Das grosse USB-Schlamassel

USB-C sollte vieles einfacher machen. Doch die Industrie hat eine gute Idee gründlich vermasselt. Nun soll mit einer neuen Variante alles besser werden.

Ein MacBook Pro von Apple mit USB-C-Anschlüssen.

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Rein statistisch stehen die Chancen 50:50, aber gefühlt ist es doch eher so: Man fummelt mit dem USB-Stecker an einem Laptop oder Handy herum und merkt dann: Mist, doch andersrum. Das ist irgendwann auch den Verantwortlichen für den Standard aufgefallen, zumal da Apple für seine iPhones schon länger Buchse und Stecker entwickelt hat, bei denen es egal ist, wie herum man sie einsteckt. Die USB-Leute haben aber nicht bloss endlich den Stecker drehbar designt. USB-C, so der Name des neuen Formats, hat auch noch viele andere Fähigkeiten bekommen.

Doch durchgesetzt hat sich die neue Technik bei weitem nicht so schnell wie erhofft. Nur bei Smartphones haben nun nahezu alle höherwertigen Geräte die neue Buchse. Bei Laptops kommt die Sache erst allmählich in Fahrt, doch es gibt auch viel Verdruss bei den tragbaren Computern. Das Hauptproblem ist, dass USB-C als eine Art Allheilmittel beworben wird – sowie es schon der Name Universal Serial Bus verspricht, der das Universelle betont.

Nun erlaubt ja der Standard – der derzeit aktuellste heisst 3.2 – mittlerweile tatsächlich so gut wie alles. Nicht nur lassen sich Daten rasend schnell auf Festplatten übertragen oder auf den Computer spielen. Laptops können mittels der Buchse auch andere Geräte laden und darüber selber aufgeladen werden. Doch das gilt vor allem in der Theorie. In der Praxis verleihen die Hersteller meist nur einer der verbauten Buchsen diese Fähigkeit. Gleiches gilt für die Übertragung von Bild und Ton – im Prinzip alles möglich, aber nicht an jeder Buchse klappt alles. Problematisch ist: Auch die Kabel können schuld daran sein, wenn etwas nicht so funktioniert wie vom Nutzer erwartet. Und – noch schlimmer: Schlecht konstruierte Strippen oder Ladegeräte können einen Computer im schlimmsten Fall sogar zerstören.

Dem USB Implementers Forum (USB-IF), einem Zusammenschluss wichtiger Hersteller, das die Standards festlegt, ist das natürlich bekannt. Die Suche «USB-C is a mess» (USB-C ist ein Schlamassel) bei Google fördert unzählige Ergebnisse zutage, und das schon seit einigen Jahren. Warum klappt das also nicht?

Das USB-IF rät den Herstellern, alle Buchsen mit denselben Fähigkeiten zu versehen – das wäre in der Tat die am wenigsten verwirrende Variante für die Nutzer. Doch das ist nicht nur technisch ziemlich kompliziert, sondern auch teuer. Da etwa bei Laptops die Margen ohnehin sehr gering sind, können sich die Hersteller das schlicht nicht erlauben. Die Hoffnung ist, dass elektronische Bausteine entwickelt werden, die alle diese Fähigkeiten auf einem Chip integrieren und in Massen produziert die Misere lindern können.

Doch das löst noch nicht das Problem mit Zubehör. Vorsicht ist geboten bei Zubehörgeräten, die sich nicht an die Spezifikationen halten. Vor allem bei Billigware aus Fernost ist das oft der Fall. Das USB-IF erarbeitet unter anderem deshalb auch ein Sicherheits-Protokoll, das überprüft, ob etwa ein Ladegerät wirklich tut, was es soll und was es vorgibt zu tun. Wenn ein USB-Gerät mit einem Anschluss verbunden wird, tauschen beide Informationen darüber aus, um welches Gerät es sich handelt. Die Informationen, die das Ladegerät und das zu ladende Gerät austauschen, sollen künftig verschlüsselt sein und so nicht gefälscht werden können, verspricht das USB-IF.

