Wie Sie der Folienhölle entkommen

Sechs Alternativen zu Microsoft Powerpoint, mit denen Sie spannende Präsentationen abliefern.

Manche Powerpoint-Werke machen einen selbst dann nervös, wenn man noch gar keinen Kaffee intus hat.
Video: Matthias Schüssler

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Das heutige Patentrezept-Video ist zugegebenermassen wegen eines persönlichen Grolls entstanden. Der Autor hegt eine (nicht ganz geheime) Abneigung gegen Microsofts Präsentationsprogramm. Das liegt natürlich nicht nur an der Software, sondern auch daran, wie sie gebraucht und missbraucht wird – mit winzigen Schriften, hässlichen Vorlagen, Orgien von Aufzählungszeichen, schäbigen Cliparts, überzogenen Animationseffekten und völlig überladenen Folien. Und ja, das krasse Beispiel der weltgrössten Powerpointfolie ist echt und stammt vom Pentagon.

Doch obwohl schlimme Präsentationen oft aufgrund menschlichen Versagens entstehen, ist der Autor der Meinung, dass es längst bessere, modernere und zweckdienlichere Programme gibt. Sechs davon stellt er im Video ausführlich vor:

Prezi.com erzeugt zwar ebenfalls Folien, die auf den ersten Blick einschüchternd bis unüberschaubar wirken. Der Clou dieser Software ist aber, dass man während der Präsentation vom grossen Ganzen auf die Details zu sprechen kommt. So geht nie die Übersicht verloren, auch wenn auf Einzelheiten Bezug genommen wird. Ähnlich wie bei einer Mindmap muss man seinen Stoff auch nicht unbedingt linear gliedern, sondern kann Ideen in verschiedene Richtungen verfolgen.

Präsentationskunstwerke

Und: Profis erzeugen mit Prezi Folien, die richtige Kunstwerke sind. Prezi gibt es auch als Apps für Mobilgeräte und den Desktop. Die Software ist im Basisangebot kostenlos. Für zusätzliche Funktionen wie die Offline-Nutzung gibt es Preispläne ab 7 Dollar pro Monat mit Rabatten für Studenten und Lehrpersonen.

Im Idealfall steckt die ganze Geschichte in einer einzigen Folie.

Sway.com – seinerzeit in einem eigenen Video vorgestellt – will statt Folienschlachten sogenanntes Storytelling ermöglichen: Die Daten und Fakten werden in Geschichten verpackt und multimedial aufbereitet. Diese Software eignet sich nicht nur für die Begleitung eines Referats. Man kann mit ihr auch eigenständige Dokumente in digitaler oder gedruckter Form produzieren.

Sway begleitet nicht nur Referate, sondern versteht sich auch auf digitale und gedruckte Dokumente.

Sway ist inzwischen Teil von Microsoft Office. Die Webanwendung kann kostenlos benutzt werden.

Plotagon.com ist eine App für Windows, Mac, das iPad und Android, die das Storytelling auf die Spitze treibt. Mit ihr entstehen kurze Animationsfilme, in denen Sie Ihre Botschaft in Szenen und Dialogen transportieren.

Die Botschaft als Animationsvideo

Sie können Figuren gestalten, diese an Schauplätze versetzen und ihnen in einem Drehbuch Worte in den Mund legen. Die fertigen Videos lassen sich eigenständig zum Beispiel auf einer Website oder in einer App verwenden, aber auch in eine herkömmliche Präsentation einbauen.

Die App ist kostenlos, doch nebst der Basisausstattung müssen Schauplätze, Requisiten und Effekte als In-App-Kauf erworben werden.

Hier beklagt sich Lizzie über Powerpoint.

My simple Show funktioniert ähnlich wie Plotagon, setzt aber anstelle der Computeranimationen auf erklärende Grafiken, die zu den vorgegebenen Stichworten im Bild erscheinen. Auch hier ist die Idee, dass das Thema in eine kleine Geschichte verpackt wird, die anhand einer Figur erzählt wird. Es gibt diverse Vorlagen aus dem schulischen und unternehmerischen Bereich, zum Beispiel für Buch- und Filmrezensionen, Kurzbiografien, Produktvorführungen und Sales-Pitches, aber auch für Erklärvideos, Bewerbungen, Grüsse und Einladungen.

Erklärvideos in Perfektion

Die Texte zum Video können selbst eingesprochen oder von Computerstimmen vertont werden.

Der Dienst darf gratis genutzt werden, wobei dann ein Wasserzeichen im Video zu sehen ist und das Video nur über die Website gezeigt wird. Die kostenpflichtigen Abos starten bei 948 Euro pro Jahr – aber es ist auch möglich, die Software für einzelne Projekte für verträgliche 79 Euro pro Monat zu mieten.

Google Presentation ist jene Alternative, die Powerpoint am nächsten kommt. Diese Webanwendung ist ähnlich aufgebaut, allerdings in den Funktionen aufs Wesentliche reduziert und deutlich übersichtlicher. Die grosse Stärke von Google ist die hervorragende Möglichkeit, mit mehreren Leuten an der gleichen Präsentation zu arbeiten. Ausserdem hält der Suchmaschinenkonzern kluge Funktionen für Interaktion mit dem Publikum bereit. Die werden hier detailliert beschrieben.

Presentation ist wie die anderen Office-Apps von Google gratis.

Slides.com ist ebenfalls für Präsentationen zuständig, bei der eine Folie nach der nächsten gezeigt werden. Diese Software setzt aber ganz aufs Web und die modernen Webstandards. Die Oberfläche ist überschaubar, und es gibt nützliche Hilfsmittel für die Vorführung:

Per Smartphone präsentieren

Der Ablauf lässt sich mithilfe des Smartphones steuern, und die Zuschauer haben die Möglichkeit, die Folien auch synchron zu den Ausführungen am eigenen Bildschirm zu verfolgen. Und was die Ästhetik der Präsentationen angeht, gibt es im Video auch vier Tipps – die natürlich mit allen Regeln der modernen Storytelling-Kunst vermittelt werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.04.2018, 12:32 Uhr

Tipps und Tricks in Videoform

Was sind Ihre Anliegen?

In der Videoreihe «Digitale Patentrezepte» gibt Matthias Schüssler exklusiv für Tagesanzeiger.ch/Newsnet einmal pro Woche praxiserprobte Hilfestellung zur souveränen Bewältigung des digitalen Alltags.

Falls Sie ein Anliegen haben, das sich für die Behandlung in unserer neuen Rubrik eignen würde, dann unterbreiten Sie uns das bitte über die Kommentarfunktion oder schreiben Sie an matthias.schuessler@tages-anzeiger.ch.

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