Viele Detail-Verbesserungen ergeben ein richtig gutes Update

«High Sierra» im Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Test: Was das neue Mac-Betriebssystem alles kann.

Bei High Sierra geht es in kleinen Schrittchen in die richtige Richtung.
Video: Matthias Schüssler

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Apple neigt zu breitspurigen Auftritten – wie letzte Woche wieder, als das iPhone X der nicht so begeisterten Weltöffentlichkeit präsentiert wurde. Doch überzeugend ist das Unternehmen vor allem dann, wenn es nicht zum grossen Wurf ansetzt, sondern daran geht, ein bereits gutes Produkt noch ein bisschen besser zu machen.

Das neue Update des Mac-Betriebssystems ist ein Beispiel dafür: Mac OS 10.13 trägt den Übernamen High Sierra. Das lässt schon erahnen, dass es sich um eine Verfeinerung des Vorgängers handelt, der Sierra heisst. (Sierra meint den kalifornischen Gebirgszug Sierra Nevada, High Sierra ist die Hochgebirgszone der Sierra Nevada.)

Das System wurde an der iPhone-X-Veranstaltung noch nicht einmal erwähnt, und es unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht vom Vorgänger. Doch beim genaueren Hinschauen findet man viele kleine Detailverbesserungen, die im Alltag die Arbeit erleichtern:

Apples Browser nimmt jetzt für jede Website individuelle Einstellungen entgegen.

Safari: Der Browser merkt sich Einstellungen pro Website: Sie legen den Zoomfaktor fest und entscheiden, ob der Reader-Modus fürs einfachere Lesen, die Inhaltsblockierung und die automatische Wiedergabe von Videos verhindert werden. Und Sie geben an, welche Websites Ihre Position erfahren dürfen und welche nicht.

Weniger Nachverfolgung im Web

Es gibt in Safari neu auch die Intelligent Tracking Prevention (ITP): Die soll mittels maschinellem Lernen erkennen, wenn man als Surfer über mehrere Websites hinweg verfolgt wird und dieses Tracking automatisch verhindern.

Fotos: Die Bilder-App synchronisiert nun die Daten zur Gesichtserkennung mit dem iPhone. Sie hält neue, leistungsfähige Bildbearbeitungswerkzeuge bereit, zum Beispiel die Gradationskurve. Die erlaubt eine differenzierte Anpassung von Belichtung und Farbe.

Bei Live-Fotos ändert die App bei Bedarf das sogenannte Schlüsselbild. Wenn man bei einem Schnappschuss den besten Moment vermeintlich verpasst hat, kann man das nachträglich korrigieren. Auch die beim iPhone und iPad mit iOS 11 eingeführten Effekte für Live-Fotos stehen in der App jetzt zur Verfügung.

Jetzt beherrscht Fotos auch subtile Farb- und Belichtungskorrekturen.

iCloud. Dateien, die in Apples Online-Ablage iCloud Drive gespeichert sind, können direkt aus dem Finder freigegeben werden. Es ist möglich, die zugangsberechtigten Personen einzeln zu bestimmen oder Dokumente für alle öffentlich zu machen, wahlweise nur zum Lesen oder auch für Änderungen.

Die Freigaben sind eine gute Alternative zum Versand von Mailanhängen.

Die Freigaben sind über einen Link abrufbar, so wie man das von Dropbox oder anderen Online-Ablagen kennt.

Eine Alternative zu riesigen Mailanhängen

Der Vorteil gegenüber dem Versenden von Anhängen liegt auf der Hand: Die Freigabe eignet sich auch für sehr grosse Dateien. Und Sie können eine Freigabe auch wieder rückgängig machen und anderen Nutzern den Zugriff entziehen.

Spotlight. Die Suchfunktion von Mac OS findet auch Flugverbindungen und teilt nach Eingabe der Flugnummer Abflugs- und Ankunftszeiten, Gatenummer und allfällige Verspätungen mit.

Notiz-App. Häufig gebrauchte Notizen pinnt man an, damit sie immer zuoberst in der Liste auftauchen. Und in Notizen sind jetzt auch Tabellen einfügbar.

Siri. Die digitale Assistentin erhält eine etwas ausdrucksstärkere Stimme und soll auch Übersetzungen vornehmen können. Das hat bei der Vorabversion von High Sierra jedoch noch nicht geklappt. Und es ist möglich, statt mit Siri zu sprechen, die Fragen auch zu tippen – was in Grossraumbüros zu bevorzugen ist. Dazu schaltet man in den Systemeinstellungen bei «Bedienungshilfen» und «Siri» die Option «Siri schreiben» ein.

Kostenlos mehr Speicherplatz

APFS. Das «Apple File System» ist eine neue Methode, um die Dateien auf der Festplatte zu organisieren. Es soll robuster sein als die bisherige Methode, und vor allem Dateien auch effizienter speichern. Das heisst, dass nach dem Update auf High Sierra unter Umständen deutlich mehr freier Speicherplatz zur Verfügung steht als vorher. Beim Update auf High Sierra wird die Festplatte automatisch konvertiert – mit einigen Ausnahmen, zum Beispiel wenn ein Fusion-Drive im Einsatz ist (bei dem wird eine SSD und eine herkömmliche Festplatte zu einem virtuellen Laufwerk kombiniert).

APFS ist ein grosser Fortschritt, doch das neue Dateisystem kann auch Probleme mit Drittprogrammen verursachen. Wer etwa das Back-up-Programm Carbon Copy Cloner nutzt, sollte unter Umständen mit dem Umstieg auf High Sierra noch zuwarten.

Fazit: Der Test mit der Vorabversion von High Sierra hat keine grösseren Probleme aufgedeckt.

Die finale Version des Betriebssystems wird am 25. September kostenlos zur Verfügung stehen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.09.2017, 10:40 Uhr

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Falls Sie ein Anliegen haben, das sich für die Behandlung in unserer neuen Rubrik eignen würde, dann unterbreiten Sie uns das bitte über die Kommentarfunktion oder schreiben Sie an matthias.schuessler@tages-anzeiger.ch.

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