Warum Windows 10 gratis ist

Am Mittwoch schaltet Microsoft das kostenlose Upgrade auf Windows 10 frei. Erstmals verschenkt der US-Konzern damit sein Betriebssystem an die Heimanwender.

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Privatnutzer von Windows 7 und Windows 8.1 haben ab morgen ein Jahr Zeit, ihr Betriebssystem auf Windows 10 aufzudatieren. Windows-Hersteller Microsoft stellt das Upgrade ab 29.Juli 2015 in 190 Ländern – darunter die Schweiz – kostenlos zum Runterladen und Installieren bereit. Unter anderem bringt das neue Windows 10 das von vielen Anwendern schmerzlich vermisste klassische Startmenü zurück.

Von Windows 8.1 direkt zu 10

Mit dem Überspringen von Windows 9 hat sich Microsoft nicht nur einen PR-Gag erlaubt. Das US-Unternehmen aus Redmond will damit signalisieren, dass Windows 10 eine neue Ära einläuten soll. Anwender, die auf die neue Windows-Version wechseln wollen, müssen auf der Internetseite von Microsoft ihre Software vorreservieren. Wie gross die Nachfrage ist, weiss Microsoft Schweiz nicht. «Hierzu liegen uns keine konkreten Zahlen vor, auch leider keine Schweizer Zahlen», sagt Firmensprecherin Stephanie Freise.

«Grundsätzlich ist aber die erwartete Anzahl an Upgrades weltweit bereits weit übertroffen worden.» Gemäss dem US-Wirtschaftsmagazin «The Economist» ist es das Ziel von Microsoft, innerhalb von drei Jahren eine Milliarde Windows-10-Versionen in Umlauf zu bringen. Derzeit nutzen etwa 1,5 Milliarden Menschen täglich Windows. In der Schweiz läuft Windows auf rund 6 Millionen Rechnern.

Im Gegensatz zu früher wird der Wechsel auf eine neue Vollversion viele Schweizer Privatanwender aber nicht zwischen rund 100 Franken und 145 Franken kosten. Wie erwähnt verschenkt der US-Softwarehersteller sein neues Aushängeschild an die Nutzer von Windows 7 und Windows 8.1. Damit vollzieht Microsoft bei seiner Preispolitik einen radikalen Richtungswechsel. Die Firma braucht für ihr Betriebssystem dringend wieder mehr Reichweite – und ist dafür bereit, auf Einnahmen zu verzichten.

Mit dem Aufkommen von Smartphones und Schreibtafelcomputern verlieren die klassischen Personal Computer (PC) an Bedeutung. Zwar ist Windows auf PCs und Laptops immer noch das am weitesten verbreitete Betriebssystem. Auf den mobilen Endgeräten spielt Windows aber keine Rolle (siehe Grafiken). Hier haben sich inzwischen die Betriebssysteme von Google (Android) und Apple (iOS) etabliert.

Windows 10 soll das nun ändern. Die Software ist auch auf Smartphones und Tablets durchgängig lauffähig. So will Microsoft für mobile Endgeräte und Heimcomputer ein einheitliches Betriebssystem anbieten und damit der Konkurrenz Marktanteile wegnehmen.

Ein Dorn im Auge sind Microsoft die vielen verschiedenen Windows-Versionen, die das Unternehmen mit Korrekturauslieferungen der Software unterstützt. Laut dem US-Statistikdienst Net Market Share läuft weltweit auf 61 von 100 Computern Windows 7. Diese Version ist immerhin schon sechs Jahre alt. Es folgen Windows 8.1 und Windows XP mit Marktanteilen von 13 Prozent respektive 12 Prozent. Steigen die Anwender tatsächlich mehrheitlich auf Windows 10 um, müsste Microsoft mehrheitlich nur noch eine Version mit Updates und nicht mehr deren fünf unterstützen.

Ob die Nutzer des beliebten Windows 7 wirklich rasch wechseln werden, ist aber gar nicht so sicher. Microsoft garantiert nämlich, Windows 7 noch bis zum 14. Januar 2020 mit Sicherheitsupdates zu unterstützen.

Kerngeschäft in Bedrängnis

Die neue Preispolitik bei Windows zeigt schliesslich auch, dass sich Microsoft den neuen Gegebenheiten in der Softwareindustrie beugen muss. Internetkonzerne wie Google bedrängen das lukrative Kerngeschäft von Microsoft, indem sie kostenlose Software und Dienstleistungen anbieten. Google konkurriert etwa mit Gmail, Docs, Sheets und Slides die langjährigen Microsoft-Aushängeschilder Outlook, Word, Excel und Powerpoint. Google finanziert seine Geschenke an die Nutzer mit dem Werbegeschäft.

Apple fährt eine ähnliche Strategie wie Google. Die Aktualisierungen des Betriebssystems iOS für mobile Endgeräte wie iPhone und iPad sind kostenlos. Das Geld verdient Apple mit den Verkäufen ebendieser Produkte.

Der Wechsel auf Windows 10 beschäftigt nicht nur die Privatanwender, sondern auch die Schweizer Wirtschaft. Anders als Windows 10 Home für die Heimnutzer ist Windows 10 Enterprise, die Geschäftsversion für mittlere und grosse Unternehmen, jedoch kostenpflichtig. Ein kostenloses Upgrade ist einzig auf Windows 10 Pro möglich, die Version für kleine Firmen.

Swisscom wechselt ab 2016

Wie etwa eine Umfrage dieser Zeitung bei den drei grossen staatsnahen Betrieben zeigt, ist für deren Informatikabteilungen Windows 10 durchaus ein Thema. Die Swisscom hat sich zum Ziel gesetzt, die allgemeinen Arbeitsplätze im Jahr 2016 aufs neue Betriebssystem umzustellen. Die meisten Mitarbeiter arbeiten derzeit mit Windows 7.

Weiter will das Unternehmen bis Ende des laufenden Jahres intern Tablet-Computer mit Windows 10 anbieten. «Zudem laufen Tests in den Swisscom-Shops, welche mit Windows-10-Tablets ausgerüstet werden sollen», sagt Konzernsprecher Sepp Huber. Die SBB werden im Rahmen eines Projektes ab Ende des laufenden Jahres eine allfällige Einführung von Windows 10 prüfen. Das Unternehmen werde aber voraussichtlich erst ab Mitte 2016 entscheiden, «ob und in welcher Form Windows 10 bei den SBB eingeführt wird», wie SBB-Sprecherin Franziska Frey sagt.

Auch bei der Schweizerischen Post ist Windows 10 auf der Tagesordnung: Der Zeitpunkt eines Wechsels und auch die Art der internen Einführung sei jedoch noch nicht definiert und «wird bis Ende Jahr bestimmt», so Post-Sprecherin Nathalie Dérobert Fellay. (Berner Zeitung)

Erstellt: 28.07.2015, 11:52 Uhr

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