutts1» bekannt ist.

Druck mit Räuberpistole

Seit Jahren bediente er sich am Programmiercode diverser Sicherheitsspezialisten. Er gab sich auch als MS MVP (Microsoft Most Valuable Professional) aus, eine Bezeichnung für Experten von Microsoft-Produkten, die nur von Microsoft verliehen wird. Wie Recherchen zeigen, war Butts nie ein MVP. Immer wieder meldeten sich betroffene Sicherheitsspezialisten bei ihm und beschwerten sich, er solle die Software wieder entfernen oder wenigstens deklarieren, dass es sich nicht um seine Arbeit handelt. Doch statt die Reklamationen ernst zu nehmen, drehte Butts einfach den Spiess um: Auf seiner Webseite richtete er einen virtuellen Pranger ein und behauptete dort geradeaus, nicht er sei der Dieb, sondern seine Kritiker.

Mit haltlosen rechtlichen Drohungen versuchte Butts die Programme seiner Kritiker vom Web zu nehmen: Dazu meinte er gegenüber einem Webhoster frech, die auf einer Webseite angebotenen Tools stammten von ihm und würden illegal angeboten - dieses Vorgehen trug Früchte; die betroffene Webseite ist bis heute offline.

An ein andere Webseite mit einem Sicherheitstool (ein Gratis-Virenscanner) eines Kritikers aber kam Butts bisher nicht heran: Der Internet-Auftritt des Zürcher Computermagazins «PCtipp». Da Christopher Butts offenbar klar ist, dass er dieses Angebot nicht so leicht zensieren kann, besann er sich auf einen neuen Trick.

Seit kurzem bietet er die «Sicherheits»-Software Remove-it an. Installiert ein Computernutzer dieses Programm arglos, verändert sich in dessen Computer eine Datei derart, dass er in Zukunft nicht mehr auf zahlreiche nützliche Webseiten surfen kann - unter anderem auch auf jene des «PC-tipps». Mit anderen Worten: Wer sich dieses «Sicherheits»-Tool installiert, nabelt sich unbewusst vom Internet ab.

Kritiker mit Porno verleumdet

Diese Spielart ist der bisherige Höhepunkt von Butts' Treiben im Web. Schon im September 2006 reichte es den Profis. Die renommierte russische Antivirenfirma Kaspersky Lab outete Christopher Butts Gebaren als «Betrug» und stellte klar, dass die von ihm verleumdeten Personen «respektierte Personen innerhalb der Sicherheits-Community» seien.

Kasperskys Warnung aber nützte nichts, sondern stachelte Christopher Butts erst so richtig an. Zuerst richtete er eine gefälschte Suchmaschine für geklaute Software ein (ein so genannter Crack Searcher). Dann versuchte er seine Gegner zu diskreditieren, indem er auf mehreren Webseiten die Namen seiner Kritiker mit strafbaren Hardcore-Pornobildern in Verbindung brachte - einige dieser Machwerke sind noch heute online. Christopher Butts reagierte auf eine Anfrage des «Tages-Anzeigers» nicht.

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