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Sollen Macs still starten?

Apple schafft den Aufstart-Akkord ab. Das wirft hohe Wellen. Auch auf der Redaktion.

Apple hat aus Versehen ein paar Tage vor der Präsentation ein Foto des neuen Macbook Pro veröffentlicht. Macrumors.com hat das Bild in der neusten Version von macOS gefunden. Das Bild zeigt offensichtlich ...
Apple hat aus Versehen ein paar Tage vor der Präsentation ein Foto des neuen Macbook Pro veröffentlicht. Macrumors.com hat das Bild in der neusten Version von macOS gefunden. Das Bild zeigt offensichtlich ...
Macrumors.com
... die neue Touchleiste oberhalb der Tastatur. Damit können je nach Programm unterschiedliche Funktionstasten angezeigt werden. Zudem befindet sich oben rechts ein Fingerabdrucksensor, wie er zum Einloggen und für Apple Pay verwendet werden kann.Offiziell vorgestellt wird das neue Macbook am Donnerstag ab 19 Uhr.  berichtet live.
... die neue Touchleiste oberhalb der Tastatur. Damit können je nach Programm unterschiedliche Funktionstasten angezeigt werden. Zudem befindet sich oben rechts ein Fingerabdrucksensor, wie er zum Einloggen und für Apple Pay verwendet werden kann.Offiziell vorgestellt wird das neue Macbook am Donnerstag ab 19 Uhr. berichtet live.
Macrumors.com
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Ja

Von Rafael Zeier

«Gong!» Ob im Ruheabteil im Zug, in der Bibliothek, im Büro, im Vorlesungssaal oder während eines Vortrags - seit den 90er-Jahren informiert dieser von Apple sogar markenrechtlich geschützte synthetische Klang alle Anwesenden, dass man einen Mac hat. Der Apple-Gong ist das akustische Gegenstück zum leuchtenden Apfellogo hinten auf den Macbooks. Letzteres hat Apple schon beim letztjährigen Macbook abgeschafft. Jetzt ist der Aufstart-Gong fällig. Zum Glück!

Sowohl das leuchtende Logo als auch der Apple-Gong waren zwar erträglich, aber doch aufdringlich genug, um die Aufmerksamkeit subtil auf die Nutzerin oder den Nutzer zu lenken. «Schau her, ich habe einen Mac!» Darum sieht man etwa an Konzerten häufig abgeklebte Apple-Logos und, wer weiss wie es geht, deaktiviert den Apple-Gong.

Ärgerlich genug, dass Handys gelegentlich noch klingeln.

Trotzdem, je mehr Lebensbereiche Computer durchdringen, desto unpassender werden solche Geräusche und Signale. Stellen Sie sich einmal vor, das Logo Ihres Handys würde ständig leuchten und bei jedem Entsperren erklänge ein Gong. Ärgerlich genug, dass Handys gelegentlich noch klingeln.

Wir sind inzwischen so weit, dass Computer diskret im Alltag aufgehen können. Neustarts, Lüftergeräusche, Kabelwirrwarr und Disketten gehören der Vergangenheit an. Computer sind allgegenwärtig und funktionieren einfach. Darum müssen sie auch genauso wenig auf sich aufmerksam machen wie ein Blatt Papier.

Dass der Gong nun weg ist, passt auch zu Apples Entwicklung in den letzten Jahren. Auf der Apple Watch ist das Apfel-Logo etwa einen Millimeter gross und auf der Rückseite, wo man es nicht einmal sieht. Auf den schwarzen neuen iPhones ist der Apfel auf der Rückseite je nach Lichteinfall kaum zu sehen. Dass es sich um Apple-Geräte handelt, erkennt man nur an markanten Details: etwa dem Home-Knopf oder der digitalen Krone.

Nichts soll die Nutzerinnen und Nutzer ablenken. Keine Logos, kein Geblinke und schon gar kein Gegonge.

Nein

Von Matthias Schüssler

Apple liebt den grossen Auftritt. Bei den Keynotes, wo die Apple-Führungscrew vor den Augen der Weltöffentlichkeit in die Fussstapfen von Steve Jobs tritt. In den Stores mit ihren grosszügigen Auslagen, die auch einem Juwelier zur Ehre gereichen würden. Und bei den auf Accessoires getrimmten Geräten, die für ihre schlichte Schönheit bewundert werden wollen.

Die Macs leisten ihren Auftritt, indem beim Einschalten ein satter Klang erschallt: selbstsicher und etwas grossspurig, nicht so wie ein duckmäuserischer Windows-PC. Der Arpeggio-Akkord stammt von Mark Lentczner, und er ist zu hören, seit vor 29 Jahren der Macintosh II auf den Markt kam. Das «Klong» bringt zum Ausdruck, dass die Selbstdiagnose keine Fehler gefunden hat. Und es gibt seinem Besitzer die Gewissheit, dass die Welt in Ordnung ist. Und ganz nebenbei erfahren alle Leute in der Umgebung, dass da einer einen Mac benutzt.

Das ist identitätsstiftend, genauso wie die Symbole von Grafikdesignerin Susan Kare. Sie hat den Happy Mac entworfen, der beim Booten erscheint, und sie zeichnet für den Mac-Papierkorb und viele der originalen Macintosh-Schriften verantwortlich. Kare hat übrigens für Microsoft die Karten des Solitär-Spiels entwickelt, das seinerseits für viele Nutzer das Beste an Windows überhaupt darstellt.

Optik und Sound geben dem Mac ein Gesicht und Charakter.

Die Optik und der Sound, sie geben den Macs ein Gesicht und Charakter. Sie machen ihn zum Freund und nicht, wie der nüchterne Look von Windows, zum simplen Arbeitstier. Mag sein, dass Apples Chefdesigner Jony Ive wenig Wert auf die Hinterlassenschaften seiner Vorgänger legt. Vielleicht empfindet er sie als Bürde, als Hindernis bei der Verwirklichung seiner eigenen Vision. Das wäre schade, genauso wie es schade ist, dass der Akkord nun bald ausgedient hat. Denn er ist heute ein Kulturgut. Und um Welten charmanter als Design so zu verstehen, dass man mit möglichst teuren Materialien – Stichwort Roségold – protzen zu müssen glaubt.

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