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Unser Elektromüll vergiftet Asien und Afrika

Die IT-Industrie hat ein positives Image. Der Elektroschrott aber, den sie mit sich bringt, ist sehr problematisch. Oft zahlen die Armen die Zeche.

Über 50 Handys zeigt der aktuelle Katalog von Mobilezone. Jeden Monat erscheinen neue Modelle, die noch schicker aussehen, mehr können, besser sind. Die hohe Gangart, mit der sich neue Generationen elektronischer Geräte ablösen, führt jährlich zu massiv anwachsenden Elektroschrottbergen: Laut der letzten offiziellen Studie des Bundesamtes für Umwelt aus dem Jahr 2001 betrug die Elektronikschrottmenge in der Schweiz jährlich 90'000 Tonnen. Die aktuellen Zahlen für die ganze EU zeigen, dass 2005 10,3 Millionen Tonnen E-Müll angefallen sind. Man geht heute davon aus, dass E-Schrott dreimal so schnell wächst wie die Menge normalen Hausmülls.

Wohin mit dem Abfall? Eigentlich sollte ihn jedes Land fachgerecht entsorgen. Über 170 Länder, auch die Schweiz, haben sich seit 1989 in der Basler Konvention zusammengeschlossen, um das E-Schrott-Problem in den Griff zu bekommen. Doch trotz internationalen Verträgen und Verboten werden laut dem ETH-Forschungsinstitut Empa jährlich Millionen Tonnen E-Schrott von Industrieländern in Entwicklungsländer exportiert. Der Löwenanteil dieses meist illegal entsorgten Mülls landet auf Halden in Indien, China und Afrika.

Guiyu versinkt im Schrott

Das Recyclinggeschäft ist lukrativ: In E-Schrott befinden sich seltene, entsprechend teure Metalle, die wieder verwertet werden können. Ein durchschnittliches Handy besteht aus 45 Prozent Plastik, 20 Prozent Kupfer, 20 Prozent weiteren Metallen (unter anderem Gold, Silber, Platin), 10 Prozent Keramik. Recycelt man diese Stoffe seriös, ist der Prozess aufwendig und teuer. In Drittweltstaaten aber lassen sich diese Kostenfaktoren leicht umgehen.

Ein besonders krasses Beispiel ist die südchinesische Stadt Guiyu. Seit der Fotograf und Reporter Luca Gabino in diesem Ort 2007 die «Recycling»-Stätten fotografisch dokumentierte und sein Werk im Ernst-Klett-Verlag für Lehrkräfte angepriesen wird, gilt diese Stadt als Inbegriff von Umweltverschmutzung durch Elektroschrott.

Die Stadt versinkt im Elektronik-Giftmüll. Unzählige Firmen aus der ganzen Welt laden dort täglich ihren Müll ab. Danach wird er von der Bevölkerung - auch Kindern - «recycelt», indem sie von Hand die Computerteile auseinandernehmen, mit giftigen Chemikalien oder mit Feuer unter offenem Himmel versuchen, wertvolle Metalle zu gewinnen. Die Folgen für die Gesundheit sind verheerend: Atemprobleme, Bleivergiftungen. Giftige, krebserregende Dioxine werden freigesetzt, die sich in der Nahrungskette anreichern. Das Basel Action Network (BAN) aber filmte bereits 2001 in Guiyu die Probleme dieser Stadt. Im nahen Fluss mass die Organisation eine Bleikonzentration, die 2400-mal höher war, als die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als akzeptabel ansieht. BAN schätzt, dass 80 Prozent des E-Giftmülls aus aller Welt in dieser chinesischen Provinzstadt landen.

Schweizer E-Müll in Ghana

Auch Afrika ist ein bevorzugtes Entsorgungsgebiet für E-Müll. 2005 entdeckte BAN in Lagos 500 Frachtcontainer voll mit Computern, die hinter einem Marktplatz unter freiem Himmel verbrannt wurden. Die Greenpeace-Studie «Poisoning the Poor» von diesem August über E-Müll in Ghana zeigt, dass dort Elektroschrott aus Deutschland, Korea, Holland und der Schweiz in Containern «entsorgt» wurde - ein klassisches Beispiel für illegal verschacherten E-Müll, denn eigentlich verpflichtete sich die Schweiz, Elektroschrott nur in OECD-Staaten (die reicheren Industrieländer) zu entsorgen, und das auch erst dann, wenn das schweizerische Umweltamt Bafu das Okay gibt.

Im gleichen Report wird auch gezeigt, von welchen Firmen die alten Geräte stammen. Mit dabei sind Philips, Sony, Microsoft, Nokia, Dell, Canon und Siemens. Da das Problem also jeden Elektronikhersteller betreffen kann, versucht Greenpeace seit Herbst 2006, mit dem Öko-Ranking «Guide to Greener Electronics» auf die Player der IT-Branche Druck auszuüben. Schon damals fiel auf, dass die Grossen der Branche wie Nintendo, Microsoft, Motorola und Sharp äusserst mies abschnitten. Andere wie Apple, Lenovo und Philips befinden sich im schlechten hinteren Drittel der Liste. Nokia ist laut Greenpeace-Ranking mit Abstand die umweltfreundlichste Firma, jedoch ist auch sie noch keineswegs «grün».

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