Grosser Hack: 20-Jähriger handelte aus Ärger über Politik

Der Aufruhr über die Cyber-Attacke war enorm: Nun hat ein Schüler aus Hessen die Tat gestanden.

Über Twitter wurden persönliche Daten von Politikern und prominenten Personen veröffentlicht.

Über Twitter wurden persönliche Daten von Politikern und prominenten Personen veröffentlicht. Bild: Clemens Bilan/Keystone

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Der nach dem grossangelegten Datendiebstahl bei Politikern und weiteren Prominenten festgenommene Tatverdächtige hat nach eigenen Angaben aus Ärger über die Betroffenen als Motiv genannt. Der geständige 20-Jährige habe angegeben, «aus Verärgerung über öffentliche Äusserungen der betroffenen Politiker, Journalisten und Personen des öffentlichen Lebens gehandelt zu haben», erklärte das Bundeskriminalamt (BKA) am Dienstag in Wiesbaden. Er handelte demnach offenbar allein, Hinweise auf eine Beteiligung Dritter gibt es bislang nicht.

Der junge Mann war am Sonntagabend in Mittelhessen festgenommen worden. In Vernehmungen habe er die «gegen ihn erhobenen Vorwürfe umfassend eingeräumt», erklärte das BKA. Zudem habe er «über eigene Straftaten hinaus Aufklärungshilfe geleistet». Demnach gab der Schüler, der noch bei seinen Eltern wohnt, an, allein gehandelt zu haben. Mangels Haftgründen sei er am Montagabend wieder auf freien Fuss gesetzt worden, hiess es weiter.

Computer beiseite geschafft

Die bei Durchsuchungen beschlagnahmten Beweismittel wie Computer und Datenträger werden den Angaben zufolge nun umfassend ausgewertet. Ein Computer, den der Verdächtige zwei Tage vor der Durchsuchung beiseite geschafft habe, sei gefunden worden, zudem konnte ein Daten-Backup sichergestellt werden.

Laut BKA und der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main steht der junge Deutsche im Verdacht, personenbezogene Daten von Politikern, Journalisten und Personen des öffentlichen Lebens ausgespäht und diese im Dezember in einer Art «Adventskalender» über zwei Twitter-Konten veröffentlicht zu haben. Dabei handelte es sich unter anderem um Telefonnummern, Anschriften, Kreditkartendaten, aber auch Kommunikation der Betroffenen, wie Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk von der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) sagte.

Im Kurznachrichtendienst Twitter nutzte der Tatverdächtige die Namen «G0D» und «Orbit». Auf den Accounts waren Verlinkungen zu anderen Plattformen oder sogenannten Filehosting-Diensten, wo wiederum die ausgespähten Daten abgelegt waren. Teilweise habe der 20-Jährige auch das gekaperte Twitter-Konto eines Youtubers genutzt.

Zu dem Verdächtigen wollte Ungefuk auch wegen seines Alters keine näheren Angaben machen. Der 20-Jährige gelte juristisch als Heranwachsender, gegebenenfalls greife das Jugendgerichtsgesetz. Der junge Mann sei «sehr computeraffin». Er verfüge zwar nicht über eine entsprechende Ausbildung, aber über «technische Kenntnisse», sagte der Oberstaatsanwalt.

Keine Hinweise auf politische Motivation

Auf die Frage nach einer möglichen Nähe zur AfD oder zum rechtsextremen Milieu sagte Ungefuk, es gebe derzeit noch kein abschliessendes Bild. Aber bislang lägen «keine objektiven Hinweise für eine politische Motivation» vor. Der Leiter der BAO, Heiko Löhr, ergänzte, es würden sowohl «persönliche» als auch «politische» Motive geprüft.

Der Datendiebstahl im grossen Stil war Ende vergangener Woche bekannt geworden. Das Bundesinnenministerium sprach am Montag von 50 bis 60 schweren Fällen sowie rund tausend weiteren, bei denen es nach den bisherigen Erkenntnissen überwiegend um reine Kontaktdaten gehe.

Das BKA erhielt nach eigenen Angaben am 3. Januar zwei Hinweise auf den Datendiebstahl. In der Nacht zum 4. Januar habe es dann die ersten Absprachen auch mit den Ländern gegeben, sagte Sabine Vogt vom BKA. Am selben Tag wurde die «Besondere Aufbauorganisation» (BAO) eingerichtet, die ebenfalls ermittelt.

Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz begrüsste den Ermittlungserfolg. Es seien aber noch zahlreiche Fragen offen, etwa zum genauen Vorgehen des Täters, aber auch zu etwaigen Mittätern und Helfern, erklärte er. Zudem forderte er eine weitere Verbesserung der Strafverfolgung im Digitalen. (sep/afp)

Erstellt: 08.01.2019, 12:25 Uhr

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