Diese Informationen fälschen, das tun beispielsweise auch manipulierte USB-Speichersticks, die sich am Computer als USB-Tastatur anmelden und dann den PC kapern können. In der zweiten Jahreshälfte soll das neue Sicherheitsprotokoll fertig sein. Wer von den Herstellern es dann allerdings einsetzen wird und wann, ist unklar. Ein zusätzliches Logo wird es zunächst jedenfalls nicht geben, wie Joe Balich, Sprecher der USB-IF, sagt. Balich kann auch nur hoffen, dass möglichst viele Hersteller auf eine weitere Neuerung im USB-Standard anspringen. Diese sieht vor, dass Ladegerät und zu ladendes Gerät Informationen darüber austauschen, wie sie's gerne hätten. Das würde dafür sorgen, dass jedes Gerät so schnell wie es vom Hersteller vorgesehen ist, aufgeladen werden könnte – wenn denn das Ladegerät so viel Saft liefern kann.

Die grösste Neuerung von USB 4, so soll der neue Standard heissen, wird sein, dass er auch Fähigkeiten eines weiteren Anschlusses aus der Computertechnik, Thunderbolt genannt, aufnimmt. Thunderbolt wurde 2011 von Apple und Intel entwickelt. Ab Thunderbolt 3 konnte man an diese Buchsen auch USB-Geräte anschliessen, Intel übernahm sogar das drehbar designte Steckerformat für die Buchsen. Aus Thunderbolt-Anschlüssen wurden also USB-Anschlüsse – allerdings solche mit den zusätzlichen Fähigkeiten von Thunderbolt. Diese sind vor allem eine höhere Übetragungsgeschwindigkeit (40 Gigabit/Sekunde) und ausreichend Bandbreite für zwei superhoch auflösende 4K-Bildschirme. Ausserdem kann man damit Geräte mit bis zu hundert Watt laden. Wie man es von USB kennt und erwartet, soll USB 4 auch abwärtskompatibel sein, das heisst, auch ältere USB-Geräte funktionieren damit – allerdings nur mit ihrer ursprünglichen Leistungsfähigkeit.

Die Kunden müssen selber checken, ob alles zusammenpasst

Der Name Thunderbolt und die dazugehörigen Buchsen werden damit allerdings nicht verschwinden. Denn wer den Namen einsetzen will, muss bei Intel ein Zertifizierungsverfahren durchlaufen. Bei USB-Geräten ist das nicht erforderlich.

Wann USB 4 und die versprochenen Verbesserungen auf breiter Front kommen, ist unklar. Der Konsument steht also hier wie bei so vielen anderen Fragen rund um USB-C im Regen. Ob Monitor X mit Laptop Y funktioniert, weiss man sicher meist erst dann, wenn man es ausprobiert hat. Die Produktangaben der Hersteller von USB-Produkten sind bei Online-Anbietern oft unvollständig, wenn nicht gar fehlerhaft. Im stationären Handel muss man Glück haben, einen Verkäufer zu erwischen, der den Durchblick im USB-Schlamassel hat. Vom durchschnittlichen Konsumenten jedenfalls kann man nicht erwarten, dass er der kryptischen Beschreibung auf der Verpackung entnehmen kann, was ein Zubehörteil kann und was nicht.

Und als wäre das noch alles nicht genug, verwirrt das USB-IF die Nutzer auch noch mit Namensänderungen. Anschlüsse, die früher einfach USB 3.0 hiessen, dann USB 3.1 Gen 1, heissen nun USB 3.2 Gen 1. Dazu kommen nun noch zwei weitere USB-Standards, USB 3.2 Gen 2 und USB 3.2 Gen 2x2. Komplizierter geht es eigentlich kaum noch. Sogar den USB-Verantwortlichen dämmert, dass ein solcher Zahlensalat den gewöhnlichen Käufer überfordern könnte. Also sollen die unterschiedlichen Ausführungen mit SuperSpeed USB, SuperSpeed USB 10Gbps und SuperSpeed USB 20Gbps beworben werden. Die Ziffern stehen dabei für die theoretisch mögliche Übertragungsrate in Gigabit pro Sekunde. Geht es um Zubehör, muss der Kunde wie bisher selber checken, ob alles auch zusammenpasst. Eine eigentlich gute Idee – alles funktioniert mehr oder weniger mit allem – steht sich so selbst im Weg.

Die Hoffnung ist, dass mit USB 4 alles wieder einfacher wird. Doch erfahrungsgemäss dauert es immer relativ lange, bis sich neue USB-Standards durchsetzen. Solange haben die Kunden mal wieder das Nachsehen.

Erstellt: 09.03.2019, 19:13 Uhr

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